Wir haben es satt

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Essen spielt für mich einen immer größere Rolle. Nicht nur als Vehikel für gute Zeiten mit Freunden, sondern auch als Teil der Lebensqualität. Ich glaube, dass ein Großteil unserer so genannten „Zivilisationskrankheiten“ sehr eng mit unserer Ernährung zusammen hängt. Also versuche ich bei Gelegenheit immer etwas mehr über das Thema zu lernen.

Dazu bot sich gestern wieder mal die Gelegenheit. Im Kontext der Grünen Woche in Berlin fand gestern zum vierten Mal eine große Demonstration gegen industrielle Landwirtschaft unter dem Motto ‚Wir haben Agrarindustrie satt! Gutes Essen. Gute Landwirtschaft. Für Alle!‘ statt. Bei der Freiheit-statt-Angst-Demo war mir schon aufgefallen, dass so eine Demo eine gute Gelegenheit ist zu sehen, wer sich alles mit dem Thema beschäftigt und was die Unterschiede zwischen den verschiedenen Interessensgruppen sind.

Zwei Beobachtungen:

  1. Industrielle Landwirtschaft interessiert eine große Bandbreite von Menschen. Von Bauern und Imkern über Tier- und Umweltschützer bis zu Organisationen wie Slow Food. Dazu kamen viele Leute wie ich, die sich vor allem für hochwertige Nahrungsmittel interessieren und verstanden haben, dass das Thema größer ist als im Supermarkt nach dem Bio-Siegel Ausschau zu halten.
  2. Für jemand wie mich, der sonst eher in der Netzblase unterwegs ist, war es überraschend, wie groß das Thema TTIP auch hier ist. Mir scheint, dass es ein großes Potential gibt, eine deutlich größere Protestbewegung gegen TTIP zu organisieren, wenn die unterschiedliche Interessensbereiche verstehen, dass das Freihandelsabkommen ein gemeinsamer Gegner von uns allen ist.

Kurz: Ich kann das Konzept, eine Demo zur Vertiefung eines Themas zu nutzen, nur empfehlen.

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Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

Ein Gedanke zu „Wir haben es satt“

  1. Ich war schon 2008 (http://uli.popps.org/2008/02/meine-erste-demo-in-bayern/) auf einer Demo gegen Monsanto & Co. Es geht bei der ganzen Gen-Scheiße (sorry wenn ich das so sage) um nichts weiter als die Lizenzierung von Nahrungsmitteln, also, etwas, was heute frei verfügbar ist, soll letztlich unter dem Deckmäntelchen von „verbesserten“ Genen (und damit potentiell 15% Mehrertrag, jedoch mit ungeklärten Folgen) langfristig lizenziert werden. Wäre ich verantwortlicher Politiker, würde ich mir anschauen, was diese Mafiosokonzerne in Indien angerichtet haben und diese „Paten“ im hohen Bogen aus unsrem Land, am besten ganz Europa, rausschmeißen. 70% der Menschen sind dagegen, also ist für mich die Sachlage klar. Ein Umstand, der mit dem TTIP umgangen werden soll. Die meisten Leute laufen jedoch gegen die Massentierhaltung sturm. Da wird angeführt, daß ja ach-so-viel Antibiotika verteilt wird. Laut meinem Schwager werden in Deutschland in etwa genausoviele Antibiotika an Haustieren wie an Nutztieren verteilt, wobei das Lebendgewicht der Nutztiere, vermute ich mal stark, weit höher liegen dürfte. Wenn ich sehe, daß 80% der Frischwurst beim Discounter gekauft wird, muß ich mir eingestehen, daß für 80% der Menschen Geiz geiler ist, als der Verstand, der einem bei dem Zeug doch sagen müßte, daß da nix gutes (mehr) drin sein kann, wenn es so billig ist. Vor 2 Jahren habe ich mir im Nachbardorf im Hofladen 9kg Schweinesteaks gekauft – die waren unglaublich lecker, aber auch vergleichsweise Teuer (9€/kg). Aber da kauft man eben auch spürbar Qualität – und man weiß, wo es herkommt. A Propos Fleisch! Wußtest du, daß da unsere Regierung(en) aktive Marktbereinigung betrieben hat? Die Metzgereien bekamen neue Auflagen, wenn sie selbst schlachteten – und so wurde kleinere Betriebe gezwungen, damit aufzuhören, also die fertigen Tierhälften vom nächsten großen Schlachthof zu kaufen. Überlebt haben daher weniger Metzger – zu Gunsten der Großen, die natürlich auch eine größere Marktmacht auf dem Fleisch-Einkauf erzielen konnten. An dieser Stelle könnte ich jedem Fatzke, der mir noch irgendwas vom Märchen des „freien Wettbewerbs“ erzählen möchte, mit Frischwurst vom Aldi vollstopfen, bis es ihm zu den Ohren rauskommt. Die, die das beschlossen hatten, sind klar gekauft worden und ziehen ich hinter aus meiner Sicht fadenscheinigen „hygienischen“ Argumenten zurück. Auf diese Art und Weise werden die Regeln unseres Marktes bestimmt, also, gekauft. Und ich fürchte, jetzt kaufen sich Monsanto & Co in Europa ein. Gegen Monsanto sind die Jungs von Micro$oft Waisenknaben. Nurmalso….

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