tautoko

Weblog von Johannes Kleske

Was mich antreibt

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Lack of understanding leads to uncertainty and folk-theories that hinder our ability to use technical systems, and clouds the critique of technological developments.

–Timo Arnall, No to NoUI

it comes back to infrastructure and how our inability to describe and understand reduces our critical reach, leaving us both disempowered and, quite often, vulnerable.

–Julian Oliver, Profil auf Rhizome

Honor Harger hat diese beiden Zitate in ihrer Präsentation Invisibility in the Post-PRISM Age auf dem Dread Symposium am Samstag in Amsterdam erwähnt.

Sie sind mir deshalb besonders hängen geblieben, weil sie ziemlich genau wiedergeben, was mich gerade in praktisch allem, was ich tue, antreibt. Wir verstehen viel zu wenig, wie die Systeme und Technologien funktionieren, die unseren Alltag beherrschen. Wir fühlen uns macht- und hilflos.

Gegen diese Hilflosigkeit wehre ich mich. Mein Ziel ist es immer wieder, mich so weit in Funktionsweisen, aber auch Zusammenhänge und Kontexte einzuarbeiten, dass ich sie anderen erklären kann. Wie Timo schreibt, erst wer technische Systeme und ihre Konsequenzen versteht, kann sie richtig anwenden und, was häufig noch wichtiger ist, sie fundiert kritisieren.

Gerade was die Technologiekritik angeht, sind wir die letzten Jahre häufig nicht über ein plumpes „Wir sollten wieder mehr Zeit in der realen Welt miteinander verbringen“ hinaus gekommen (s. Digitaler Dualismus). Das bringt uns aber nicht weiter. Stattdessen sollten wir uns z.B. genau ansehen, wie Plattformen wie Facebook gestaltet sind, um uns in Abhängigkeiten zu führen und wie wir mit der Erkenntnis andere Ansätze entwickeln können.

Ich wollte das nur kurz festhalten, falls sich manchmal jemand wundert, mit welcher Motivation ich schreibe, Links empfehle und meine Zeit in bestimmte Projekte investiere. Wenn jemand am Ende Technologie ein bisschen besser verstanden hat und dadurch mehr Kontrolle verspürt, bin ich glücklich. Wehret der Hilflosigkeit!

Johannes Kleske

35, Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin und denkt über die Zukunft der Arbeit, der Kommunikation und der Stadt nach.

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5 Kommentare

  1. Ich frag mich öfter, wieso wir so viel Technologie entwickeln, wo wir die Bestehende ja noch nicht mal durchschauen und beherrschen können. So viele Jobs haben unmittelbar mit der Beherrschung von Technologie zu tun und irgendwie wird das doch alles nur noch schlimmer, komplexer und für alle Beteiligten (Endnutzer, Entwickler, Konzepter, usw.) unangenehmer. Das kommt mir alles mehr und mehr wie Sisyphusarbeit vor – und wieder rollen wir den Stein den Berg hoch und gleich wird er wieder runter rollen. Jeder weiß das und doch machen wir alle mit.

    • …schrieb er als Kommentar auf einem Blog, ermöglicht durch zahlreiche technische Innovationen der letzten 20 Jahre ;-)

      An der Stelle würde ich dich ermutigen, tiefer zu graben. Warum werden an welcher Stelle, welche Technologien von wem entwickeln? Was ist die Motivation der Entwickler, was die der Geldgeber hinter ihnen usw.? Und dann: wer beherrscht welche Technologien in welchem Umfang? Was sagt uns das über Machtverhältnisse und Interessen?

      • Recht hast du! Mich interessieren aber weniger die Machtverhältnisse und Interessen als viel mehr die Produktionsbedingungen und die Position der Nutzer, die der ‘Entwicklungsabteilung’ vollkommen ausgeliefert sind. Um dieses ganze Technologie Thema wird doch weiterhin ein Mythos aufgebaut: Technologieentwicklung MUSS komplex sein, unlogische Prozesse MÜSSEN technologisch abgebildet werden. Eine Auseinandersetzung mit den bestehenden Prozessen und Möglichkeiten diese zu verändern sollten in meinen Augen diskutiert werden, um weniger komplizierte Technologie zu entwickeln.

      • Aus meiner Sicht sind es gerade die Machtverhältnisse und Interessen, die die Produktionsbedingungen und die Position der Nutzer entscheidend beeinflussen.

        Schau dir aber auf jeden Fall mal den verlinkten Artikel von Timo Arnall an. Auch die Arbeiten von Julian Oliver beschäftigen sich genau mit diesen Themen.

      • Ich schau mir die Sachen an. Machtverhältnisse und Interessen sehe ich eher als Modus der Welt. Technologie als eine Spielart, an der mich interessiert wie sich diese Spielart von den anderen unterscheidet. Mich verwundert, dass wir es mehr und mehr mit Technologie zu tun haben, die versucht den Menschen selbst zur Technologie zur machen, genau so zu funktionieren. Es kann gut sein, dass dies schon immer der Fall war aber ich sehe schon einen Unterschied in der Handhabung eines Hammers, der meine Arbeit erleichtert und mich nicht direkt dazu zwingt, mich wie ein Hammer zu verhalten und Software die mich zwingt wie eine Maschine zu handeln.

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