Ist Analog/Offline besser?

Netter Film. Trifft den Zeitgeist, würde ich sagen. Leider aber auch absoluter Quatsch. Um zu verdeutlichen was ich meine, drehe ich gerade mal die Story auf den Kopf:

Paar steht vor dem Eiffelturm. Er mit seiner dicken Analog-Spiegelreflex-Kamera versucht ein Bild von ihr zu machen, dreht an den Einstellungen, sucht nach der richtigen Blenden/Belichtungskombination während sie immer ungeduldiger wird. Sie zückt ihr Handy und macht ein Bild von ihm. Schnitt. Er vor seinem verbrannten Haus, in dem sich seine komplette Fotosammlung befunden hat und von der nun nichts mehr übrig ist. Alles, was er noch hat, ist das Bild, dass sie von ihm mit ihrem Handy gemacht hat.

Der Film ist ein prototypisches Beispiel für Digitalen Dualismus, in dem man sich scheinbar zwischen dem „guten Analogen“ und dem „bösen Digitalen“ entscheiden muss. Warum das Quatsch ist, hat Nathan Jurgenson großartig in seinem Essay ‚The IRL Fetish‘ beschrieben.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

3 Gedanken zu „Ist Analog/Offline besser?“

  1. Da ich den button nicht sehe, sage ich mal : Gefällt mir.

    Schwarzmalerei ist halt meistens zu kurz gegriffen.

  2. Natürlich hat er nicht seine Erinnerungen verloren, sondern seine Erinnerungsstücke. Der Film spricht ein uraltes Thema an: Spuren hinterlassen, ein Werk schaffen, Zeichen setzen. Ich persönlich frag mich immer wieder, warum will man das unbedingt? Die Wahrheit ist, dass wir alles mehr oder weniger Materielle verlieren können und das genau diese Vergänglichkeit unser Dasein ausmacht. Davor schützt weder digital noch analog. Wenn wir Nichts verlieren könnten, wäre auch Nichts mehr etwas wert. Wofür würden wir dann brennen? Dinge sind vergänglich, Daten sind vergänglich, Emotionen sind vergänglich, Menschen sind vergänglich. Das ist halt Leben.

  3. Ich empfehle das Buch „Kulturpessimismus als politische Gefahr“ von Fritz Stern. Das Phänomen ist nicht neu und genauso unsinnig und gefährlich wie vor 80 Jahren.

Kommentare sind geschlossen.