Archive for the 'Social Software' Category

Wo er recht hat…

Wusste gar nicht, dass ein flickr-Set über einen Tag in meinem Leben bei manchen Leuten hoch emotional und mit großer Sorge für mich aufgenommen werden kann. Gerade kam diese Nachricht über flickr von einem ohne Eier, äh, anonymen Absender:

Hallo jkleske,
Du scheinst ein Ahnungsloser zu sein. Deine Bilder von Deiner tollen Agentur (die es in genau dieser Art tausendfach in Frankfurt gibt) mit den ganzen Wir-trinken-noch-ein-Feierabendbierchen-zusammen-weil-wir-so-toll-sind-Deppen ist ein Armutszeugnis unserer heutigen Arbeitskultur. Ich würde mir an Deiner Stelle die Frage stellen, was das für ein Leben ist, jeden Tag von Karlsruhe mit dem ICE in eine so beschissene Werbe-/Designerwelt zu fahren, hastig alle Klischees zu erfüllen und dann noch zu glauben, dass es irgendwie cool ist, einer derart überflüssigen Lifestyle-Community anzugehören. Kuck Dir doch mal an, welche inhaltsleeren Räume Du täglich betrittst. Das pseudo-designde Büro, viel zu klein, scheiß Kunden, viel zu viel Stress und einer Lebenslüge gegenüber … Das, was Du da zeigst, hat nichts mit Selbstverwirklichung, Coolness, Karriere, gutes Geldverdienen oder Individualität zu tun. Die Bilderfolge Deines Tages ist so schmerzlich austauschbar und seriell, dass es mir leid tut, dass Du ein solches Hamsterrad-Leben führen musst. Du befindest Dich in einem Umfeld, das nur Deine Arbeit schätzt, aber nicht Dich. Du offenbarst mit Deinen Fotos eine Welt, wie sie schlimmer nicht sein könnte. Sei bitte nicht stolz auf den oberflächlichen Scheiß, der Dich heute umgibt. Später wirst Du einmal merken, dass es Zeitverschwendung war, zu glauben, dass Dich dieses Leben erfüllt. Werde mal bisschen älter …

Die deutsche Twitter-Community

Wenn ich mir die deutschen Twitter-Charts so ansehe, fällt mir auf, wieviele unter den Top40 ich inzwischen persönlich kenne oder mit wievielen ich zumindest Kontakt über Twitter und andere Tools habe. Für mich zeigt das, dass wir hier eine gut vernetzte Community haben, die Twitter vor allem als Kommunikationstool untereinander benutzen.

Meine Twitter-Seite.

Forrester’s Charlene Li über Social Media und langfristige Beziehungen

Heute Morgen habe ich im Zug die erste Session aus dem SXSW 2008 Podcast (iTunes-Link) gehört.In ‘Social Strategies For Revolutionaries‘ stellt Charlene Li von Forrester Research die Grundthesen aus ihrem demnächst erscheinenden Buch “Groundswell: Winning in a World Transformed by Social Technologies” vor. Bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Souveränität und Sachkenntnis die Forrester-Leute Inhalte vermitteln.

Eine Aussage ist mir besonders hängen geblieben, die ich hier grob wiedergeben will:

Wenn Unternehmen bei ihrer Social-Media-Strategie kein Unbehagen bekommen, gehen sie vermutlich zu zaghaft vor. Es geht hier um Beziehungen und Beziehungen fühlen sich niemals sicher an.

Ich glaube, dass hier ein Knackpunkt liegt, der darüber entscheiden kann, ob ein Unternehmen mit seiner Social-Media-Strategie Erfolg hat oder nicht. Wenn es ein Unternehmen schafft, nicht mehr in Begriffen wie ‚Konsument‘ zu denken, sondern auf Augenhöhe mit Menschen in Dialog treten zu wollen, ist der erste Schritt geschafft.

Mit dem Verständnis von Social Media als Beziehungen dürfte auch schnell klar werden, dass es für den Erfolg eine Langzeitstrategie braucht. Wer nur mit kleinen Kampagnen arbeitet setzt quasi auf One-Night-Stand-Beziehungen. Wer aber langfristig denkt, wird die Sache langsam und Stück für Stück angehen und dadurch viel intensievere Beziehungen zu seiner Community aufbauen können. Zu einer langfristigen Beziehung gehören natürlich auch immer wieder Highlights, die das „Feuer“ anfachen. Aber sie sind nicht die Grundlage.

Xing und die Werbung

heise online - XING-Nutzer protestieren gegen ungewollte Profil-Werbung:

Zu sehen sind Werbebanner derzeit offenbar nur für Xing-Mitglieder, die nicht als zahlende Premium-Mitglieder eingetragen sind und den Dienst kostenlos nutzen. Diese finden sich nun beim Abruf jeglicher Art von Profilen mit Werbebannern konfrontiert. Premiumkunden sehen dagegen keine Werbung, müssen sich aber gefallen lassen, dass ihre Profile als Werbeträger genutzt werden. Eine explizite Information der Nutzer fand nicht statt.

Nach all dem Trouble, den Webanbieter in den letzten Monaten mit ihren Communities hatten (unter anderem flickr wegen Zensur, Facebook wegen allem möglichen, StudiVZ wegen allgemeiner Geldgeilheit, etc.), sollte man meinen, die anderen Anbieter hätten daraus gelernt. Aber denkste, Xing setzt den Reigen munter fort und kleistert sich unschön und unsauber mit Werbung voll.

Haben die Anbieter von Communities alle kein Fingerspitzengefühl im Umgang mit ihren Nutzern? Auf der einen Seite gibt es sicher die Anbieter, für die die Nutzer das notwendige Übel zum Kohlemachen sind. Aber auf der anderen Seite gibt es auch die, die ernsthaft daran interessiert sind, ihren Nutzern einen sinnvollen und hilfreichen Dienst anzubieten. Und zu denen würde ich auch Xing zählen.

Man hat’s aber auch nicht leicht mit so einer Community. Die will gehegt und gestreichelt werden. Und vor allem ist sie furchtbar allergisch auf alles neue. Als Community-Betreiber braucht man sich da gar keine falschen Vorstellungen machen. Jedes neue Feature, das man einführt, wird mit Argwohn, Ablehnung und vielen angedrohten Austritten begrüßt werden. Das ist praktisches Community-Gesetz. Wir lehnen einfach grundsätzlich alles ab, was neu ist. Zumindest so lange, bis wir uns daran gewöhnt haben.

Die Frage ist, ob man als Anbieter hinter dem Feature steht und denkt, dass es der Community dient. Dann gilt es den Kritikhagel auszustehen, abzuwarten und die Hinweise der konstruktiven Stimmen zu beachten. Irgendwann wird die Community merken, was mit dem Feature eigentlich möglich ist und anfangen, es zu akzeptieren. Bestes Beispiel für diesen Vorgang ist der News-Feed auf Facebook (mit dem man sehen kann, was die Freunde bei Facebook machen), für den Facebook bei der Einführung zerrissen wurde. Inzwischen gilt der News-Feed als eine der Innovationen im Social-Network-Bereich und wird von allen kopiert.

Für eins habe ich aber überhaupt kein Verständnis: miese oder gar keine Kommunikation mit der Community. Aus Angst vor der Kritik oder anderen niederen Motiven gehen Anbieter immer mehr dazu über, neue Features heimlich und ohne Ankündigung einzuführen in der Hoffnung, dass der Aufschrei klein bleibt. Aber kollektiver Intelligenz sei dank geht das grundsätzlich immer schief und bewirkt den gegenteiligen Effekt. Viele Anbieter, ob flickr, Facebook oder StudiVZ, haben nach heftiger Kritik reagiert und Dinge geändert oder zurück genommen. Das ist schon mal ein Anfang. Aber das hätte man sich auch ersparen können, wenn man direkt mit der Community gesprochen hätte.

Ich glaube, dass 2008 die Anbieter einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben werden, die ihre Communitymitglieder ernst nehmen und authentisch und ehrlich mit ihnen kommunizieren. Mal sehen, wer die Eier dazu hat.

Update: Lars Hinrichs, Geschäftsführer von Xing, hat sich inzwischen auch zu Wort gemeldet. Auch er ist den gewohnten Gang des Anbieters gegangen und hat auf die Kritik mit der Möglichkeit reagiert, die Werbung auf dem eigenen Profil (bei zahlenden Kunden) abzustellen. Wie gesagt, diese Reaktion war zu erwarten. Ist ja auch nett, dass er sich mit seiner Community unterhält. Die Frage ist nur, warum er das nicht vorher gemacht hat. Hier gilt der Spruch „Besser um Vergebung als um Erlaubnis fragen“ halt leider nicht.

Update2: Kudos an Xing aus ihren Fehler zu lernen, genau hinzuhören und klar zu reagieren: Keine Werbung auf den Profilseiten der Premium-Mitglieder

Habt ihr keine Freunde?

Schöner Artikel von Brian Oberkirch:

Deep Linking: The Social Web & the Fine Art of Friendship

When people say they don’t get Twitter, I tend to think: don’t you have any friends? Because one thing that blogs and Twitter, Last.fm, Flickr, Upcoming, delicious, tumblr, Facebook and other tools of the social Web allow us to do is keep track of what are friends are thinking, reading, listening to, seeing, and so on. It’s an unobtrusive way to peer in on your pal’s life without her having to stop and update you all the time. And it makes the chatter that much richer when next you meet.

Für mich ist Twitter das ultimative Tool, um mein Leben mit meinen Freunden zu teilen, mitzubekommen, was sie bewegt und sich immer wieder kurz auszutauschen.

Wurde die Woche in einem Interview mal wieder gefragt, ob mit dem ganzen (Micro-)Blogging nicht unheimlich viel Müll und Lärm im Web produziert wird. Finde diese Frage immer wieder lustig, weil ja auch niemand darauf kommen würde, z.B. Paaren die Kommunikation zu verbieten. Aber wenn sich so ein Paar am Abend trifft und sich über seinen Tag austauscht, ist das für den Rest der Welt wahrscheinlich ziemlich uninteressant. Für die beiden aber ist es essentielle Kommunikation. Beim Umgang mit dem Web scheint immer noch die unbewusste Haltung zu herrschen, dass alles, was für alle zugänglich ist auch für alle relevant sein muss. Dabei ist es doch gerade das angenehme am Web, dass man eine URL einfach nicht mehr besucht, wenn der Inhalt uninteressant ist und schon muss man sich nie wieder mit ihm beschäftigen.

Wochenendausbeute

Die neusten Nightclub-Trends vom Wochenende:

aka-aki ist ein Social Network fürs Handy. Mehr dazu bei Andre.

Aka-Aki

deezer ist ein Musikservice, bei dem man sich kostenlos jede Menge Musik anhören kann.

Deezer | Musik Auf Abruf, Kostenlose Musik Ohne Download!

Über deezer habe ich dann noch TalkGreener entdeckt, einen “grünen” Mobilfunkanbieter.

Home - Talkgreener

Umgang mit Benutzern im Jahr 2007

Es ist immer wieder lustig, was manche Anbieter von Social Software unter sozial verstehen. openPeople ist YASN (yet another social network), für das ich vor Ewigkeiten mal nen Invite bekommen und mich angemeldet habe. Fand das ganze aber so langweilig, dass ich danach nie mehr drauf gegangen bin.

Pauli hat nun einen alten Eintrag im Blog von openPeople entdeckt, der so einiges über das Benutzerverständnis der Betreiber aussagt.

Wir haben vor einigen Monaten eingeführt, dass wir unsinnige Supportanfragen nicht mehr beantworten, da die meisten Funktionen bei openPeople selbsterklärend sind oder klar und deutlich ausgedrückt auf der Website stehen.

Ist einfach zu geil. Wie können Funktionen selbsterklärend sein, wenn Benutzer sie nicht verstehen. Die Arroganz ist wirklich haarsträubend. Pauli hat sich der Sache ausführlich gewidmet:

Wenn ein Betreiber behauptet, die Funktionen wären selbsterklärend oder klar und deutlich ausgedrückt, dann halte ich das für Selbstüberschätzung und für fehlendes Usability-Denken. Als Betreiber hat man die Plattform selbst aufgebaut und weiß, wo sich alles befindet und wie alles funktioniert. Der User geht mit einem ganz anderen Verständnis ran und muss mit dem zurecht kommen, was der Betreiber für den richtigen Weg hält.

Wenn ein User, oder insbesondere mehrere User, etwas nicht verstehen oder finden, dann liegt das nicht an deren Dummheit, sondern an der mangelnden Bedienbarbeit der Website. Und gerade Supportanfragen sollte man als Grundlage zur Überprüfung der Usability nutzen. Denn daran lässt sich prima ablesen, womit die user Probleme haben.

Wort drauf! Ist schon faszinierend, was für Einstellungen man im Jahr 2007 noch im Bereich Community antrifft. Meine These ist ja, dass der Benutzer immer merkt, ob der Betreiber die Community oder möglicherweise etwas anderes im Fokus hat. So etwas spürt man einer Anwendung immer ab.

Ich rate hier mal ins blaue rein: Der Blogartikel wurde nach einem langen Support-Tag geschrieben, an dem unendliche viele Fragen beantwortet wurden, die einem als Betreiber des Dienstes völlig offensichtlich vorkommen. Stattdessen stellen die Benutzer immer wieder die gleiche Frage. Völlig genervt wurde beschlossen, nicht mehr auf diese Fragen zu reagieren und die Entscheidung wurde dann direkt in einem Blogartikel mitgeteilt. Hab ich auch schon gemacht und kann versichern, dass das immer nach hinten losgeht. Hätte man einmal drüber geschlafen, wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Aber so ist der Stein ins Rollen gekommen. An der Reaktion der Betreiber von openPeople wird man ablesen können, wie sie tatsächlich zu ihren Benutzern stehen.

Nachtrag: Hier ist die Reaktion des Webmasters von openPeople. Lag gar nicht so schlecht mit meiner Vermutung zum Entstehen des Artikels.

Überraschung: Innovation bei Social Networks

Berufsbedingt setze ich mich gerade noch mehr mit Social Networks auseinander als sowieso schon. Echt lustig, weil mich schon der Begriff ‘Social Network’ noch bis neulich tierisch genervt hat. Scheint ja so als würde jeder seinen eigenes SN für seine eigene Nische bauen.

Jetzt, wo ich wieder mehr eingestiegen bin, finde ich es sehr spannend, was in dem Bereich gerade auch an neuen Ideen geht. Allen voran der NewsFeed oder MiniFeed als ultimative Informationsquelle darüber, was meine Freunde so machen.

Aleksander Maksimow schreibt in seinem Blog dazu:

Man bietet mit einem MiniFeed so viele Informationen auf einen Blick die den Community gedanken eines Social-Networks erheblich steigern. Denn die Leute machen genau das wofür Sie ein Social-Network brauchen. Sie kommunizieren und tauschen Interessen aus.

Wir haben nach unserem Beta release von morphex einen extremen anstieg der allgemeinen Useraktivität bemerkt ganz egal ob es Bilder Videos oder Events etc. sind, überall gingen die Werte steil nach oben.

Robert hat definitiv recht: Feeds werden eher über kurz als lang Standard für Social Networks werden. Ich bin sehr gespannt, wie das der Akzeptanz der Dienste helfen und welche Auswirkung es auf die Langzeitmotivation der Benutzer haben wird.

Blogged with Flock

Meine Twitter/Barcamp-Community

Der Web-2.0-Wanderzirkus macht in Deutschland immer häufiger Station. Ein Barcamp folgt dem nächsten. Überall Webmontage. Nun gibt es auch ein DevHouse, wo es weniger Vortrag und mehr Praxis geben wird.

Im Frühjahr ging mir das ja alles noch eher auf die Nerven. Bei der re:publika hatte ich aus der Entfernung nicht das Gefühl, etwas weltbewegendes zu verpassen. Nach dem Barcamp Frankfurt hatte ich dann eigentlich beschlossen, dem Wanderzirkus abzuschwören. Zuviel Business, zuviel Hype, zuviel Technik. Zuwenig breiter Horizont, zuwenig sich selbst nicht so ernst nehmen, zuwenig Community. Es kommt mal wieder alles anders. Mein Kalender für die nächsten Monate ist gut gefüllt und schuld daran ist…Twitter.

Twitter hat sich in den letzten Wochen für mich zum zentralen Kommunikationstool für eine kleine, emergente Community von Leuten entwickelt, denen das gemeinsame Bier genauso wichtig ist, wie das gemeinsame Philosophieren über die Zukunft des Webs.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man der gefeierte Railsentwickler oder „nur“ ein kleiner Blogger ist, entscheidend ist die Persönlichkeit und das mag ich. Es zählt weniger, was du drauf hast und mehr, wie du drauf bist.

Als Teil dieser Community interessiert es mich dann auch, was jemand gerade macht und wie er drauf ist. Für Außenstehende mag das uninteressantes Geblubber sein, für mich ist es ein Stück geteiltes Leben mit Freunden.

Die Community teilt ihr Leben unter der Woche virtuell per Twitter und am Wochenende persönlich auf den Barcamps. Das ist der Grund, warum ich in Zukunft noch mehr durch die Lande tingeln und meine Profite für Zugtickets ausgeben werde. Ich will mit dem einen anstoßen, vom anderen hören, was er zu Webapplikation XY denkt und das Kid des dritten kennenlernen (ich find’s extrem cool, dass gerade laut über Kinderbetreuung etc. bei den Barcamps nachgedacht wird). Der erste Schritt dazu war für mich, die pl0gbar nach Karlsruhe zu holen, die für mich diesen Communityflair widerspiegelt.

Letztendlich entstehen aus dieser Community auch derbe Projekte, kein Zweifel. Aber gerade weil es in erster Linie um Freundschaft und nicht um Inhalte geht, werden diese Projekte nicht nach Copycat aussehen und nach Business riechen und deshalb gute Erfolgschancen haben.

Twitter – Thesen zum Hype

So langsam kommt der Twitter-Hype auch in Deutschland an und die deutsche Blogosphäre scheint sich kollektiv „WTF?“ zu fragen. Wie kann ein Dienst, in dem ich den letzten Rest meiner Privatsphäre preisgebe und ständig poste, was ich gerade mache, so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Sowas mag uns einfach nicht in die konservativen, kritischen Köpfe.

Für alle, dies noch nicht mitbekommen habe, Twitter ist ein neuer Webdienst von Blogger-Gründer und Odeo-Macher Evan Williams. Der Dienst ist sowas wie die Statusmeldung in AIM oder die Mood-Message in Skype, nur dass das ganze in einer Art Blog dargestellt wird. Ich habe 140 Zeichen pro Nachricht, um zu schreiben was immer ich will. Die wenigsten schreiben ausschließlich, was sie gerade machen. Viele posten URLs zu interessanten Diskussionen oder lustigen Videos. Man kann die Nachrichten entweder im Web lesen oder schreiben oder per SMS auf dem Handy empfangen oder schreiben. Dazu gibt es inzwischen einige Tools, die das ganze aus dem Web auf den Rechner holen. Ich nutze Twitterrific.

Nach zwei Monaten, die ich jetzt Twitter nutze, will ich mal ein paar Thesen aufstellen, warum das Ding aus meiner Sicht gerade so abgeht:

  • Erstmal war ich gerade überrascht, als ich festgestellt habe, dass ich tatsächlich schon seit zwei Monaten Twitter nutze. Als ich mich Anfang Januar angemeldet habe hielt ich Twitter für das nächste Web-2.0-Spielzeug, das ich für eine Woche nutzen würde und dann nicht mehr. Nun sind zwei Monate vorbei und ich halte es immer noch für ein Spielzeug, aber für eins, das irgendwie verdammt Spaß macht.
  • Twitter ist insbesondere in der Web-2.0-Community von San Franzisko eingeschlagen. Dort scheint Twitter mehr und mehr als Kommunikationstool für die Community genutzt zu werden. Ständig liest man: „Gehen jetzt zu blabla-Bar, falls jemand vorbeischauen möchte…“ Auch wenn es auf den ersten Blick nicht dafür geeignet scheint, so wird Twitter auch immer häufiger neben der 1-to-many- für die 1-to-1-Kommunikation bzw. Diskussion genutzt, auch wenn alle dabei mitlesen können. Es ist einfach extrem schneller als ein Blogpost. Es ersetzt damit praktisch Kommentardiskussionen auf Blogs.
  • Der Rest der Welt, würde ich behaupten, ist deswegen bei Twitter, um zu sehen, was die „Helden“ in Frisko so tun. Das ist zumindest für mich ein nicht geringer Faktor. Ich meine, ich lese den ganzen Tag Blogartikel, höre Podcasts und benutze die Webapps von diesen Leuten. Da will der kleine Voyeur in mir doch gerne auch mal wissen, was die den ganzen lieben langen Alltag so beschäftigt. Mir ist relativ egal, wann z.B. Robert Scoble kacken geht, aber mit welchen Themen er seinen Alltag verbringt und wo er so rumschippert interessiert mich schon. Oder Leo Laporte, von dem ich ein großer Fan bin. Wann nimmt er eigentlich die tausend Podcasts auf, die er pro Woche zu produzieren scheint? Der Produktivitätsfreak in mir ist ein ausgemachter Voyeur, weil er denkt, dass er von erfolgreichen Leuten noch was lernen kann. Deswegen liebe ich auch flickr-Bilder vom Arbeitszimmer oder was die Leute so in ihren Taschen rumtragen etc. Ich finde die Frage „Wie leben eigentlich andere Leute?“ spannend, das gebe ich gerne zu. Und Twitter liefert mir die Antwort.
  • Nachtrag: Während ich so drüber nachdenke fällt mir der weiter unten erwähnte Vortrag von Kevin Rose (Gründer von digg) ein. Er meinte, dass die wichtigsten Features bei digg zur „selfexpression“ dienen, also alles, was einem User dabei hilft sich selbst auszudrücken und darzustellen. Deswegen kann man bei digg z.B. seine favorisierte Story prominent im eigenen Profil hervorheben. „Selfexpression“ ist wohl auch das Killerfeature für Twitter. Eigentlich geht’s um nichts anderes.

Im Moment macht mich Twitter allerdings eher traurig, weil scheinbar wirklich jeder außer mir in Austin bei SXSW ist.

Was mir an der „deutschen Sicht“ auf Twitter mal wieder auffällt, ist unsere komplette Unfähigkeit zu spielen. Wir hören von Twitter, schlagen die Hände über dem Kopf zusammen ob des Verlustes unsrer Privatsphäre und fragen als nächstes, wie sich damit den bitte schön Geld verdienen lassen sollte. Deswegen sind deutsche Web-2.0-Applikationen in der Regel auch Kopien von mehr oder weniger erfolgreichen Applikationen aus der USA. Ich empfehle zu diesem Thema die FOWA-Vorträge von Mike Arrington, Tara Hunt und Kevin Rose. Wo wir gerade beim Podcastsempfehlen sind, hier ist eine Ausgabe von net@nite mit einem Interview mit Evan Williams.

Ach so, für meine Stalker: twitter.com/jkleske

Update: Kaum veröffentliche ich meine Gedanken zu Twitter tut Ross Mayfield es auch und natürlich viel tiefgehender. Erfahren habe ich davon, richtig, per Twitter ;-)

Hypediss ist live

Hypediss-1

Was fehlt digg? Genau, eine Möglichkeit Scheiße zu dissen. Deswegen gibt’s jetzt hypediss. Bei diesem style-orientierten Social News Aggergator kann man Storys neben dem Hypen auch Dissen, wenn sie einem so richtig auf den Sack gehen. Das neuste Baby aus der Berlin-Schmiede, für die ich im Moment hauptsächlich arbeite, ist gerade geboren. Komplett in Ruby on Rails gebaut und mit einigen neuen Featuren, die die digg-Idee weiterführen. Mal sehen, ob’s ein Hype wird…

Social Software und Web 2.0 – Das Web im Wandel

Als kleinen Einblick hier mal die Einleitung zum Social Software-Part in meiner Diplomarbeit.

Als Sir Tim Berners-Lee die Grundlagen für das Internet World Wide Web entwickelte, hatte er ein Medium vor Auge, in dem jeder gleichzeitig Konsument und Produzent sein konnte. Die Barrieren zwischen den Anbietern von Inhalten und den Benutzern sollte nicht bestehen. Die ersten zehn Jahre des Webs sahen aber deutlich anders aus. Nach der Einführung machten sich schnell die großen Unternehmen das Web als Vertriebs- und Marketing-Kanal zu nutze. Sie stellten aufwendig gestaltete Webseiten ins Internet. Dabei stand die Präsentation im Mittelpunkt. Die Technologie dazu war komplex, auch wenn die Grundlagen wie HTML nicht sehr schwer zu erlernen sind. Trotzdem war es mit einem erheblichen Aufwand verbunden, wenn man Inhalte veröffentlichen wollte. Man brauchte teuren Webspace und die entsprechenden Fachkenntnisse und damit war die Hürde zu hoch für einen Masseneinstieg der Menschen als Produzenten. Dazu fehlten die Technologien zur einfachen Beteiligung an Webprojekten. Kommunikation fand vorwiegend über die klassischen Kanäle E-Mail und Newsgroups statt. Das hochgradig verwobene Wissensnetz aus der Idee von Berners-Lee scheiterte lange an den technischen Hürden.

Die Euphorie der Unternehmen für das Internet wurde mit dem Platzen der DotCom-Blase abrupt beendet. Das Web schien gescheitert. Während diesen “dunklen” Jahren des Webs reiften einige Technologien zur vollen Benutzbarkeit heran. Content Management Systeme ermöglichten nun ohne spezielle Kenntnisse, Inhalte zu veröffentlichen. Feeds lösten Inhalte von ihren statischen Webseiten. Dazu sanken die Zugangskosten für das Internet immens, so dass immer mehr Menschen das Web benutzen konnten. Google lenkte den Fokus weg von der Präsentation hin zum Inhalt. Die Suchmaschine schuf einen neuen Zugang zum Web, indem sie den direkten Link zum Inhalt auf Unterseiten statt einen Link zur übergeordneten Webpräsenz zu dem eingegebenen Suchbegriff anzeigte. Damit begann die engere Verwebung des Internets. Es wandelte sich von einer Sammlung von statischen Webpräsenzen zu einem Netz von Informationen und Inhalten. Das Web wurde die ultimative Informationsquelle.

Nun ist das Web wieder dabei, sich zu wandeln. Technologien werden weiter entwickelt. So ermöglichen Weblogs, persönliche, kleine Content Management Systeme, jedem Benutzer mit Internet-Zugang innerhalb von Minuten, eine kleine Webseite aufzubauen und diese ohne spezielle Kenntnisse zu pflegen. Dazu haben sich Dienste entwickelt, die dem Benutzer eine Plattform zur Veröffentlichung seiner persönlichen Inhalte bieten. Das Prinzip der Dienste und der Plattform setzt sich auf allen Ebenen im Web mehr und mehr durch. Der Benutzer rückt dabei in den Vordergrund. Mit dem Wandel von der Informations- zur Wissensgesellschaft entsteht auch ein besseres Verständnis für die sozialen Netzwerke der Person. Neue Dienste unterstützen den Benutzer beim Aufbau und der Pflege dieser Netzwerke. Das Web wandelt sich vom Netz von Informationen zum Netz von Menschen.

Diese Entwicklung vom Netz von Webpräsenzen von großen Unternehmen und Organisation zu einem Netz von Personen, ihrem Wissen und ihren sozialen Verknüpfungen ist so grundlegend, dass sich dafür das Schlagwort “Web 2.0” durchgesetzt hat. Darunter werden die Prinzipien, die Technologien und die Geschäftsmodelle verstanden, die ausschlaggebend für die “neue Version” des Webs sind.

Die Dienste, die diese Prinzipien und Technologien nutzen, um Benutzern zu vernetzen, werden Social Software genannt. Zu Social Software gehören auch klassische Web-Kommunikations-Dienste wie E-Mail und Instant Messenger. In den meisten Fällen sind mit Social Software aber Dienste gemeint, die den Benutzer mit anderen Benutzern verknüpft und so sein soziales Netz weiter spannt. Das kann ein Weblog sein, in das der Benutzer seine Gedanken schreibt und andere dies kommentieren oder in ihrem Weblog weiter führen. Das kann ein Wiki sein, mit dem ein Team gemeinsam im Web an Texten und Dokumenten arbeiten kann. Das kann aber auch ein Dienst sein, mit dem der Benutzer online seine Daten und Medien verwaltet und das ihm zudem ermöglicht, die Daten anderen zugänglich zu machen.

Social Software sind Web-Dienste, die Benutzern eine Plattform geben, um Daten und Informationen zu veröffentlichen und zugänglich zu machen, mit anderen zu kommunizieren und zu kollaborieren und soziale Netzwerke aufzubauen und zu pflegen.

Social Software ermöglicht ein Web, wie Sir Tim Berners-Lee es sich vorgestellt hat. Zur Bestätigung hat er Mitte Dezember 2005 sein eigenes Weblog eröffnet und es mit folgenden Worten eingeleitet:

“In 1989 one of the main objectives of the WWW was to be a space for sharing information. It seemed evident that it should be a space in which anyone could be creative, to which anyone could contribute. The first browser was actually a browser/editor, which allowed one to edit any page, and save it back to the web if one had access rights.

Strangely enough, the web took off very much as a publishing medium, in which people edited offline. Bizarely, they were prepared to edit the funny angle brackets of HTML source, and didn’t demand a what you see is what you get editor. WWW was soon full of lots of interesting stuff, but not a space for communal design, for discource through communal authorship.

Now in 2005, we have blogs and wikis, and the fact that they are so popular makes me feel I wasn’t crazy to think people needed a creative space.”

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BlogBridge - Java-Feedreader

Ich werde ständig gefragt, was für Feedreader es für Windows gibt. Und meistens zucke ich mit der Schulter. Aber nun empfehle ich euch, BlogBridge genauer anzuschauen.

So you are a real info-junkie - you need to scan through much more information than others. You probably are subscribing to hundreds of information feeds - blogs, data feeds, news feeds, etc. Feeling a bit overwhelmed?Welcome to BlogBridge - the Blog and feed aggregation solution specifically designed for people like you. We will help you organize and sort through vast amounts of information, and we will let you discover stuff that would otherwise be hard to find. Click here to read how we do it!Oh and by the way - it’s it’s free and open source - and it runs on Windows XP, Mac OS X and Linux. So try it now, and make sure you tell other information junkies that you found something really useful.

BlogBridge: Home

Feedreader, für alle, die nichts mit dem Begriff anfangen können, sind Programme, mit denen man z.B. die meisten Blogs lesen kann, ohne die eigentliche Website zu besuchen. Wer mehr dazu wissen will, kann einfach weiter unten unter RSS-Einführung nachschauen.

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RSS-Einführung

Für alle, die sich immernoch fragen, wie die ganze Geschichte mit RSS-Feeds funktioniert und was das überhaupt soll, hat Stefan Bucher eine leicht verständliche und praktische Einführung geschrieben.

Möchten Sie jederzeit wissen, wann auf Ihrer Lieblingswebsite neue Artikel aufgeschaltet wurden? Dann wünschen Sie sich vielleicht so etwas wie ein Zeitungsabonnement für Webseiten.Von einigen Websites werden Sie vielleicht schon seit langer Zeit mit einem Newsletter bedient. Per E-Mail schickt Ihnen der Sitebetreiber Neuigkeiten in Ihre Inbox.Die Technologie namens RSS erfüllt den gleichen Zweck. Mit ihr können Webnutzerinnen und -Nutzer Nachrichten von Webseiten abonnieren und auf ihrem Computer empfangen.

Webseiten im Abo mit RSS - Internet-Tutorial - stefanbucher.net

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Flock - social software browser

Ich habe gerade ziemlich viel Spaß mit der Preview-Version von Flock, einem neuen Browser. Das besondere bei diesem ist, dass er direkt auf Social Software ausgerichtet ist. D.h. die Browserverwaltung basiert auf del.icio.us und man kann sehr einfach Blogeinträge posten, inklusive Integration von flickr-Bildern. Ein nettes Feature ist auch das Shelf. Das ist ein Fenster, in das man alles reinziehen kann, über das man z.B. später posten möchte.

Insgesamt sieht das Preview schon ziemlich viel versprechend aus. Könnte der ideale Browser zum Surfen für Blogger werden.

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