Als kleinen Einblick hier mal die Einleitung zum Social Software-Part in meiner Diplomarbeit.
Als Sir Tim Berners-Lee die Grundlagen für das Internet World Wide Web entwickelte, hatte er ein Medium vor Auge, in dem jeder gleichzeitig Konsument und Produzent sein konnte. Die Barrieren zwischen den Anbietern von Inhalten und den Benutzern sollte nicht bestehen. Die ersten zehn Jahre des Webs sahen aber deutlich anders aus. Nach der Einführung machten sich schnell die großen Unternehmen das Web als Vertriebs- und Marketing-Kanal zu nutze. Sie stellten aufwendig gestaltete Webseiten ins Internet. Dabei stand die Präsentation im Mittelpunkt. Die Technologie dazu war komplex, auch wenn die Grundlagen wie HTML nicht sehr schwer zu erlernen sind. Trotzdem war es mit einem erheblichen Aufwand verbunden, wenn man Inhalte veröffentlichen wollte. Man brauchte teuren Webspace und die entsprechenden Fachkenntnisse und damit war die Hürde zu hoch für einen Masseneinstieg der Menschen als Produzenten. Dazu fehlten die Technologien zur einfachen Beteiligung an Webprojekten. Kommunikation fand vorwiegend über die klassischen Kanäle E-Mail und Newsgroups statt. Das hochgradig verwobene Wissensnetz aus der Idee von Berners-Lee scheiterte lange an den technischen Hürden.
Die Euphorie der Unternehmen für das Internet wurde mit dem Platzen der DotCom-Blase abrupt beendet. Das Web schien gescheitert. Während diesen “dunklen” Jahren des Webs reiften einige Technologien zur vollen Benutzbarkeit heran. Content Management Systeme ermöglichten nun ohne spezielle Kenntnisse, Inhalte zu veröffentlichen. Feeds lösten Inhalte von ihren statischen Webseiten. Dazu sanken die Zugangskosten für das Internet immens, so dass immer mehr Menschen das Web benutzen konnten. Google lenkte den Fokus weg von der Präsentation hin zum Inhalt. Die Suchmaschine schuf einen neuen Zugang zum Web, indem sie den direkten Link zum Inhalt auf Unterseiten statt einen Link zur übergeordneten Webpräsenz zu dem eingegebenen Suchbegriff anzeigte. Damit begann die engere Verwebung des Internets. Es wandelte sich von einer Sammlung von statischen Webpräsenzen zu einem Netz von Informationen und Inhalten. Das Web wurde die ultimative Informationsquelle.
Nun ist das Web wieder dabei, sich zu wandeln. Technologien werden weiter entwickelt. So ermöglichen Weblogs, persönliche, kleine Content Management Systeme, jedem Benutzer mit Internet-Zugang innerhalb von Minuten, eine kleine Webseite aufzubauen und diese ohne spezielle Kenntnisse zu pflegen. Dazu haben sich Dienste entwickelt, die dem Benutzer eine Plattform zur Veröffentlichung seiner persönlichen Inhalte bieten. Das Prinzip der Dienste und der Plattform setzt sich auf allen Ebenen im Web mehr und mehr durch. Der Benutzer rückt dabei in den Vordergrund. Mit dem Wandel von der Informations- zur Wissensgesellschaft entsteht auch ein besseres Verständnis für die sozialen Netzwerke der Person. Neue Dienste unterstützen den Benutzer beim Aufbau und der Pflege dieser Netzwerke. Das Web wandelt sich vom Netz von Informationen zum Netz von Menschen.
Diese Entwicklung vom Netz von Webpräsenzen von großen Unternehmen und Organisation zu einem Netz von Personen, ihrem Wissen und ihren sozialen Verknüpfungen ist so grundlegend, dass sich dafür das Schlagwort “Web 2.0” durchgesetzt hat. Darunter werden die Prinzipien, die Technologien und die Geschäftsmodelle verstanden, die ausschlaggebend für die “neue Version” des Webs sind.
Die Dienste, die diese Prinzipien und Technologien nutzen, um Benutzern zu vernetzen, werden Social Software genannt. Zu Social Software gehören auch klassische Web-Kommunikations-Dienste wie E-Mail und Instant Messenger. In den meisten Fällen sind mit Social Software aber Dienste gemeint, die den Benutzer mit anderen Benutzern verknüpft und so sein soziales Netz weiter spannt. Das kann ein Weblog sein, in das der Benutzer seine Gedanken schreibt und andere dies kommentieren oder in ihrem Weblog weiter führen. Das kann ein Wiki sein, mit dem ein Team gemeinsam im Web an Texten und Dokumenten arbeiten kann. Das kann aber auch ein Dienst sein, mit dem der Benutzer online seine Daten und Medien verwaltet und das ihm zudem ermöglicht, die Daten anderen zugänglich zu machen.
Social Software sind Web-Dienste, die Benutzern eine Plattform geben, um Daten und Informationen zu veröffentlichen und zugänglich zu machen, mit anderen zu kommunizieren und zu kollaborieren und soziale Netzwerke aufzubauen und zu pflegen.
Social Software ermöglicht ein Web, wie Sir Tim Berners-Lee es sich vorgestellt hat. Zur Bestätigung hat er Mitte Dezember 2005 sein eigenes Weblog eröffnet und es mit folgenden Worten eingeleitet:
“In 1989 one of the main objectives of the WWW was to be a space for sharing information. It seemed evident that it should be a space in which anyone could be creative, to which anyone could contribute. The first browser was actually a browser/editor, which allowed one to edit any page, and save it back to the web if one had access rights.
Strangely enough, the web took off very much as a publishing medium, in which people edited offline. Bizarely, they were prepared to edit the funny angle brackets of HTML source, and didn’t demand a what you see is what you get editor. WWW was soon full of lots of interesting stuff, but not a space for communal design, for discource through communal authorship.
Now in 2005, we have blogs and wikis, and the fact that they are so popular makes me feel I wasn’t crazy to think people needed a creative space.”
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