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Weblog von Johannes Kleske

Kommentarkultur

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Zwei lesenswerte Artikel zum Thema Kommentarkultur im Internet sind mir in den letzten Tagen aufgefallen. Im Guardian beleuchtet Tim Adams das Thema ausführlich und beschäftigt sich dabei hauptsächlich mit der Destruktivität, die Anonymität leider viel zu häufig mit sich bringt.

How the internet created an age of rage (➟ Instapaper):

The combination of a faceless crowd and personal anonymity provoked individuals into breaking rules that under “normal” circumstances they would not have considered. […]
We rightly hear a great deal about the potential of social media and websites to spread individual freedom, as evidenced during the Arab spring and elsewhere. Less is written about their capacity to reinforce pack identities and mob rule, though clearly that is also part of that potential.

Der Idealist in mir glaubt ja immer noch an die Vorteile von Kommentaren. Im Gegensatz zu vielen anderen, die ihre Blogs inzwischen ohne Kommentarfunktion betreiben, gibt es sie bei mir noch, weil ich immer noch hoffe, dass der Nutzen von Feedback, Ergänzung und konstruktiver Kritik überwiegt. Leider wird dieser naive Glauben an eine konstruktive Diskussionskultur im Web heute auf den meisten Webseiten Lügen gestraft. Dafür brauche ich nur unter einen beliebigen Artikel auf einer Nachrichtenseite zu schauen. Trotzdem mag ich die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Anil Dash ebenfalls nicht, der deswegen in der letzten Woche mehr als deutlich wurde:
If your website is full of assholes, it’s your fault (➟ Instapaper):

[…] by simply learning from disciplines like urban planning, zoning regulations, crowd control, effective and humane policing, and the simple practices it takes to stage an effective public event, we can come up with a set of principles to prevent the overwhelming majority of the worst behaviors on the Internet.
If you run a website, you need to follow these steps. if you don’t, you’re making the web, and the world, a worse place. And it’s your fault. Put another way, take some goddamn responsibility for what you unleash on the world.

Harte Worte. Vielleicht zu hart für z.B. Blogger, die einfach nicht mehr jeden Tag die persönlichen Beleidigungen lesen wollten, die in ihren Moderationsliste auftauchten. Aber sicher nicht zu hart für viele, die sich einfach nicht um die Kommentarkultur auf ihren Webseiten scheren. Und das sind in der Regel leider eher die großen als die kleinen.

Johannes Kleske

34, Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über Städtleben, vernetztes Arbeiten und zukünftige Kommunikation, hat Spaß an feinem Kaffee und inspirierenden Medien.

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