Archive for the 'Bücher' Category

123-Buchstöckchen

Für lustige Blogstöckchen bin ich immer zu haben. Also schnappe ich den Prügel von depone auf und schreibe euch hier drei Sätze ab dem fünften Satz auf der Seite 123 eines Buchs in meiner Nähe:

Linden stellte Lessig seinen Mitbewohnern mit den Worten vor: “All jenen, die es nicht wissen, sei gesagt, dass Lawrence die Geschichte unserer Gemeinschaft bereits mit geprägt hat. Wir hatten 2003 ein Treffen, wo wir über unsere Zukunft nachgedacht haben, und Lawrence war so freundlich, teilzunehmen und uns seine Überlegungen mitzuteilen über Urheberrechte, Land und wie die Dinge sein sollten. Kurz darauf gaben wir den Schöpfern Urheberrechte und entschieden uns für unser System des Landbesitz.

Aus dem Kapitel ‘Die Prosumenten - Hacken Sie dieses Produkt, bitte!” aus Wikinomics. Die Revolution im Netz. Ich schmeiß das Stöckchen mal weiter an Sebastian und Pauli.

Analoger Input

DSCF0759.JPG

Nachdem die letzten sechs Monate vor allem aus Praxiserfahrungen bestanden, nutze ich meinen Urlaub, um die Theorieseite auszugleichen. D.h. massiv analoge Informationen und Inspirationen aufnehmen. Oben seht ihr den aktuellen Stapel für den Urlaub. Ich gehe davon aus, dass die weihnachtliche Bescherung und der Geburtstagstisch den Stapel noch etwas anwachsen lassen werden.

Die globale, kreative Klasse

Einige von euch klicken hin und wieder auf die Bücher, die ich hier vorstelle, oder nutzen das Amazon-Suchfeld in der Seitenleiste, um ihr Zeug bei Amazon zu bestellen. Das ermöglicht mir wiederum, hin und wieder einen Gutschein einzulösen und euch noch mehr Bücher vorzustellen.

Frisch eingetroffen ist das Paket mit den Büchern, die ich von den Einnahmen aus Februar und März bezahlt habe. Damit ihr auch in Zukunft weiter brav hier bestellt, habe ich natürlich nur hochwertiges Material ausgewählt, das schon länger auf meiner Wunschliste stand.

Viel zur kreativen Klasse und ein Standardwerk zur Globalisierung.

Ebenfalls eingetroffen ist nach längerer Verzögerung das aktuelle „most talked about“-Buch der Produktivitätsszene:

Mehr zu allen Büchern, wenn ich ein bisschen reingelesen habe. Ich verziehe mich dann mal in meinen Poäng.

Die Bibel, Quarter-Life Crisis, verblüffende Soziologie und viele Fragen

Frischer Lesestoff:

Streetwear. The Insider’s Guide ist die neue Bibel für alle Streetwear-Enthusiasten. Ohne Ende Brands, Interviews und Styles. Es werden über 40 Labels, Shops und Web-Communitys vorgestellt. Auch sehr nice ist die Liste mit weiterführenden Büchern und Webseiten am Ende.

Für mich als jemanden, der sich vor allem von den Arbeitsweisen anderer inspirieren lässt, sind insbesondere die Interviews interessant.

Das Buch Twentysomething: The Quarter-Life Crisis of Jack Lancaster ist gerade Hype in London. Es führt für mich das Thema von Berufseinsteigern weiter, die kein Bock mehr aufs rat-race haben. In diesem Fall ist das saulustig an der fiktiven Geschichte eines Investmentbankers beschrieben, der aussteigt, ein paar abgefahrene Jobs durchzieht und dann entdeckt, was ihm wirklich ausfüllt. Macht besonders Spaß, wenn man sich ein bisschen in London auskennt.

Ich hab das Angebot „Kauf eins und krieg das zweite zum halben Preis“ genutzt und neben Twentysomething noch Freakonomics. A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything mitgenommen. Freakonomics passt in Reihe der Bücher von Malcolm Gladwell (Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können.) und Steven Johnson (Die neue Intelligenz. Warum wir durch Computerspiele und TV klüger werden), die sich mit gesellschaftlichen Dingen aus Sicht von Soziologie und Emergenz beschäftigen und dabei immer wieder verblüffende Feststellung machen. Wer hätte z.B. gedacht, dass Abtreibungsgesetze ein entscheidender Faktor bei der Kriminalität spielen können?

Auf Empfehlung von Daniel lese ich gerade außerdem Velvet Elvis: Repainting the Christian Faith und bin sehr begeistert. Das Buch gibt sehr gut meine eigene spirituelle Reise wieder und die Dinge, die mich gerade in dem Zusammenhang beschäftigen. Rob Bell ist für mich der erste Autor aus dem christlichen Bereich, der die Kunst des Fragenstellens nicht nur propagiert, sondern auch tatsächlich umfassend anwendet.

Das Buch ist gerade auch auf deutsch erschienen (Jesus unplugged), allerdings ist die Gestaltung mal wieder eine dreiste Beleidigung der Geschmacksnerven, vor allem, weil das Original extrem schön gemacht ist.

Hm, diesmal nur englische Bücher…

Der Jupp und die Bücher

Buchregal

Ah, ein Stöckchen. Das passt doch wunderbar, um mal über das anderes zu schreiben als Produktivitätszeug. Markus will mehr über meinen Umgang mit Büchern wissen. Dann wollen wir mal. Das letzte Stöckchen zu Büchern ist ja auch schon etwas her.

Was wär das Leben ohne lesen …

Schwierig. Irgendwie bin ich mit dem Glauben aufgewachsen, dass ich alles kann, wenn ich nur ein Buch finde, dass es mir erklärt. Und noch heute bin ich immer wieder überrascht, wieviel ich aus Büchern lerne.

Gebunden oder Taschenbuch?

Wenn’s gibt, Taschenbuch. Gebundene Bücher sind mir in der Regel zu teuer.

Amazon oder Buchhandel?

Beides. Wenn ich über Buchtipps im Web stolpere bestelle ich die Bücher bei Amazon. Ich gehe aber auch gerne in den Laden und stöbere, auch wenn das die Gefahr birgt, viel zu viel zu finden.

Lesezeichen oder Eselsohr?

Lesezeichen. In der Regel der Kassenzettel oder irgendeine Postkarte/Flyer, die/der gerade rumliegt.

Ordnen nach Autor, Titel oder ungeordnet?

Ich sortiere nach Themen in den einzelnen Fächern meines Expidit-Regals.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen?

Kommt sehr drauf an. Grundsätzlich behalte ich alles, was ich interessant finde. Nur grobe Scheiße (aus meiner Vergangenheit im christlichen Ghetto) habe ich entsorgt.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen?

Schutzumschlag klingt so sachlich. In der Regel sind das doch mehr oder weniger gut gestaltete Designstücke. Hab die noch nie weggeschmissen.

Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?

Das dann schon ohne, weil er nervt.

Kurzgeschichten oder Roman?

Uh, in der Regel weder noch. Bin einfach kein Romanleser. Das Problem ist, dass ich Romane praktisch nur am Stück lesen kann. Geschichten fesseln mich einfach zu sehr.

In der Regel lese ich Sachbücher.

Harry Potter oder Lemony Snicket?

Kenne nur die Filme ;-)

Aufhören, wenn man müde ist, oder wenn das Kapitel zu Ende ist?

Lese immer das Kapitel zu ende, da ich in der Regel mehrere Bücher gleichzeitig lese und ich so beim Weiterlesen leichter den Anschluss finde.

Kaufen oder leihen?

Ich träume ja von ner großen Bibliothek voller guter Bücher und kaufe deswegen deutlich lieber. Allerdings lässt mein Geldbeutel das oft nicht zu. Leider sind meine Interessen meist nicht deckungsgleich mit der Masse und die Bücher so selten in Bibliotheken zu finden. Ich lese auch sehr viel englische Bücher.

Neu oder gebraucht?

Ich kaufe die Bücher über Amazon gebraucht, sofern sie zu einem guten Preis angeboten werden.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?

Die allermeisten Bücher finde ich über Empfehlungen im Web. Ab und zu mal eins durch Stöbern im Buchladen.

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?

Wie gesagt, lese kaum Romane.

Morgens, mittags oder nachts lesen?

Das bin ich immer noch am austesten. Derzeit lese ich abends eher einen Roman zum Einschlafen und tagsüber Sachbücher. Ändert sich aber auch ständig. Ich lese häufig nachmittags im Café, weil meine Produktivität dann massiv nachlässt.

Einzelband oder Serie?

Einzelband

Lieblingsserie?

Hab, glaube ich, noch keine Serie gelesen. Außer TKKG…

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?

Das Aldi-Diätkochbuch. Hat tatsächlich richtig gute Rezepte.

Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?

Don Miller, Blue Like Jazz: Nonreligious Thoughts on Christian Spirituality

Welches Buch liest du gegenwärtig?

jPod, Freakonomics: A Rogue Economist Explores the Hidden Side of Everything, Twentysomething: The Quarter-Life Crisis of Jack Lancaster habe ich gerade fertig

Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?

Puh, das ist unmöglich zu beantworten. Dafür verändern sich mein Geschmack und meine Interessen viel zu schnell.

Ach so, wie immer werfe ich das Stöckchen einfach in die Luft und wer es am meisten will, wird es sich schon holen.

Frischer Lesestoff zu Online-Journalismus

Gestern war mein Gewinn von der UPLOAD Einweihungsfete in der Post: das Buch “Weblogs, Podcasting und Online-Journalismus. oreillys basics” (Moritz ‘mo.’ Sauer). Ist zwar immer cool, was zu gewinnen. Aber von den Socken gehauen hat’s mich jetzt nicht ein Buch zu bekommen, das sich mit Weblogs und Podcasting beschäftigt, da ich mich da ja nun schon etwas auskenne. Was ich bisher aber immer übersehen hatte ist der kleine Zusatz ‚Online-Journalismus‘ auf dem Titel. So enthält das Buch einige Kapitel zu sauberer Recherchearbeit, guten Interviewtechniken, interessanten Kritikformulierungen und Medienrecht. Und diese Themen interessieren mich wiederum derzeit ganz besonders. Insofern noch einmal ein extra Dankeschön an Jan.

Die Lebenspraktikanten – Episode 1 von Wir nennen es Arbeit

„Wir müssen uns darauf einstellen, nicht mehr ein Berufsleben lang nur für einen Arbeitgeber zu arbeiten oder sogar nur einen Beruf auszuführen.“ Diese Aussage liest man so oder in ähnlicher Form in den letzten Jahren immer wieder, wenn es um die Veränderungen in der Arbeitswelt geht. Was das in der Realität bedeutet, können sich die meisten, die diese Aussage von sich geben, wahrscheinlich gar nicht wirklich ausmalen. Wer in den letzten Jahren aus der Ausbildung/dem Studium in „den Beruf“ eingestiegen ist, hat live diesen Wandel mitbekommen und ist in der Regel Teil der Generation Praktikum. Wie deren Lebensalltag aussieht hat Nikola Richter nun ausführlich in ihrem Buch “Die Lebenspraktikanten.” beschrieben.

Das Buch beschreibt in Episoden das Leben von einigen jungen Menschen, die alle ihr Studium beendet haben und versuchen, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Sie machen Praktika, wo immer sie können. Sie reisen für Jobs um die ganze Welt. Sie sind für jede kurzzeitige Stelle dankbar. Sie sind Experten in der Gestaltung ihres Lebenslaufs, im Networking und im Anpassen. Helfen tut ihnen das alles nichts. Die Personen und die konkreten Geschichten sind Fiktion, soweit ich das verstanden habe, aber ihnen liegen die wahren Erlebnisse von Richter und ihrer Generation zu Grunde.

Das Buch liest sich nicht wirklich wie ein spannender Roman oder ähnliches. Dafür sind die Charaktere und Geschichten viel zu sehr darauf getrimmt, die Merkmale und typischen Erlebnisse der Lebenspraktikanten zu vermitteln. Das Buch will nicht unterhalten, es will ein aufrüttelndes Bild vom Leben der Berufseinsteiger malen.

Man fühlt sich während des Lesen die ganze Zeit irgendwie unwohl und unruhig. Mir schwebten ständig die Fragen im Kopf herum „Warum lasst ihr das mit euch machen? Warum steigt ihr nicht aus?“ Insofern ist das Buch quasi die Einführung oder Episode 1 von “Wir nennen es Arbeit” (Holm Friebe, Sascha Lobo), weil es sehr emotional vermittelt, wovon sich die digitale Bohème abgewendet hat. In dem Zusammenhang fällt mir auf, dass es wahrscheinlich ein ideales Geschenk für die Eltern von Berufseinsteigern oder -aussteigern ist, um ihnen ein reales Bild vom heutigen Berufsleben der Generation Praktikum zu vermitteln, dass doch deutlich anders aussieht als zur Zeiten der Eltern und das diese deswegen meist nur schwer nachvollziehen können.

Als ich gestern die letzten Kapitel las wurde mir endlich klar, was mich schon die ganze Zeit unbewusst störte: keiner der Protagonisten wurde von irgendeiner Leidenschaft oder Berufung angetrieben, die sie gerne im Beruf ausleben würden. Niemand hatte eine Vision, für die er sich begeistern konnte, etwas, dass ihn ausmacht und von der Masse unterscheidet. Es scheint so, als wären alle individuellen Wünsche und Träume in der langen Zeit von Schule und Studium ausgemerzt worden. Hauptsache man funktioniert im System. Alle sind Experten im Präsentieren, Recherchieren, Computer bedienen, Protokollieren, Telefonieren, Organisieren und Koordinieren aber niemand hat ein Spezialthema oder besonderes persönliches Interesse. Und das scheint bewusst so zu sein, denn so etwas würde einen für mehr Jobs disqualifizieren als für andere Jobs aus der Masse herauszuheben. So werden eigene Interessen, die über eine bestimmte Tätigkeit hinausgehen, aus dem eigenen Profil ausgemerzt.

Wahrscheinlich habe ich das erst so spät im Buch begriffen, weil ich halt zuerst Wir nennen es Arbeit gelesen habe und damit schon die ganze Zeit eine Lösung parat hatte, die sich den Charakteren aber gar nicht bietet, weil ihnen die Vorstellung davon etwas eigenes zu machen komplett fehlt.

Im Moment befinden wir uns mitten im Wandel vom alten Berufsbild zum neuen. Das Ergebnis ist die Generation Praktikum, die noch nach dem alten Bild ausgebildet wurde, aber schon nach dem neuen Bild funktionieren muss. Wie das praktisch aussieht lässt sich bei den Lebenspraktikanten anschaulich nachlesen. Die Frage ist, wo das in näherer Zukunft hinführt. Wie lange werden die Berufseinsteiger noch mitspielen/sich ausbeuten lassen? Wieviele werden irgendwann aussteigen und ihr eigenes Ding machen? Wie lange kann unsere Wirtschaft noch so funktionieren?

Die neuen Spießer – Ein Buch über die Neue Bürgerlichkeit

Ich bin sensibler geworden, und zwar für vage Aussagen ala „Früher war es besser“ oder „Es wird immer schlimmer“. Immer wenn in meinem Umfeld solche eine pauschale Aussage fällt oder sie mir selbst rausrutscht zucke ich innerlich zusammen. „Moment mal, worauf genau bezieht sich dein früher? Meinst du die Neunziger, das letzte Jahrhundert oder das Mittelalter?“ „Was genau war früher besser und an welchen empirischen Zahlen machst du es fest, dass dieser Sachverhalt heute schlechter geworden ist? Wie definierst du in diesem Zusammenhang besser und schlechter?“

Meine neue Sensibilität ist noch ganz frisch, sie hat sich eigentlich erst zum Ende des letzten Wochenende entwickelt. Verantwortlich dafür ist das Buch“Die neuen Spießer. Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft” (Christian Rickens), das ich zu dem Zeitpunkt mit großer Begeisterung gelesen habe.

Christian Rickens geht in dem Buch mit der neuen Bürgerlichkeit hart ins Gericht. Die neue Bürgerlichkeit beschreibt eine Welle von konservativen Autoren, die über Themen wie den demographischen Wandel, den Wertverfall, dem Zusammenbruch der Familie. die Unterschicht, Patriotismus, Ausländer und den Ökowahn schreiben und praktisch eine Rückkehr in die fünfziger Jahre fordern. Zu diesen Autoren gehören Eva Herman, Frank Schirmacher, Peter Hahne, Udo Di Fabio und einige andere. Rickens nimmt sich jedem genannten Thema an und stellt den pauschalen, reißerischen Aussagen der Neubürgerlichen empirische Zahlen, wissenschaftliche Untersuchungen und umfassende Analysen entgegen, die die Thesen der Neubürgerlichen weitgehend als eins entlarven: „reaktionäres Stammtischgequatsche in pseudointerlektueller Verpackung“, die vor allem von Angst zeugen, Angst vor der Zukunft, Angst vor Veränderungen.

Rickens schafft es hervorragend, nicht nur die Thesen der Neubürgerlichen sauber zu zerlegen, sondern er beschäftigt sich auch mit der Frage, warum die Neue Bürgerlichkeit gerade soviel Zuspruch erfährt und schafft damit mehr als eine wütende Antwort auf polemische Aussagen. Auch sehr beeindruckend ist sein Abschlusskapitel, in dem es ihm gelingt sauber auszudifferenzieren, wer mit der Neuen Bürgerlichkeit gemeint ist und in dem er sich selbst als Spießer outet (er ist gegen die Veränderung der Veränderung).

Es hat wirklich extrem Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich beobachte beeindruckt, wie es mich in kurzer Zeit in meiner Wahrnehmung verändert hat. Ich möchte das Buch insbesondere meiner christlichen Bekanntschaft empfehlen, weil nach meiner Beobachtung gerade wir Christen besonders anfällig für die Thesen der Neubürgerlichen sind. Bisher haben wir uns nicht gerade mit Differenziertheit und ausgewogenem Umgang mit wichtigen gesellschaftlichen Themen bekleckert. Seien wir also wenigstens diesmal vorsichtig, nicht wieder auf „Prediger“ reinzufallen, deren Aussagen scheinbar irgendwie in unser Weltbild zu passen scheinen. Vielleicht können wir von Rickens ja sogar lernen unser Weltbild mal etwas genauer zu reflektieren und uns zu fragen, was hinter unseren pauschalen Thesen steckt. Ein bisschen Sensibilität hat noch niemandem geschadet.

Bücher für die digitale Bohème

War die Woche mal wieder oldschool im Buchladen und hab gestöbert. Erste Erkenntnis: Bei Geldmangel auf jeden Fall Buchläden meiden. Das geht nie gut. Ich verliere einfach die Beherrschung und kaufe alles, was irgendwie etwas damit zu tun hat, was mich gerade interessiert. Diesmal waren es drei Bücher, die grob etwas mit der digitalen Bohème zu tun haben.

“Die neuen Spießer. Von der fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft” (Christian Rickens) liefert den argumentativen Unterbau, um sich als Teil der digitalen Bohème gegen die derzeit deutlich größere Strömung der Gesellschaft zur Wehr zu setzen: der neuen Bürgerlichkeit.

“Die Kunst des stilvollen Verarmens. Wie man ohne Geld reich wird” (Alexander von Schönburg) hilft dabei mit der Situation der sinkenden Einnahmen besser zurechtzukommen und ist im Prinzip ein Antikonsumbuch. Es hilft sowohl ideologisch als auch praktisch aus der Welt auszusteigen, wo man gerne mal „schön Essen geht“ und Geld hässlich macht.

“Die Lebenspraktikanten.” (Nikola Richter) ist ein Buch mit Geschichten aus einer zunehmenden Gruppe von jungen Erwachsenen, die nie Geld haben, nicht den einen Job wollen und sich wohl mit dem Begriff ‚Lebenskünstler‘ ganz gut beschreiben lassen.

Don Miller auf deutsch

Achtung, nachfolgender Beitrag enthält wüsste Beschimpfungen harsche Kritik. Wer zur Weihnachtszeit eher auf Friede, Freude, Eierkuchen steht, sollte hier aufhören zu lesen.

Ich muss mein Schweigen bis zum Jahresende leider noch mal brechen. Aber das nachfolgende muss einfach gesagt werden.

Der eine oder andere wird sich noch erinnern, der Autor Don Miller war für mich eine der großen Entdeckungen in diesem Jahr. Keinem Autor habe ich mich je so nahe gefühlt. “Blue Like Jazz: Nonreligious Thoughts on Christian Spirituality” ist Don Miller’s erfolgreichstes Buch und eines, das mein Leben verändert hat. Nun habe ich beim Weihnachtsshoppen entdeckt, dass es von Gerth Medien auf deutsch übersetzt wurde (Korrektur: Gerth Medien hat ein anderes Don-Miller-Buch übersetzt. Siehe unten). Und wieder einmal beweist ein christlicher Buchverlag die Fähigkeit gute Bücher in das absolute Grauen zu verwandeln, wenn sie die deutsche Version herausgeben. Ich meine, wer von euch erinnert sich nicht an den All-Time-Klassiker ‚Frisch bekehrt und trotzdem sexy‘? Auch hier hat man es mal wieder geschafft ein geniales Buch für Leute in den 20ern und 30ern, die mit der traditionellen Form von Gemeinde und Glauben nur noch wenig anfangen können, im Titel und Coverdesign so zu versauen, dass niemand aus der Zielgruppe das Buch auch nur noch anfassen mag.

Hier ist das englische Original, nicht brillant, tut aber keinem weh.

Blue Like Jazz

Und hier, was Gerth Medien daraus gemacht hat:

Wer braucht schon ein Boot?

Ach so, kauft das Buch bitte trotzdem. Macht von mir aus einen Umschlag drum, aber kauft es. Es sei denn, ihr könnt Englisch, dann kauft das Original.

Und liebe Gerthys, schaut euch doch einfach mal bei RelevantBooks an, wie man’s richtig macht. Und falls ihr mal Bock auf ne richtige Kampagne für ein gutes Buch mit derbem Coverdesign, Diskussionsforen, begleitendem Podcast und ein bisschen Streetteamaction habt, sagt bescheid.

Korrektur: Wie Mike gerade korrekt korrigiert hat, hat Gerth Medien nicht Blue Like Jazz übersetzt, sondern Searching for God Knows What: Bearded Women, Alien Philosophers, Lovesick Teens, and the Gospel of Jesus. Da habe ich es doch tatsächlich einfach verpeilt und bin davon ausgegangen, dass Gerth Medien logischerweise zuerst den Besteller herausbringt und dann den Nachfolger. Tja, wieder was gelernt. Macht aber in der Argumentation von oben keinen großen Unterschied. Was nun aber noch krasser ist, ist die Titelübersetzung. Ums noch mal deutlich zu machen:

Original: Searching for God Knows What: Beared Women, Alien Philosophers, Lovesick Teens, and the Gospel of Jesus

Deutscher Titel: Wer braucht schon ein Boot? Über einen Glauben, der trägt

Hier ist noch das Titelbild vom Original Searching For God Knows What.

Searching For God Knows What

Ich hab inzwischen das deutsche Buch komplett gelesen und würde euch dringend ans Herz legen, sofern es eure Sprachkenntnisse zulassen, die englische Version zu lesen. Ohne besonders drauf zu achten sind mir beim lesen doch einige grobe Fehler und Unschönheiten aufgefallen.

Lest Wir nennen es Arbeit

An dieser Stelle noch mal der Hinweis auf “Wir nennen es Arbeit” (Holm Friebe, Sascha Lobo). Ich habe das Buch während meines USA-Trips fertig gelesen und bin schwer angetan. Es gibt einige Leute für die dieses Buch insbesondere interessant ist:

  • Studenten. JEDER Student sollte es gelesen haben. Nicht weil ich glaube, dass der Digitale-Bohème-Lifestyle für jeden gedacht ist, sondern weil ich immer noch viel zu viele Leute treffe, die noch nie außerhalb der Festanstellung-/Karrierebox gedacht haben. Je besser man seine Alternativen kennt, desto besser kann man sich entscheiden.
  • Sowieso lesen sollte es jeder, der in irgendeiner Form kreativ arbeitet, den Kopf voller Projekte und die Taschen aber ständig leer hat. Holm und Friebe geben einem das Vokabular, um endlich mal was fundiertes zu antworten, wenn Mami mal wieder mit ihrem „Wann wirst du endlich erwachsen/Mach doch was vernünftiges.“ kommt. Am besten das Buch einfach zu Weinachten an die komplette Verwandtschaft verschenken.
  • Auch alle, die glauben, dass sie irgendwas mit Emerging Church am Hut haben, sollten hier mal reinschauen. Das Buch geht eng mit der Kreativen Klasse von Richard Florida (“The Rise of the Creative Class” (Richard Florida)) zusammen. Und meiner Meinung nach spielt diese immer noch eine gewichtige Rolle in der Emerging-Church-Diskussion.

Bekannte Attribute

“Wir nennen es Arbeit” (Holm Friebe, Sascha Lobo):

„Die Fähigkeit, ein gewisses Maß an Zukunftsangst und Unsicherheit auszuhalten, ist gewissermaßen die Grundvoraussetzung für ein Leben in der digitalen Bohème.“

Hm, irgendwie hat’s da bei mir beim lesen geklingelt…

Wir nennen es Arbeit

ETWAS BESSERES ALS DIE FESTANSTELLUNG FINDEN WIR ÜBERALL!

Sie verzichten dankend auf einen Arbeitsvertrag und verwirklichen den alten Traum vom selbstbestimmten Leben. Mittels neuer Technologien kreieren sie ihre eigenen Projekte, Labels und Betätigungsfelder. Das Internet ist für sie nicht nur Werkzeug und Spielwiese, sondern Einkommens- und Lebensader: die digitale Boheme. Ihre Ideen erreichen – anders als bei der früheren Boheme – vor allem über das Web ein großes Publikum und finanzieren sich damit. Ein zeitgemäßer Lebensstil, der sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Auf Angestellten-Frust kann man mit der „Entdeckung der Faulheit“ reagieren, wie es Corinne Maier in ihrem Bestseller fordert: Arbeitszeit absitzen, sicheres Gehalt einstreichen. Die digitale Boheme repräsentiert die mutigere Alternative: Immer mehr junge Kreative entscheiden sich für das Leben in Freiheit. Ihr Hauptziel ist nicht das Geldverdienen, sondern ein selbstbestimmter Arbeitsstil, der den eigenen Motiven folgt – in unsicheren Zeiten vielleicht die überlegene Strategie. Denn ihre enge Einbindung in soziale, künstlerische und digitale Netzwerke bringt ständig neue, teilweise überraschende Erwerbsmöglichkeiten mit sich. Sie schalten Werbebanner auf ihren Websites, handeln mit virtuellen Immobilien, lassen sich Projekte sponsern oder verkaufen eine Idee an einen Konzern. Ihre Produkte und ihre Arbeitsweise verändern den Charakter der Medien und des Internets, bald auch den der Gesellschaft. Holm Friebe und Sascha Lobo porträtieren die digitale Boheme: Sie stellen erfolgreiche Konzepte und innovative Ansätze vor und erklären wirtschaftliche, technische und soziale Entwicklungen und Hintergründe. Ihre spannende Analyse einer zukunftsgewandten Daseinsform inspiriert dazu, so zu arbeiten, wie man leben will.

Wir nennen es Arbeit

Direkt bestellt… (via wirres.net)

Update: Die Autoren im Interview beim Elektrischen Reporter.

Bücherprügel

Ohne großen Kommentar lass ich mir von Daniel den Prügel an den Kopf werfen.

|1| Ein Buch, das mein Leben verändert hat:

Blue Like Jazz von Don Miller

|2| Ein Buch, das ich mehr als einmal gelesen habe:

Authentische Beziehungen von Wayne Jacobsen

|3| Ein Buch, das ich auf einer einsamen Insel gern bei mir hätte:

Moleskine-Notizbuch, um endlich mal die Kopfdisco zu ordnen

|4| Ein Buch, das mich zum Lachen gebracht hat:

Tagebuch eines frommen Chaoten von Adrian Plass

|5| Ein Buch, das mich zum Weinen gebracht hat:

To Own A Dragon von Don Miller

|6| Ein Buch, das hätte geschrieben werden sollen:

Ein gutes Buch für Teenager über Sexualität.

|7| Ein Buch, das nie hätte geschrieben werden sollen:

99,9% aller Emerging-Church-Bücher

|8| Ein Buch, das ich gerade lese:

Schiffbruch mit Tiger von Yann Martel

|9| Ein Buch, das ich schon immer mal lesen wollte:

Das ganze Bonhoeffer- und C.S.Lewis-Zeug

|10| Ich lade diese fünf anderen Blogger ein, mitzumachen:

Martin, Björn, Claudi, Katharina, Markus

(fast) Ohne Worte

Gerade beim Björn in der neuen dran entdeckt:

Aus der Kurzbeschreibung:

Mitten im quirligen London lebt Lori, 28, und versucht verzweifelt herauszufinden, wie man fromm sein und gleichzeitig Fun haben kann. Während sie beruflich mit einer Werbekampagne für Windeln große Erfolge feiert und die Beförderung bevorsteht, liegt ihr Privatleben in Trümmern: Ihr Ex-Freund Zack geht ihr nicht aus dem Kopf, aber er ist kein Christ und deshalb hat es auch keinen Zweck, ihm Hoffnungen zu machen. Lori ist hin- und hergerissen zwischen den “Heiligen”, den Freunden aus der Gemeinde, und ihrem bisherigen Leben - da bleibt auf einmal ihre Periode aus…

Den Amazon-Link erspar’ ich euch.

Update: Damit klar ist, dass es mir hier vor allem um das deutsche Marketing des Buchs (Titel und Beschreibung) geht, sei hier gesagt, dass der Originaltitel nicht ganz so übel klingt: Kemi’s Journal of life, love and everything. Nachdem ich inzwischen eine große Zahl von grauenhaften deutschen Titeln für im englischen eigentlich gute Bücher gesehen habe, frage ich mich gerade, ob die Marketingleute in den deutschen Christenverlagen völlig durch sind oder sie ihren Job gut machen, weil die bücherkaufende Christenheit einfach auf so eine Scheiße abfährt…