Fazit und Ausblick

Der Umgang mit Wissen verändert sich mehr und mehr. Wissen wird vielmehr in seinem Umfeld mit verschiedenen Meinungen und personenabhängig wahrgenommen. Webdienste wie die Wikipedia spiegeln diese Veränderung wieder. Dort lassen sich neben den Informationen im Artikel auf der entsprechenden Diskussionsseite auch die verschiedenen Perspektiven und Haltungen zu dem Thema erfassen. Wer heute ein breites Verständnis für einen Begriff wie Web 2.0 entwickeln möchte, sucht bei Technorati nach dem Begriff und kann sich dann verschiedene Weblogeinträge von fachlich Versierten durchlesen. Dabei nimmt er Meinungen auf, folgt Links, liest Kritiken und verfolgt Diskussionen über Trackbacks durch das ganze Web. Am Ende hat er wesentlich mehr gewonnen als ein paar Fakten zu Web 2.0. Er kann spüren, wie umstritten das Thema ist und wo die verschiedenen Positionen liegen. Er hat das Thema in seinen verschiedenen Facetten erfasst und ein Gefühl für das Ganze entwickelt. Kurz, er hat Wissen aufgenommen. Dies könnte er nun in seinem eigenen Weblog wiedergeben und so selbst zum Teil des eng verwobenen Wissensnetzes werden. Die aktuelle Kritik an Wikipedia zeigt, dass es noch ein weiter Weg ist, bis sich dieses Verständnis von Wissen und Wissenserfassung durchsetzen wird. Aber das Vertrauen in die etablierten Medien und Informationsquellen sinkt beständig. Schon heute fragen die meisten vor dem Kauf eines Computers ihre Freunde, mit welchen Produkten sie die besten Erfahrungen gemacht haben, weil sie der Werbung genauso wie den Tests nicht mehr viel Vertrauen schenken. Für glaubhafte Informationen gewinnt das persönliche, soziale Umfeld zunehmend an Bedeutung.

Das Web geht in dieser Entwicklung voran. Die Blogosphäre ist ein enges Netzwerk von sozialen Beziehungen. Sie verknüpfen Menschen und ihre Meinungen. Web 2.0 ist zu Beginn des Jahres 2006 im Web in aller Munde. Manche sehen den Boom der New Economy wiedererstanden. Anderen macht genau das Angst und sie warnen eindringlich vor der Blase 2.0. Die Prinzipien und Geschäftsmodelle von Web 2.0 bieten viele Möglichkeiten, auf lange Sicht das Web so zu gestalten, wie der Erfinder es sich vorgestellt hat, sozial und persönlich. Bis der soziale Umgang mit dem Web bei der breiten Masse angekommen ist, wird aber noch einige Zeit vergehen. Dazu müssen die Dienste noch um einiges einfacher und durchschaubarer werden. Derzeit verschiebt sich der Fokus noch zu häufig auf die Möglichkeiten durch neue Technologien anstatt reale Probleme zu lösen. Im Endeffekt geht es um gute Web-Applikationen, die den Benutzer, seine Wünsche und seine Daten im Mittelpunkt haben.

Auch in der Wissensarbeit setzt sich mehr und mehr das neue Verständnis von Wissen durch. Hier ist der Weg aber noch deutlich länger. Wissensarbeit muss als eigener Arbeitstyp verstanden werden, der anders behandelt und auch abgerechnet werden muss, als das bisher in der Wirtschaft der Fall war. Ein Wissensarbeiter kann sich nicht an die etablierten Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr halten. Sein Gehirn hat seine eigenen Arbeitszeiten und die sind von Dingen wie Netzwerken und verfügbarem Wissen abhängig. Ein Prozess zur Verbesserung der Bedingungen für Wissensarbeit in einem Unternehmen muss deswegen als erstes immer den Begriff Wissensarbeit für das Unternehmen definieren und so die Rahmenbedingungen schaffen, in denen ein Wissensarbeiter seine Tätigkeit ausüben kann. Die Auswahl von Applikationen folgt erst zu einem viel späteren Zeitpunkt im Prozess. Die große Kunst dabei ist, sich nicht von den vielversprechenden Funktionslisten der Hersteller beeindrucken zu lassen. Mit jeder weiteren Funktion steigt die Komplexität eines Produkts im täglichen Gebrauch.

Social Software stellt den komplexen Wissensmanagement-Suiten einfache und flexible Werkzeuge gegenüber, die sich leicht implementieren und erweitern lassen. Durch die Ausrichtung auf Kollaboration und dem Umgang von Wissen im Netzwerk sind sie wie geschaffen für die Tätigkeiten von Wissensarbeitern. Gerade Weblogs können zukünftig, ob als persönliches Journal und Kommunikationsmittel oder als Gruppenblog zur Unterstützung einer Community, ein hervorragendes Werkzeug für Wissensarbeiter sein. Sie helfen nicht nur, Wissen zu sammeln und durch Kommunikation zu erweitern. Sie unterstützen Prozesse und machen sie in einer neuen Art sichtbar, wodurch sie wesentlich besser bewertet werden können. Ein Wissensarbeiter kann seine Arbeit durch ein Weblog greifbarer machen und sich gegenüber seinen Kollegen und seinem Vorgesetzten mit seiner Arbeit profilieren. Wikis wurden direkt als Systeme für die kollaborative Erstellung von Wissensbasen entwickelt und haben aus diesem Grund schon einen kleinen Siegeszug durch große und kleine Unternehmen hinter sich. Doch erst im Zusammenspiel von Wiki und Weblog wird das ganze Potential von Social Software für die Wissensarbeit verfügbar. In naher Zukunft wird es einige neue Systeme geben, die auf der Kombination von Weblog und Wiki beruhen. Wenn die Entwickler es schaffen, diese Systeme benutzerfreundlich und einfach zu gestalten, besteht die Chance für einen großen Erfolg. Die Unzufriedenheit der Manager mit den derzeit verfügbaren Wissensmanagementlösungen deutet darauf hin. Wissensmanagement-Produkte werden sich durch die Entwicklungen im Web in naher Zukunft grundlegend verändern. Die Konkurrenz durch Open-Source-Software wird den Markt verändern und neue Chancen für frische Ideen bieten.

Social Software ermöglicht produktives Arbeiten in der Wissensarbeit durch die Unterstützung von Kommunikation und Dokumentation im Bezug zum Wissensarbeiter. Eine ordentliche Implementierung von Weblog und Wiki in einem Wissensmanagementprozess entscheidet darüber, ob sie die alltägliche Arbeit erleichtern und die Entwicklung von neuem Wissen fördern. Ob der Prozess selbst ein Erfolg wird hängt aber von grundlegenderen Faktoren wie der Motivation der Mitarbeiter, Dauer des Prozesses und der Unternehmenskultur ab. Ein Implementierungsprozess für Wissensarbeit darf sich niemals nur auf die Software konzentrieren. Ansonsten ist er zum Scheitern verurteilt.

Wenn Wissen zum entscheidenden Produktionsfaktor geworden ist und für die Entwicklung von Wissen Kommunikation essentiell ist, wird die Zukunft von den persönlichen Beziehungsgeflechten bestimmt. Beziehungen sind ein elementarer Teil des Menschen und wenn die Wirtschaft verlangt, dass die Menschen mehr miteinander in Beziehung treten, kann das zu mehr Erfüllung und Glück durch die Arbeit führen. Keine schlechten Aussichten.

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