Email – Der Krampf geht weiter

Irgendwie ist es geradezu faszinierend, wie „kaputt“ sich Email als Kommunikationsmedium für die meisten von uns anfühlt. Wenig scheint zum modernen Stress so viel beizutragen wie der nicht abreißende Strom an neuen Nachrichten in unseren Inboxen. Es wird beständig schlimmer und damit auch unsere verzweifelten Experimente, Lösungen zu finden. Eine zeitlang war es in Mode, so genannten „Email Bankrot“ zu erklären. Man gab vor der schieren Anzahl der ungelesenen Nachrichten im Eingang einfach auf, schickte jedem, mit dem man schon mal Kontakt hatte, eine Nachricht, dass man gerade aufgegeben hat und, wenn es etwas wichtiges gab, es doch bitte noch mal schicken solle. So richtig hat das leider nicht geholfen, da die Email-Eingangsboxen viel zu schnell wieder bei der alten Fülle waren.

Einfach nicht antworten

Derzeit ist wieder mehr über das Thema Emailflut zu lesen. MG Siegler, unter anderem Autor bei Techblog Techcrunch hat gerade erklärt, dass er im Juli keine Emails mehr beantwortet. Eine Art Experiment am eigenen Kommunikationswesen. Er will wissen, ob er dadurch wirklich etwas verpasst und welche andere Wege die Leute finden, um ihn zu kontaktieren.

Er zitiert auch Emily Magazine mit den Worten

When people at parties ask me what I do I think I am just going to start saying that I’m an “emailer.”

Email Sabbatical

Danah Boyd, bekannt durch ihre ausführlichen Untersuchungen unter anderem zum Privatsphäre-Verständnis von Teenagern, nimmt ihre Urlaubszeiten so ernst, dass sie in der Zeit praktisch keine Emails liest. Damit das mit ihrem Umfeld funktioniert, bereitet sie diese „Email Sabbaticals“ pedantisch vor. Die Beschreibung zeigt vor allem in beeindruckender Weise, wie viel Druck wir schon beim Thema Email empfinden zu scheinen, wenn jemand sich verpflichtet fühlt, eine Auszeit von ein paar Wochen in der Form einzuleiten.

Email Charter

Vielleicht mit der nachhaltigste Ansatz wurde von TED Kurator Chris Anderson initiiert. Mit der „Email Charter“ soll versucht werden, die Qualität von Emails zu erhöhen und damit die Verarbeitung massiv zu vereinfachen. Dazu hat Anderson mit viel Unterstützung zehn Regeln definiert, die uns alle zu besseren Emailern machen sollen.

Priority Inbox & ActiveInbox

Ich muss sagen, dass mir Email gerade erstaunlich wenig schlaflose Nächte bereitet. Dazu haben insbesondere zwei Tools beigetragen. Zum einen Gmail’s Priority Inbox, bei der Gmail versucht, meine eingehenden Emails in wichtige und sonstige Mails zu unterteilen, was nach einigem Training auch erstaunlich gut funktioniert. Damit sehe ich auf einen Blick, ob etwas wichtiges eingegangen ist, um das ich mich umgehend kümmern sollte. Alles andere wird von mir in gezielten Sessions abgearbeitet. Dabei hilft mir ActiveInbox, eine Extension, die es für Firefox und Chrome gibt. Sie setzt auf dem Label-System von Gmail auf und erweitert die Funktionen um einen von Inbox Zero inspirierten Ansatz. So kann ich Mails mit „Action“, „Waiting for“ und „Someday“ markieren und danach sortieren.

Viel mehr als Email selbst, macht mir gerade die Fülle der Eingangsboxen Probleme. Jede Platform im Web kommt mit ihrem eigenen Nachrichtensystem und jeder Kontakt hat Vorlieben für ein anderes. Die einen senden am liebsten über Xing, die anderen über Facebook Messages. Ich habe auch schon Businessanfragen über die Ask-Funktion von Tumblr bekommen. Da ist mir Email als Kommunikationszentrum doch lieber. Das hat einfach schon mehr Jahre und Iterationen aufm Buckel. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob wir in zehn Jahren zurück blicken werden und uns fragen, wie wir damals bloß mit der Kommunikationsflut zurecht bekommen sind bevor die Lösung kam in Form von …

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

5 Gedanken zu „Email – Der Krampf geht weiter“

  1. Abarbeiten in Sessions und Hilfe von Tools wie Priority-Inbox sind für mich auch der beste Weg. Das Schräge den den vielen Inboxen ist, dass ich genau aus diesem Grund immer und auf allen Plattformen die Mail-Benachrichtigungen angestellt habe – und auch zig Mailaccounts in einem GMAIL-Fach landen. Eine praktikablere und verlässlichere Methode habe ich noch nicht gefunden… Ich freue mich drauf, wenn wir uns darüber unterhalten werden, „wie wir damals bloß mit der Kommunikationsflut zurecht bekommen sind bevor die Lösung kam in Form von…“

  2. Also was mich echt geärgert hat ist, dass Gmial eine Kundenmial in Bulk verschoben hat (ich hatte vorher Bulk und Notofocations hänisch/automatisch schon sortiert. Jetzt ‚klaut‘ mir Google das Zeug aus der Inbox raus und versteckt es in den Newslettern und ich darf jetzt separate Filter erneut bauen. Grrr.

  3. Also mir ist es lieber die Nachrichten tüdeln in meinem Gmail Account ein als auf Facebook und Tralala so unsortierbare und unmarkierbare Messages zu bekommen. Am allerpraktischten hat sich das Label „2reply“ erwiesen, mit dem werden einfach alle Mails markiert die zu beantworten sind. Dank Priority Inbox stehen die nun gleich unter den ungelesenen wichtigen Mails. Ein echter Zeit- und Effizienzkiller ist es nämlich zu versuchen gleich auf jede Mail zu antworten. Beobachte das bei manchen Leuten und es würde mich wahnsinnig machen. Lieber ein mal am Tag eine halbe Stunde E-Mailen einplanen und dann isses auch wieder gut.

  4. Johannes, falls Du http://www.elsua.net/tag/a-world-without-email/ noch nicht kennst paßt das ganz gut zum Thema. Dort schreibt Luis Suarez, Social Computing Evangelist bei der IBM Software Group, wie er versucht auch geschäftlich wo nur möglich auf E-Mails zu verzichten und dafür andere Kommunikationskanäle zu nutzen.

    Eben hab ich erst http://www.elsua.net/2011/08/03/living-a-world-without-email-in-google-plus/ von ihm dazu gelesen.  Ist Google+ also die Antwort auf das „Kaputtgehen“ der E-Mail? Ich weiß nicht …

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