Archiv für die 'Vision und Berufung' Kategorie

Being Spaces: Arbeitsräume für die digitale Bohème

Nachdem ich neulich über den Artikel von WebWorkerDaily zu dem erhofften Trend von neuen, öffentlichen Arbeitsplätzen für WebWorker gestolpert bin, beschäftigt mich das Thema wieder wie früher, als meine Vision noch nicht von großen Businessgedanken verschüttet war.

Vom der Entwicklung her, gerade wenn man sich Dinge wie die digitale Bohème ansieht, scheint nun auch der passende Zeitpunkt gekommen, ein solches Projekt von der Vision in die reelle Planung übergehen zu lassen.

Das Problem

Cafes sind derzeit die beliebtesten Arbeitsplätze von mobilen Webworkern nach dem Schreibtisch in den eigenen vier Wänden. Der große Vorteil ist, dass man zuhause raus kommt, unter Leuten ist und einen entspannten Ort für Treffen hat. Arbeiten im Café bringt aber auch so einige Schwierigkeiten mit sich. Von vielen Cafebetreibern wird man immer noch als Störenfried bzw. WLAN-Schmarotzer betrachten, Steckdosen sind in der Regel nur unzureichend vorhanden und was macht man mit dem Geschäftspartner, dem man auch mal eine Präsentation vorführen will? Noch schwieriger ist es für Väter und Mütter, deren Kinder (noch) nicht in einer Tagesstätte untergebracht sind.

Die Idee

Man schafft neue Arbeitsräume, die komplett auf die Bedürfnisse der neuen WebWorker ausgerichtet sind. Sitzplätze sind mehr von einander abgegrenzt, um mehr Privatsphäre zu ermöglichen. Man zahlt nicht für die konsumierten Getränke, sondern mietet einen Platz stunden- oder tageweise. Jeder Platz ist mit Internet und Steckdosen ausgestattet. Es gibt separate Konferenzräume mit voller Technikausstattung. Anschluss an ein Café macht durchaus Sinn, um auch mal entspannen bzw. zumittag essen zu können. Optional gibt es eine Möglichkeit der Kinderbetreuung.

Übersicht – Was schon geht (in NY)

Hier sind verschiedene Projekte, die das ganze schon kommerziell oder nicht-kommerziell umsetzen:

  • Hat Factory ist eine nicht-kommerzielle Gemeinschaft von WebWorkern in San Franzisko, die eine alte Hutfabrik als Büroraum ausgebaut haben. Auf der Seite gibt es einen Videorundgang. Mehr zur Hat Factory bei WebWorkerDaily.
  • paragraph ist speziell auf Autoren, Schriftsteller, Texter und sonstige Schreiber ausgerichtet. Wie die meisten dieser neuen Arbeitsräume ist paragraph in New York angesiedelt. Als Mitglied bekommt man einen Code für die Eingangstür und kann dann dort zu jeder Tages- und Nachtzeit in einer der Arbeitszellen schreiben. Es gibt eine Küche und eine Lounge mit Bibliothek.
  • Auch The Village Quill richtet sich speziell an Schriftsteller und bietet dazu eigene Workshops und Lesungen an.
  • Two Rooms hat sich speziell auf WebWorker mit Kids ausgerichtet. Ein Raum für die Erwachsenen, einer für die Kids. Allerdings sieht es gerade so aus als hätte das Ding zugemacht.
  • The Coffee Office bietet neben Arbeitsplätzen vor allem eine sehr angenehme Atmosphäre und Premiumdienste wie mietbare Briefkästen und einen Konferenzraum für Videokonferenzen.
  • The Office in Santa Monica, Kalifornien bietet neben vielen Plätzen mit T1-Internetzugang auch Bose-Kopfhörer, um sich komplett abzuschotten.

Der Trend: Being Spaces

Auch Springwise hat schon ausführlich über den Trend berichtet und ihm einen Namen gegeben: Being Spaces:

With face-to-face communication being rapidly replaced by email and chat, goods and services being purchased online, and big city apartments shrinking year by year, urban dwellers are trading their lonely, cramped living rooms for the real-life buzz of BEING SPACES: commercial living-room-like settings, where catering and entertainment aren’t just the main attraction, but are there to facilitate small office/living room activities like watching a movie, reading a book, meeting friends and colleagues, or doing your admin.

Die Coworking-Community

Unter dem Label ‚Coworking‘ gibt es inzwischen eine internationale Community, die sich der Arbeitsräume für WebWorker annimmt. Es gibt bereits ein Wiki mit vielen Links zu lokalen Gruppen, eine Coworking Google Group und ein Blog.

Die Vision ist zurück

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Kids den Umgang mit Medien beibringen…

Alte Brunnen

Web Worker Daily » Seven Web Worker Wishes for 2007 «:

Wish 7: Starbucks introduces a chain of coworking cafes. Instead of jazzy music, customers would hear white-noise style nature sounds like waterfalls or babbling brooks. Wifi would be free, once you joined the coworking club for a reasonable yearly membership fee. Each coworking cafe would include rentable conference and napping rooms–even the most motivated web workers need a rest now and then. Customers could rent the use of large flat-panel displays for an hourly or daily fee. Personal coaches, massage therapists, and tech support specialists could offer appointments to soothe any career, body, or computer problems that arise while coworking. Bonus: a soundproof childcare room would keep the kids busy while Mom and Dad get their work done.

Hola, das triggert bei mir gerade massiv die alte Vision im neuen Gewand. Mehr dazu im neuen Jahr.

Personen vs. Projekte

Mit der entscheidende Grund, warum ich mich für die Selbstständigkeit entschieden habe hat mit Projekten zu tun. Ich denke ziemlich projektorientiert. Ich arbeite gerne an verschiedenen Dingen gleichzeitig und habe teilweise sehr unterschiedliche Interessen, denen ich mit verschiedenen Projekten gleichzeitig nachgehen kann. Hätte ich mich für einen Arbeitgeber entschieden, hätte ich mich, was meine Arbeitszeit angeht, für einen Bereich entscheiden müssen. Das wäre mir wohl sehr schnell langweilig geworden.

So der Stand in meinem Kopf im März. Inzwischen ist ein bisschen Zeit ins Land gezogen, ich habe ein paar Monate Erfahrung und die Gedanken etwas weiter gesponnen. Vor allem aber habe ich neue Leute kennengelernt und alte Bekanntschaften vertieft. Ich habe ein paar Monate mehr mit meinen Kubik-Freunden gelebt und all das hat dazu geführt, dass mir inzwischen Personen in meiner Arbeit wichtiger sind als Projekte. D.h. mir kommt es nicht mehr in erster Linie darauf an, spannende Projekte zu machen, sondern mit den richtigen Leuten zusammen zu arbeiten. Die Projekte treten dahinter zurück. Wenn ich also mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten kann, mache ich auch gerne Dinge, die ich an sich jetzt nicht so spannend finde.

Diese Erkenntnis hat dafür gesorgt, dass ich anders an neue Dinge herangehe. Ich frage mich nicht mehr „Was will ich machen?° und suche mir dann dafür die passenden Leute. Vielmehr hocke ich mich mit Leuten zusammen und überlege, was man gemeinsam machen könnte.

Bsp: Im Februar habe ich auf der Web-Apps-Konferenz in London einen Typ getroffen, der eine Agentur in Köln hat. Irgendwie hat es sofort gepasst. Manchmal trifft man so Leute, denen man nichts erklären muss, von dem was einen gerade beschäftigt. Sie lesen das gleiche, denken über das gleiche nach und sind zwischenmenschlich auf der gleichen Wellenlänge. Es hat „gefunkt“. Vor ein paar Wochen habe ich ihn besucht mit der Prämisse „Mir ist egal was, aber lass uns irgendwas zusammen machen.“ Und das wird nun passieren. Genaueres gibt’s später. Es wird jedenfalls mehr als nur ein weiteres Projekt.

Diese Methode mag vielleicht nicht die effektivste für eine steile Karriere sein. Aber das ich daran kein Interesse habe, müsste ja inzwischen durchgedrungen sein. Ich merke einfach, dass es mich erfüllt und inspiriert mit bestimmten Menschen zusammenzuarbeiten. Und darum geht’s doch im Leben und beim arbeiten.

Suche Mentoren und Business-Freunde

Eines habe ich in den letzten zwei Monaten gemerkt und nach dem Lesen von 10 Stupid Mistakes Made by the Newly Self-Employed (via Martin Röll) ist es mir noch mal klar geworden: Ich bin extrem naiv in das ganze Businessding gestartet. Mir fehlt massiv Erfahrung in der Businesswelt und selbst in meinen Fachgebieten habe ich zwar viel Wissen aber wenig Erfahrung. Bücher helfen kaum. Die meisten sind so allgemein gehalten, dass sie im Alltag nur schwer anwendbar sind. Mit Abstand am meisten haben mir bisher die Tipps von Markus und Marco geholfen. Ich brauche mehr davon. Das Web mit den interessanten Blogs ist schon eine große Hilfe, weil die Autoren hier nicht für ein breites Buchpublikum schreiben sondern mehr praktisches weitergeben.

Aber ich merke, dass ich gerne noch mehr hätte. Zum einen suche ich Mentoren, mit denen ich bestimmte Aspekte regelmäßig durchsprechen kann. Ich würde halt wirklich gerne mal wissen, was um alles in der Welt ich für meine verschiedenen Tätigkeiten verlangen kann usw. Allgemeiner geht es mir vor allem darum, das Profil meines Unternehmens zu formen. Was sind meine Kernkompetenzen, worauf sollte ich mich konzentrieren, wie plane ich Meilensteine, wie entwickle ich Geschäftsbeziehungen, wie verkaufe ich mich, in welche Richtung soll ich das ganze Ding steuern? Und wie es sich für gute Mentoren gehört, geht es mir weniger um die Antworten als um die richtigen Fragen. Hey, und wie ich bereits früher gesagt habe, vergesst High Potentials Förderung und so ein bla. Hier geht’s zuerst um mein Leben, nicht um den Nachwuchs für deine Firma.

Daneben suche ich auch nach Leuten, die in dem gleichen Ding drinstecken. Warum sollte ich den hier für mich alleine kämpfen, wenn es noch andere gibt, von deren Erfahrungen ich lernen kann und sie von meinen. Networking, alta. Das ist doch der heiße Scheiß. Aber mir geht’s dabei weniger um Businessbeziehungen als um Freundschaften. Ich habe kein Interesse an Leuten, die nur Kontakt aufnehmen, um mögliche Zusammenarbeiten zu checken und dann wieder weg sind. Also, wenn du dich irgendwie in diesem Webding bewegst und versuchst, deine Kompetenzen so einzusetzen, dass du Arbeit machst, die dich ausfüllt und daneben noch für einen gefüllten Kühlschrank sorgt, nimm Kontakt auf. Lass uns mal einen Kaffee trinken gehen…

Wofür arbeite ich?

Ich frage mich gerade viel, was ich eigentlich will, gerade mit dem ganzen Businesszeug usw. Wieviel will ich Geld verdienen, wieviel Zeug machen, das mich flasht, wieviel Leute supporten usw.? Alles nicht so leicht zu greifen und zu formulieren. Aber manchmal lese ich dann Dinge wie die nachfolgenden und fühle mich mit meinen Gedanken nicht allein auf der Welt.

Dave Rosen in Getting Happier, Step 1: Don’t dance with the money devil

[...]Since the dawn of time people would work for survival or food – things much more real than money. When progress and industry brought rapid change the world became material and money represented everything. Pavlov trained a dog to drool by the sound of a bell rather than from getting food. People were trained to drool by the color of money rather than being happy. I lived for sometime in China where money was out of the equation and was amazed by the enormous focus on family and community that seems to be missing in the west.That’s why recently when I was offered a job with the 2nd biggest company in the world I said no. The pay was just ridiculous high. It was located in a massive complex where they had their own restaurants and gym. They were even using cutting edge technology. But at the end of the day the main reason I would be doing it was for the money. Life is just too short for that.

However when 37signals wanted Futuretrack5 to work on a project for them it was the reverse. I insisted no payment because if we began building the project because we were getting paid, there would be no heart and the passion would go.[...]

Die ersten Wochen…

Johannes Karlsruhe

…als Selbstständiger sind rum. Ganz schön spannend, das ganze Ding. Mehr und mehr realisiert mein Verstand, auf was er sich da eigentlich eingelassen hat bzw. in was ich da blind reingesprungen bin. Ist ja nicht so als wäre ich das Ding mit der großen Geschäftsidee angegangen, die ich nun zielstrebig mit viel Investorenkapitel umsetzen würde. Im Prinzip habe ich überhaupt keine Ahnung, wie der Hase läuft. Und das macht sich im Alltag bemerkbar. Umso genialer ist es, dass ich nicht völlig isoliert mit meinem Gewerbe bin.

Ich sitze mit meinem Schreibtisch in der Bürogemeinschaft von Kubik, wo auch zoon designs und Kairos Media zu hause sind. Das erleichtert die Arbeit ungemein, weil ich bei jeder kleinen, blöden Frage nur durch den Raum brüllen muss, um Antworten von Markus und Marco zu bekommen, die sich mit dem gleichen Zeug rumschlagen müssen, nur schon viel länger als ich. Auch nicht gerade weise ist es ein Gewerbe ohne finanzielle Rücklagen hochzuziehen. Umso beeindruckender, wenn dir Freunde von sich aus anbieten, dir Geld zu leihen. Auch der Hammer ist, dass direkt im ersten Monat das Ding mit Holtzbrinck angelaufen ist, was sich mehr denn je nach nem Traumjob anfühlt und nebenbei auch noch für direkte Einnahmen sorgt.

Fazit: Ich habe noch derbe viel zu lernen, vor allem über das Business. Es bleibt ein Abenteuer, aber eins, bei dem ich immer mehr das Gefühl habe, dass ich es nicht alleine bestreiten muss…

Mehr zum Thema:

Offiziell

Seit heute morgen bin ich nun offiziell selbstständig. Damit kann das Abenteuer beginnen. Derzeit sieht es für den Start gar nicht mal so schlecht aus. Meine kleine Deutschlandtour hat sich bisher sehr bezahlt gemacht. München war super. Ich werde für das Holtzbrinck eLab an superspannenden Webprojekten arbeiten. Das ist genau die Form von Job, die ich mir wünsche: Web-2.0- und Social-Software-Projekte auf freier Basis entwickeln.

Nächste Woche geht es erstmal auf die CeBIT, wo ich Carsten an seinem Stand über iverse unterstützen werde (tautoko halt). Von dort aus geht’s weiter nach München für den ersten Job im eLab.

Und seit heute morgen bin ich nun auch offiziell Bürger von Karlsruhe…

Projekt 1001

Seit heute ist sie vorbei, meine Studentenzeit. Ist irgendwie schon was großes, ein neuer Lebensabschnitt. Wie passend, dass wir gerade 24-7-Gebetswoche bei Kubik haben und ich die erste Stunde dieses Tages im Gebetsraum verbringen konnte. Ich liebe ja so symbolisches Zeug. Nun hat er also begonnen, der Ernst des Lebens.

Die nächsten Wochen und Monate sehen bisher sehr verheißungsvoll aus. Mangelnde Arbeit ist nicht das Problem. Eher die Frage, zu was ich nein sage. Damit ich mich nicht völlig in der Arbeit und dem Web verliere, habe ich, inspiriert durch Echo Faith, mein Projekt 1001 gestartet. Dabei geht es darum in den nächsten 1001 Tagen 101 Ziele zu erreichen. Diese Ziele haben alle erstmal nichts mit meiner Arbeit zu tun, sondern konzentrieren sich auf den Rest meines Lebens. Bei diesen Zielen geht es weniger darum, sie einfach nur abzuhaken. Vielmehr sollen sie gewisse Dinge und Umstände in meinem Leben triggern. Wenn ein Ziel „Koche 20 Essen für Freunde“ heißt, geht es im Prinzip darum, Zeit mit Freunden zu verbringen und nicht nur schnell ein Essen hinzurotzen. Ist klar, oder?

Also, mal schauen, was draus wird. Mein Leben ist gerade spannend wie nie zuvor und ich hab Bock auf die nächsten Schritte.

Zwei Seelen

Einer der Hauptgründe für meine Entscheidung zur Selbstständigkeit ist die Angst, bei einem vollen Job in der Webbranche völlig in Konzeption, Meetings und Ajax-Diskussionen unterzugehen und dabei sinnvolle Ziele und das Ausüben der Tätigkeiten, die mich ausfüllen komplett zu vernachlässigen. Die eigentliche Angst ist aber, dass dies schleichend passiert, weil ich mich an den Lebensstil gewöhne und ihn sogar genieße. Es gibt da so einen Teil in mir, der hat Bock nur noch in Buzzwords zu reden, „kreative“ Meetings im Starbucks zu haben, mit nem schicken Notebook durch die Welt zu jetten und ständig am Handy wichtige Gespräche mit Kunden über Deadlines für superwichtige Projekte zu führen. Dieser Teil hätte die Hochzeit der New Economy geliebt und würde jetzt gerne einen Milchkaffee (sorry, Galáo) auf der Schanze trinken, während er diese Zeilen in sein MacBook Pro tippt. Und ich finde das nicht mal schlimm. Ich kann jeden verstehen, der das lebt. Nur stellt ein anderer Teil in mir dann schnell die unbequemen Fragen. Soll das der Sinn deines Lebens sein? Rettet Web 2.0 Menschenleben? Muss ich jede neue Social Software testen, während Kinder in Asien meine nächsten Sneaker fertigen, die zu meinem Hipster-Lifestyle pflichtgemäß dazu gehören?
Die richtige Position liegt wohl irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Polen. Meine Selbstständigkeit erlaubt mir, zumindest hoffe ich das, selbst zu bestimmen, wohin ich mich bewege und gegebenenfalls gegenzusteuern. Wie auch immer…
Jedenfalls habe ich richtig Bock auf spannende Webprojekte, bei denen es nicht nur um Werbung und plumpe Promotion geht. Zum Beispiel arbeite ich mit Denis gerade an einem neuen Webauftritt für die Art Academy in London. Das sind richtig coole Leute dort, denen es vor allem um ihr Handwerk und die Kunst geht. Die sind jung und offen für neue Ideen. So macht das für mich Sinn.
Dieses Austarieren zwischen den beiden Polen  beschäftigt mich gerade besonders, weil ich mich halt frage, wie ich mich verkaufen soll. Präsentiere ich mich als Web-2.0-Experten, der in Webdiensten und Plattformen zu hause ist und als idealer Berater für Social-Web-Projekte, der eigentlich nur nach der richtigen Idee sucht, um von Yahoo gekauft zu werden?
Oder versuch ich’s superehrlich und stelle mich als Berufseinsteiger ohne Karriereambitionen mit kaum Erfahrung und nem zufällig gelungenen Abschluss dar, der was über Web 2.0 geschrieben hat, der aber auch über nen FairTrade-Streetwear-Label/Shop/Mailorder nachdenkt, der nicht aus Karlsruhe weg will, weil er hier das Umfeld und die Freunde hat, mit denen er den heißen Scheiß realisieren will und der einfach nur tausend Projekte machen möchte, die ihm Spaß machen und Erfüllung bringen, ohne schon genau zu wissen, wo das endet.

Also, liebe Firmen, ihr braucht nen Typen, mit dem ihr frische Konzepte für Webprojekte jeder Art entwickeln könnt, die vorwiegend außerhalb der gewohnten Schienen laufen sollen, aber auch gerne Kohle einbringen können? Ihr denkt projektorientiert und nicht in Vollzeit-Festanstellungen? Dann bin ich euer Mann, das Frischfleisch von der Hochschule mit einem Rest von Idealen und ungeschliffenen Perspektiven. Und wenn das Projekt geil ist, schiebe ich sogar gerne Nachtschichten.
Wenn ihr aber „Young Talents“, „Future Leaders“, „zukünftige Führungskräfte“ oder „Experten mit Leidenschaft“ für eure Karriereförderungsprogramme sucht, die euch die nächste e-Commerce-Plattform bauen, einen Arbeitsplatz auf eurem fancy „Campus“ und eine 100%-Festanstellung bekommen, aber 150% arbeiten sollen, dann spart euch die E-Mail.
Mal sehen, wann ich mir für diese Aussage ins Knie beiße…

Randnotiz: Wie alles in diesem Blog ist auch dieser Text aus dramaturgischen Gründen völlig übertrieben und dient vor allem dazu, dass ich meine Gedanken mal formuliert bekomme, wobei die Realität viel komplexer ist. Aber die wird sich auch nie in einem Blogtext wiedergeben lassen.

Die Entscheidung

Die Entscheidung ist gefallen. Ich werde mich als Berater, Konzepter, Entwickler und allgemeiner Webexperte selbstständig machen. Auch wenn ich es eigentlich schon von Anfang an wusste, so habe ich doch etwas gebraucht, bis ich mir über diesen Schritt sicher war. Denn immerhin kostet er einen hohen Preis. Ich gebe die Chance auf eine Karriere mit gutem Gehalt und viel Sicherheit mindestens für die nächsten Jahre auf und darf mich nun mit schlaflosen Nächten mit Sorgen um die nächste Kühlschrankfüllung anfreunden. Aber ich glaube, dass es den Preis wert ist.

Die Möglichkeiten zur Selbstständigkeit waren für mich selten so gut wie im Moment. Meine Lebenskosten sind extrem niedrig (keine Frau, keine Kinder, kein Haus, kein Auto). Ich habe ein Diplomthema, das gerade auf extrem viel Interesse stößt und dazu einen perfekten Hochschulabschluss. Derzeit sieht es eher so aus, als könnte ich mir meine Projekte aussuchen. Dazu habe ich mit Kubik ein Umfeld von Freunden, die mich davor bewahren, mich in der Arbeit zu verlieren und geld- oder karrieregeil zu werden. Die Umstände sprechen also deutlich für diesen Schritt.
Das einzige, was mir fehlt, ist ein dickes Finanzpolster, um gut leben zu können, bis die ersten Projekte abgeschlossen sind. Aber das lehrt mich Disziplin im Umgang mit meinen Ausgaben und sorgt dafür, dass ich meinen Arsch hoch bekomme.

Der Hauptgrund für den Schritt in die Selbstständigkeit ist mein Unwille, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Könnte ich mir vorstellen als Konzepter in einer Agentur zu arbeiten? Ja, aber nicht nur. Könnte ich mir vorstellen Webseiten zu entwickeln? Ja, aber nicht nur, usw. Es gibt einfach zu viele Dinge, die gerade spannend sind. Wenn es so etwas wie einen roten Faden in meinem Leben gibt, dann der, dass ich mich schon immer für tausend verschiedene Sachen interessiert habe und das es eine meiner Kernkompetenzen ist, diese Dinge aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen (siehe Web 2.0 und emerging church).

Die nächsten Monate und Jahre werden also ein bunter Mix aus Beratung von Unternehmen und Organisationen zu Webkommunikation, Entwicklung von Webseiten und -applikationen, die Thesen aus meiner Diplomarbeit vertiefen, bloggen und podcasten, Seminare und Workshops durchführen, Netzwerke bauen und fördern, Konzepte erstellen und was sonst noch so alles passieren könnte. Dabei vermischen sich auch die Felder der „Kunden“ von kommerziellen Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, Kirchen, Freunden und Netzwerken. Und das gefällt mir…

Nachtrag: War ja klar. Heute morgen hier noch die dicke Lippe riskiert und nun bekomme ich schon Muffensausen, wenn ich nur die Monatsbeiträge für die Krankenkasse sehe…

Der Generalist im Cyberspace

In meinen Gesprächen mit Firmen fällt immer wieder die Jobbezeichnung Konzepter. Dabei wird auch immer schnell klar, dass Media System Designer ideale Konzepter sind. Wer also endlich mal verstehen will, was der Kleske eigentlich kann bzw. was er in seinem Studium gelernt hat, liest sich am besten mal folgenden Artikel der SZ durch:

Neue Berufe Der Generalist im Cyberspace - Job & Karriere - sueddeutsche.de

Dieser Job macht deutlich, was ein Multimedia-Konzepter von Anfang an mitbringen muss: “Man sollte sowohl viel von moderner Technik verstehen als auch von den Bedürfnissen der Anwender”, sagt Büsing. Beides aufeinander abzustimmen, um damit ein vorgegebenes Ziel des Auftraggebers zu erreichen, ist die Hauptaufgabe in diesem Beruf.

Siehe auch: Berufsbild Multimedia Konzepter

Nachtrag: Habe mal gesucht und wie es aussieht, suchen wirklich eine Menge Agenturen in Deutschland gerade Konzepter (natürlich immer mit ewiger Berufserfahrung), nur in Karlsruhe nicht…

Viele Fragen

Irgendwie dachte ich, nach dem Diplom wäre erstmal chillen für mich angesagt. Aber denkste. Mein Kopf arbeitet auf Hochtouren wie schon lange nicht mehr. Alles dreht sich um folgende Fragen:

  • Was will ich?
  • Wo liegen meine Talente und Stärken?
  • Was ist mir wichtig?
  • Was macht mich glücklich?
  • Wovon träume ich?
  • Auf was möchte ich am Ende meines Lebens zurückblicken können?
  • Wie wichtig ist mir Sicherheit?
  • Kann ich meine Vision auch im Businessumfeld verwirklichen?
  • Wie weit kann man in Firmen innovativ und kreativ arbeiten?
  • Wieviele Kompromisse würde ich eingehen müssen?
  • Wenn jetzt plötzlich Lidl kommt und ein Wiki will, kann ich dann „Nein!“ sagen?
  • Lohnt es sich, zuerst ein paar Jahre Erfahrungen in der Wirtschaft zu sammeln bevor man die eigenen Träume umsetzt?
  • Schafft man danach wirklich den Absprung und die Umstellung, wenn man sich erstmal an die Sicherheit und die Kohle gewöhnt hat?
  • Was hält mich davon ab, nicht direkt anzufangen?

Ich merke immer mehr, dass es für mich um eine grundsätzliche Entscheidung zwischen einer sicheren Karriere und der Umsetzung meiner Vision geht. Allerdings ist die Entscheidung nicht so einfach, wie es aussieht. In den aktuellen Gesprächen mit Agenturen und Firmen geht es um spannende Arbeit, die mir Spaß machen würde und mit der ich gutes Geld verdienen könnte. Für jemanden, der in einem Hochhauskomplex aufgewachsen ist, der in seinem Leben insgesamt viermal in Urlaub war, weil man sich nicht mehr leisten konnte, der mit fünf Geschwistern in einer 4-Zimmer-Wohnung auf 95qm den Großteil seiner Kindheit verbracht hat und der seiner möglichen, zukünftigen Familie gerne Sicherheit geben möchte, ist das extrem anziehend. Und vielleicht hat ja auch Gott diese Türen geöffnet und sagt „Digger, ich habe dir deine Talente geben, damit du sie hier einsetzt. Licht und Salz gehören auch in die Geschäftswelt, weisch?“

Ich suche…

…eine Festanstellung in Teilzeit ab 1. März, bei der ich mein Wissen und meine Fähigkeiten als Media System Designer einsetzen kann. Das ganze entweder im Raum Karlsruhe oder mit überwiegender Heimarbeit.

Köln am 30.01.

Ich bin nächsten Montag in Köln, um Laura zu besuchen und eine weitere, sehr interessante Möglichkeit darauf zu checken, wie offen Firmen heute für flexible Arbeitsformen sind. Wer Lust auf nen Kaffee hat, einfach melden.