Alltagsdesign oder den Alltag gestalten

The new living room (teaser)

Sonntagmorgen im neuen Wohnzimmer, Musik aus Spotify, frischer Kaffee aus der French Press, gesättigt vom selbst gebackenen Brot und Sonnenschein durch die Balkontür. Eine hervorragende Gelegenheit, um die letzten Wochen ein bisschen Revue passieren zu lassen.

Angekommen sind wir. Aber ich bin noch dabei, den neuen Alltag zu entwickeln.

ist derzeit meine Antwort auf die ständige Frage, ob ich mich den schon eingelebt hätte. Wie vermutet hat sich der Alltag für mich mit dem Umzug nach Offenbach ziemlich umgestellt und ich bin dabei, die verschiedenen Möglichkeiten der Gestaltung auszuloten, bevor ich mich auf bestimmte Routinen festlege und andere bewusst vermeide. My new room (teaser) #offenbach

So bin ich diese Woche z.B. mehr auf’m Bike unterwegs gewesen als im gesamten letzten Jahr (und wäre sogar noch deutlich mehr gefahren, wenn das Wetter mitgespielt hätte). Das Pendeln per Bike war eine der Hauptpunkte, auf die ich mich vor dem Umzug gefreut habe und bisher wurde ich kein bisschen enttäuscht. Seit letzter Woche nenne ich dieses Baby mein eigen. Feste NarbenNabe (bekannt als Fixed Gear) sind bei den Hipstern dieser Welt ja nach wie vor die meist gefragte Form des Bikens und auch auf mich üben sie mit ihrem extrem reduzierten Design und dem Fahrgefühl der direkten Verbindung zur Straße einen großen Reiz aus. Allerdings will Fixed fahren gelernt sein, weswegen ich mich für ein Singlespeed (freie NarbeNabe, nur ein Gang) entschieden habe. Ich war nicht ganz sicher, ob ich so ohne weiteres auf weitere Gänge verzichten mag, aber nach der ersten Probefahrt war sofort klar, dass ich zumindest im flachen Frankfurt mit dem einen, optimierten Gang nichts vermissen werde. Außerdem hat das Bike eine Flipflop-NarbeNabe. D.h. sollte ich mich am Fixed Gear fahren ausprobieren wollen, muss ich einfach nur das Hinterrad umdrehen. Mein Weg zur Arbeit geht hauptsächlich am Mainufer entlang und könnte kaum schöner sein. Je nach Uhrzeit taucht die Sonne das komplette Ufer in goldenes Licht und halb Frankfurt kommt, um den heraufziehenden Spätsommer/Herbsteinstieg zu genießen. Ein kleiner Zwischenstopp direkt am Wasser sorgt dann abends endgültig dafür, dass man den Stress des Arbeitstags hinter sich lässt. Einen Umstand, den ich wie erwähnt, die letzte zwei Jahre nicht hatte. Diese kleinen Dosen von Urlaub direkt im Alltag haben ungemeine Auswirkungen auf meine Psyche, und dabei bin ich erst zwei Wochen hier.

Das Komplettparket für Brot ala @depone #alnatura #9Euro90

Die gesparte Zeit beim Pendeln geht derzeit vor allem in die Umstellung der Ernährung. Nachdem ich zwei Jahre praktisch nicht zuhause gegessen habe, gilt es nun Frühstück und Abendessen praktisch neu zu entdecken. Erste Anschaffung dafür ist ein Brotbackautomat und Daniels Brotrezept, die neue Ernährungsgrundlage. Brot kann so fantastisch sein. Gerade diese Wiederentdeckung eigentlich banaler Alltagsdinge macht derzeit ungeheuer Spaß. Als Nächstes geht’s dann ans Kochen.

Ein bisschen wehmütig war ich allerdings, als ich letzte Woche meine Bahncard100 zurückgegeben habe. Damit geht ein riesiges Stück Mobilität verloren. Sich einfach mal in den Zug setzen und Freunde z.B. in Köln besuchen ist nun nicht mehr drin. Dafür ist nun ordentlich Platz, Freunde zu beherbergen.

hessenjournal-fernsehen-hr

Auch ermöglicht die ständige Anwesenheit im Raum Frankfurt Dinge, wie z.B. abends noch beim hessischen Fernsehen vorbeizuschauen, um im hessenjournal ein kurzes Interview zum Wahlkampf im Web zu geben. Wieder zwei Minuten weg von den 15 Minuten Fame.

Back at Försters, my new third place #Offenbach

Ein neuer ‚Third Place‘ (der Ort neben Wohnung und Arbeit, wo man entspannt und Freunde trifft, klassischerweise ein Kaffeehaus oder eine Kneipe, je nach Gusto) ist auch gefunden. Das Försters ist ein Café und Restaurant zwei Ecken weiter mit entspannter Atmosphäre, freiem Wlan und sehr gutem Essen. So lässt es sich leben.

Der Start in Offenbach/Frankfurt macht also durchaus Spaß. Ein Umzug ist immer eine gute Gelegenheit, um unliebsame Gewohnheit abzulegen und neue zu entwickeln. Insofern dienen Artikel wie dieser vor allem auch der Selbstreflektion und Standortbestimmung. Also, nicht abschrecken lassen von zu viel Nabelschau 😉

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

6 Gedanken zu „Alltagsdesign oder den Alltag gestalten“

  1. Freut mich dass du dich so gut eingelebt hast! Cool. Eine Anmerkung: die Dinger am Fahrrad heissen Naben, nicht Narben… 😉

  2. Freut mich, dass es Dir so gut geht, großer Bruder! Hoffe, mir bald die neue Wohnung anschauen zu können… Von Altantura benutze ich übrigens gerade sehr gerne Agavensirup zum süßen… Für Joghurt und Kaffee… Vielleicht ist das ja auch etwas für Dich..

  3. Das liest sich einfach nur super – ich kann das gut nachvollziehen und ich freue mich, dass du ein wenig aus dem gelernten Alltag ausbrechen kannst. Bei mir steht in Monaten evtl. auch ein Umzug an. Mal sehen wie sich alles entwickelt – du hast meine Lust drauf auf jeden Fall noch gesteigert! Wenn ich mich mal in deine Nähe verirre – ich sag bescheid – bis dahin kannst du dann hoffentlich auch kochen 🙂

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