Shuu.sh macht leises laut

Die Damen und Herren von BERG London hatten mal wieder eine großartige Woche. Am Dienstag ging SVK, ihre langerwartete Comic-Kollaboration mit Warren Ellis, in den Verkauf und war innerhalb von zwei Tagen ausverkauft. Mehr dazu, wenn meine Kopie bei mir angekommen ist. Zum Ende der Woche ging dann ein kleines Nebenprojekt online, was nach eigenen Angaben in erster Linie dazu diente, ihrer Creative Technolgist Alice Bartlett die Möglichkeit zu geben, sich in Ruby on Rails einzuarbeiten.

Erstmal ist Shuu.sh einfach nur ein weiterer, browserbasierter Twitter-Reader. Man meldet sich mit seinem Twitter-Account an und bekommt dann den Stream der Tweets der Leute angezeigt, denen man folgt. Spannend wird’s, wenn man die Shuush-Funktion einschaltet. Diese schaut sich jeden Twitter-Account im Stream an und wertet aus, wie häufig eine Person twittert. Dabei wird die Häufigkeit in elf Level eingeteilt. Level 1 bedeutet, dass man eigentlich nie twittert, Level 11 dagegen, dass man praktisch ständig auf Twitter aktiv ist (ich bin Level 8). Die Auswertung nutzt Shuush nun, um die Gewichtung der Tweets im Stream zu ändern. Je niedriger das Level eines Twitter-Account, desto größer werden die Tweets dargestellt. Je höher das Level, desto kleiner. Kurz gesagt: Shuush hebt im Twitter-Stream die Tweets der Leute hervor, die nur selten twittern.

Das ganze ist nicht wirklich als voller Twitter-Client-Ersatz gedacht, eher als nettes Zusatztool (und kleine Satire), um auch den leiseren Stimmen mal Gehör zu verschaffen. Ich lasse Shuush gerade ganz gerne auf meinem iPad laufen, das während des Arbeitstags meist ungenutzt neben meinem Bildschirm liegt. So werfe ich immer wieder mal einen Blick drauf und entdecke vielleicht einen spannenden Gedanken, der mir sonst entgangen wäre. Damit passt Shuush ideal in die aktuellen Gedankengänge von Russell Davies und BERG zum Thema „secondary attention” und „incidental media”.

Shuush ist ein wunderbares Beispiel für ein kleines Seitenprojekt, das enormes Potential für den Ausbau bildet. Allein wenn sich BERG entscheiden sollte, den Algorithmus als API Dienst für andere Twitter-Clients anzubieten, wäre das schon ein sehr spannendes Ding. Auch in der App lässt sich noch enorm viel machen. Was, das bleibt erstmal BERG überlassen.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

Ein Gedanke zu „Shuu.sh macht leises laut“

  1. Danke für den Artikel. Ich habs gerade ausprobiert und finde es prima – vor allem weil sich sofort die alte weisheit bewahrheitet das die lautesten nicht unbedingt am meisten zu sagen haben.

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