Die Geschichte der Kryptographie und Cypherpunks

Wer die aktuellen Enthüllungen über die massenweise, anlasslose Überwachung und Speicherung von Daten der NSA und ändert Geheimnisse besser verstehen und einordnen möchte, für den ist es hilfreich, den geschichtlichen Kontext zu kennen. Dazu hier zwei Empfehlungen.

Alternativlos #30 (Podcast)

In Folge 30 ihres Podcasts Alternativlos bereiten Frank Rieger und Fefe in fast drei Stunden die Geschichte der Kryptographie auf, und das auf eine ausgesprochen spannende Art und auch für den Nicht-Nerd durchaus verständlich. Von den ersten Verschlüsselungen über die Innovationssprünge im zweiten Weltkrieg bis zu den Cryptowars in den 90ern zeigen sie so, was die Vorgeschichte zu den aktuellen Erkenntnissen ist. Gerade die Entwicklungen in den 90ern haben die beiden durch den Chaos Computer Club sehr persönlich mitbekommen. Einzig bei den aktuellen Leaks gehen mit ihnen (verständlicherweise) so die Gäule durch, dass sie nicht weiter auf die Details eingehen. Ich hoffe, dass sie da vielleicht in der nächsten Sendung noch nachlegen. Auf jeden Fall aber drei sehr gut investierte Stunden, sich diese Sendung anzuhören.

Link: Alternativlos #30

This Machine Kills Secrets (Buch)

In This Machine Kills Secrets: How WikiLeakers, Cypherpunks, and Hacktivists Aim to Free the World’s Information beschäftigt sich Andy Greenberg, Reporter bei Forbes mit der Geschichte der so genannten Cypherpunks und den Whistleblowern. Die Cypherpunks waren libertär ausgerichtete Kryptographie-Experten, die in den 90ern viel Grundlagen für unsere heutigen Verschlüsselungs- und Anonymisierungstechnologien gelegt haben und die wiederum Leute wie Assange maßgeblich beeinflusst haben.

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Greenberg’s Buch wird maßgeblich davon beeinflusst, dass er praktisch alle wichtigen Personen persönlich besucht und mit ihnen ausführliche Interviews geführt hat. So lernt man die Personen hinter den Nachrichtenerwähnungen besser kennen, aber auch die, über die niemals berichtet wurde, deren Wirken aber unseren Alltag durchaus beeinflusst.

Das Ganze ist teilweise so spannend, dass man sich zwischendurch daran erinnern muss, dass das alles wirklich passiert ist und die Geschichten alles andere als abgeschlossen ist. Greenberg gelingt es ebenfalls, über Kryptographie so verständlich zu schreiben, dass man versteht worum es geht, ohne sich in tieferer Mathematik verlieren zu müssen. Wem das nicht reicht, der findet am Ende des Buchs eine riesige Quellensammlung, mit der sich das Thema endlos vertiefen lässt.

Link: This Machine Kills Secrets (einige Zitate auf meinem Readmill-Account)

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing