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Weblog von Johannes Kleske

Karriere ohne Personalverantwortung?

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von workforfood via jeffstaple

Fast ein bisschen zu wahr, was uns Diego da als Grafik präsentiert. Fakt ist, dass Kreative immer weniger konkret kreativ arbeiten, je weiter sie die Karriereleiter hinaufsteigen. Und das gilt bei weitem nicht nur für Kreative. Ist schon irgendwie ne sehr seltsame Sache, dass man je besser man in seinem Job wird und je mehr man damit Erfolg hat, desto weniger kann man ihn noch ausführen. Irgendwann wird man immer gezwungen, Personalverantwortung zu übernehmen. Und schon verbringt man die Zeit mehr mit managen statt mit produktivem. Das mag eine stark vereinfachte Sichtweise sein. Trotzdem begegnen mir immer wieder Leute, die bewusst keine “Karriere” machen wollen, weil ihnen ihr eigentlicher Job viel zu viel Spaß macht oder sie keine “people person” sind. Eine Antwort könnte “Selbstständigkeit” lauten. Wenn ich mein eigener Chef bin, kann mir auch niemand den Karriereweg vorschreiben. Aber selbst hier lauert mit dem Erfolg auch schnell die Gefahr, wachsen zu wollen. So wird schnell aus dem Gründer der Chef einer neuen Agentur, der wiederum hauptsächlich mit der Führung seines Unternehmens beschäftigt ist, statt mit kreativem Schaffen.

In dem Zusammenhang beeindruckt mit Stefan Sagmeister ungemein, der es seit langem schafft, trotz seines riesigen Erfolgs und der überwältigenden Nachfrage, mit seiner Agentur klein zu bleiben und weiterhin umfassend im Kreativprozess involviert zu bleiben. Seine Ergebnisse sprechen für sich und lassen nur erahnen, wo so mancher Kreative heute von seiner Arbeit her stehen könnte, hätte er sich nicht vom Management vereinnahmen lassen.

Johannes Kleske

35, Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin und denkt über die Zukunft der Arbeit, der Kommunikation und der Stadt nach.

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6 Kommentare

  1. bringt es auf den . …in diesem sinne :)

  2. Stefan Sagmeister ist mehr als das. Er ist die Ausnahme. Er lebt nicht von seiner Agentur, seine Agentur lebt von ihm. Er ist ein Genie der Selbstinszenierung. Er integriert seine Person auch in seine arbeiten, wir erinnern uns: http://tinyurl.com/ctn65a

  3. Die beschriebene Entwicklung entspricht leider (noch) allzu oft der Realität. Den Widerspruch Facharbeit und Karriere haben allerdings inzwischen auch einige Firmen erkannt, beispielsweise Procter & Gamble: Dort können sich die Mitarbeiter bewusst entscheiden, ob sie den Management- oder den Fachzweig nehmen. Wohlgemerkt ohne negative Einflüsse in Bezug auf die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten inkl. Gehalt.

  4. selbst kreativ sein oder anderen ermöglichen kreativ zu sein. am besten wäre beides, oder nicht? und zweiteres ist doch auch ein multiplikator, sodass noch mehr kreativität aufblühen kann…

  5. In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine Präsentation des IA Summit 2008 hinweisen: “Creating Career Paths for UX Professionals”. Mir hat die Segel-Metapher zur Beschreibung der Skill-Levels sehr gut gefallen, vom Entry-Level (“Rode in a boat once, knows what sailing is”) bis zum Principal (“Sailed around the world. Twice. In a boat she built herself.”). Die Autoren weißen auch auf die beiden Wege hin, die man einschlagen kann: Spezialist und Management.

    Die komplette Präsentation kann man sich hier ansehen: slideshare.net/kristenjohansen/creating-career-paths-for-ux-professionals

    Bei Scribd kann man sie als PDF runterladen: scribd.com/doc/2743468/IA-Summit-2008-Creating-Career-Paths-for-UX-Professionals

  6. Ich erlebe es viel zu oft, dass sich jemand als Führungskraft bewirbt und als einzige Begründung nennen kann “In der Fachlinie gibt’s für mich kein Weiterkommen.”

    Deshalb bin ich froh, dass mein Arbeitgeber seit einiger Zeit ausgewiesenen Wert auf das Thema “Fachkarriere” legt. Sie soll Mitarbeitern eine klar definierte Perspektive geben, wie sie sich in Fachkenntnis, Verantwortung und Gehalt weiterentwickeln können, ohne ihr Gebiet verlassen und in die (meist unpassende) Führungslinie wechseln zu müssen.

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