Mein Medienkonsum Weihnachten 2012

Medienkonsum 2012

Inzwischen schon fast eine kleine Tradition (2010, 2011): die Zusammenstellung des Lesematerials, das mich beim Übergang ins neue Jahr begleitet. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es wieder mehr Magazine. Auch der Kindle, von dem ich vor einem Jahr noch glühender Fan war, wurde inzwischen weitgehend durch ein iPad 3 ersetzt.

Ganz allgemein war 2012 ein Jahr, in dem ich wieder mehr die speziellen Vorzüge von verschiedenen Formaten bewusst genutzt habe. So schätze ich mehr denn je an gedruckten Magazinen die Kurationsarbeit der Redaktionen, die ihre Sicht auf das Heftthema auf einem bewusst begrenzten Raum zusammenstellen. Was Magazine angeht, werde ich dem gedruckten Format treu bleiben. Auf dem iPad lese ich eigentlich nur Magazine, die mir wegen des Imports gedruckt zu teuer sind.

Zeitungen und die Filterbubble

Auch Wochenmagazine wie die Zeit stehen nach wie vor bei mir hoch im Kurs. Sie bieten mir den Überblick auf das Weltgeschehen mit einer gewissen Distanz und bewussterer Wahrnehmung der Zusammenhänge. Selbst zu Tageszeitungen habe ich dieses Jahr häufiger mal gegriffen, was unter anderem auch daran lag, dass ich mehr geflogen bin. Auch hier schätze ich, dass Tageszeitungen mir viele Möglichkeiten bieten, mich mit Themen zu beschäftigen, die ich sonst nicht wahrnehmen würde. Das ist 2012 für mich zu einem enorm wichtigen Wert geworden, weil ich immer häufiger die Auswirkungen der so genannten „Filterbubble“1 beobachte. Seien es die Berliner Startup-Szene oder die Netzgemeinde™ oder viele andere Gruppen und nicht zu letzt auch ich und mein eigenes Umfeld. Ein weiter Horizont und viele Meinungen auf Perspektiven auf einen Sachverhalt sind für mich essentiell. Und so suche ich immer häufiger bewusst nach Themen außerhalb meines Sichtfelds und Meinungen, die konträr zu meiner liegen. Zeitungen und Magazine sind hier besonders gut geeignet. Ich wünschte nur, Tageszeitungen würde ihre Stärke noch besser begreifen und ausspielen. Zu viele widmen den reinen Nachrichten immer noch zu viel ihrer Energie. Auf diesem Feld werden sie aber nie mehr an die Schnelligkeit und Aktualität der digitalen Medien heran kommen. Stattdessen wünsche ich mir mehr Kontext, Hintergrund, Meinung usw. Dafür würde ich gerne bezahlen.

Geld für Nachrichten

Apropos bezahlen – wenn ich eine persönliche Prognose für das neue Jahr wagen darf: ich werde 2013 so viel Geld für Informationsmedien ausgeben wie noch nie zuvor. Schon 2012 habe ich viel Geld für Bücher, Magazine, Zeitungen und Dienste ausgegeben. Gerade habe mein NY-Times-Digitalabo abgeschlossen. Hätte der Atlantic eine Paywall, würde ich dafür wohl auch zahlen. Die Zeit, der Economist und die Brand Eins könnten noch als Printabos dazu kommen, wobei ich auch einfach gerne Magazine im Laden kaufe. Ich mag zu einer Minderheit gehören. Aber ich zahle gerne für meine Nachrichten. Aus meiner Sicht müssen die Verlage erst noch den Beweis antreten, dass die Konsumenten nicht bereit sind für Qualität zu bezahlen. Vermute ja so ein bisschen, dass das Problem häufiger mit dem „Qualitätsjournalismus“ statt mit der „Gratiskultur“ zusammen hängt. Aber ich kann mich irren.

Nur noch eBooks

Mit gedruckten Büchern wird es 2013 bei mir final vorbei sein. Dafür sind die Markierfunktionen von Kindle und Readmill für mich einfach zu hilfreich. Sie überwiegen ganz klar die eher nostalgischen Gefühle für die Haptik beim Lesen und das Gefühl von Büchern im Regal. Die meisten Bücher habe ich 2012 in der Kindle-App auf dem iPad 3 gelesen, dass wegen seines Retina-Displays richtig Spaß macht. Großartig auch die sehr einfache und schnelle Markierfunktion, bei der man den Finger auf das Anfangswort legt und dann einfach über den Bereich zieht, den man markieren will, alles in einer Bewegung. Inzwischen lese ich aber hauptsächlich wieder in Readmill. Hier ist die Markierfunktion noch nicht ganz so einfach. Dafür überwiegen aber die Vorteile in der Verwaltung der Markierungen und Zitate. Wenn ich jetzt noch eine ordentliche Schnittstelle zwischen Readmill und Evernote hätte …

Lesen im Web

Artikel aus dem Web landen inzwischen bei mir in Pocket und werden dann entweder auf dem iPad gelesen. Alternativ auch im Browser mit dem Clearly-Plugin von Evernote, was mir erlaubt, einfach interessante Passagen zu markieren und das mit Evernote zu synchronisieren. Ideal für mich wäre diese Funktion in Pocket auf dem iPad. Mal sehen, was 2013 an Updates bringt.

Als Quellen für gute Artikel dienen mir etliche Dienste: Twitter (inkl. der Twitter-Email), Stellar, Tumblr, Google Reader, Prismatic uvm.

Nachrichten per Email

Einen festen Platz in meinen Lesegewohnheiten hat sich sofort der Newsletter von Quartz erobert, der mich morgens auf Stand bringt, was die weltweite Nachrichtenlage angeht. Dazu kommen am Ende der Woche die Economist-Newsletter für Politik und Wirtschaft, die mir einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse der Woche liefern.

Gerade Quartz hat gezeigt, dass man mit einem frischen Ansatz den Nachrichtenmarkt aufmischen und bereichern kann. Hoffen wir, dass wir 2013 mehr Mut und weniger Meckern erleben, was die Nachrichten- und Informationsproduktion angeht.


  1. Die Filterbubble wurde als Begriff von Eli Pariser geprägt. Sie beschreibt den Zustand, wenn ich mich zum einen im Web überall nur noch mit meinen Freunden und den Themen, die mich interessieren, verknüpfe und dadurch auch irgendwann nur noch Neuigkeiten aus diesem Bereich mitbekomme. Zum anderen beschreibt der Begriff den Zustand, wenn sich Suchmaschinen wie Google immer mehr auf meine Interessen personalisieren und ich mich auch so nur noch innerhalb meines eigenen Horizonts bewege. 

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

5 Gedanken zu „Mein Medienkonsum Weihnachten 2012“

  1. Sehr schöner Artikel, danke für’s teilen. Du solltest auch noch das Offscreen Magazine zu Deinem Stapel hinzufügen. 🙂

Kommentare sind geschlossen.