Social Media für den Neuanfang der hessischen SPD

Bereits am ersten Tag nach der Wahl in Hessen hat Thorsten Schäfer-Gümbel (TSG) auf seiner Webseite zur Mitarbeit am Neuaufbau der hessischen SPD aufgerufen:

Der Neuaufbau der hessischen SPD beginnt. Er wird einige Zeit brauchen. Machen Sie mit. Alle, die unseren Wahlkampf verfolgt haben, die uns mit Spenden oder persönlich im Straßenwahlkampf unterstützt haben, die in Facebook, Wer-kennt-wen oder MeinVZ Ratschläge oder Tipps gegeben haben, die über twitter mit mir verbunden sind oder über den Videdialog im Netz Kontakt aufgenommen haben, sind aufgerufen, den Neuaufbau der SPD Hessen mit zu gestalten!

Interessierte werden aufgefordert, sich über ein Formular zu melden und sollen demnächst mehr Informationen erhalten. Oliver Zeisberger hat den Aufruf in den Kommentaren zum Artikel über die Social-Media-Strategie von TSG aufgegriffen und schreibt dazu folgendes:

Wir werden sehen, was noch kommt. Das ist alles noch sehr frisch. Hessen-SPD-History in the making, sozusagen. Kommt drauf an, ob die vielen klugen Geister, die auch hier mit diskutiert haben, jetzt ihre Ideen auch einbringen und mitmachen beim Überlegen, wie man es anpacken kann.[…] Die Chance besteht darin, jetzt was Kluges und Nachhaltiges aufzubauen. Es ist nicht von heute auf morgen zu leisten. Ein wenig Geduld wird nötig sein, vor allem für alle die, die nach 10 Stunden ohne Twitternachricht von TSG schon unterstellen, er wäre “verschwunden”…. 😉 Was bisher da ist: Profil von TSG auf Facebook. Viele Unterstützer sind inzwischen auf Facebook mit Gruppen, Veranstaltungen, etc. Es gibt ein Wer kennt wen-Profil und wohl auch Gruppen. Auf WKW hat TSG wesentlich mehr Freunde als auf Facebook oder StudiVZ. Die Freunde aus WKW kommen insbesondere aus Hessen, sind aber vom Naturell ganz anders. Ob WKW zur Mit-Organisation des Erneuerungsprozesses brauchbar ist, kann ich noch nicht erkennen. Es gibt “meinespd.net”, ein eher spd-intern-orientiertes Netzwerk. StudiVZ/MeinVZ halte ich mit dem Funktionsumfang noch nicht für so brauchbar. Youtube halte ich für Videos für gut zu verwenden. Da gibt es einen eigenen Videokanal. Ich glaube, die Kernaufgabe ist jetzt, das ganze klug zu strukturieren und den Erneuerungsprozess in Gang zu setzen: Flexibel, transparent und einbeziehend. Wenn Ihr Vorschläge habt, wäre das prima. Die einzelnen Aktivitäten und Präsenzen müssen jetzt stärker koordiniert werden. Aber für den Moment am Tag nach der Wahl ist die Devise: Schleusen auf und erstmal kommen lassen, was kommt. Dann sehen, wie es ausschaut und nach und nach Struktur drüberlegen. Die Vielfalt in den Reaktionen ist schon in den ersten Stunden zu sehen: Es wollen Leute Mitglied der SPD werden. Andere wollen ohne Mitgliedschaft aus anderen Bundesländern mit Know-How helfen. SPD-Mitglieder aus Hessen wollen vor Ort etwas tun. Daraus schliesse ich: Die Struktur für die Erneuerung muss dynamisch und organisch wachsen, mit möglichst viel Netz-Know-How, damit vieles darüber abgewickelt werden kann. In den nächsten Tagen wird sich der Nebel sicher etwas lüften. Auch für uns!“

Wie Oliver schon richtig feststellt, muss das ganze organisch wachsen. Deswegen würde ich der hessischen SPD aus dem Bauch heraus ein mehrstufiges Vorgehen vorschlagen, bei dem sie zunächst mal alles sammeln und bewerten, was an Wünschen, Kritik und Vorschlägen von allen Seiten auf sie einströmt. Genau dafür scheint mir eine Ideen-Community das richtige Tool. Starbucks hat das letztes Jahr sehr beeindruckend mit MyStarbucksIdea vorgemacht. Auf dieser Plattform kann jeder seine Ideen für Starbucks eintragen. Andere bewerten und kommentieren diese Idee. Starbucks hat nach anfänglicher Ignoranz dann sehr schnell gelernt, dass sie aktiv auf die Ideen eingehen müssen. Seitdem kommentieren sie aktiv mit, markieren die Ideen zur Auswertung und begleiten den Prozess ständig auf einem eigenen Blog.

Was diese Community für die Marke Starbucks alles schafft können wir mal an anderer Stelle diskutieren. Für die hessische SPD ist es aus meiner Sicht das richtige Tool, um vielen Menschen eine Plattform zu geben, alle Ideen und Wünsche von der Community sortieren zu lassen und gleichzeitig ausufernde Diskussionen, wie sie ein reines Blog oder ein Diskussionsforum vermutlich produzieren würden, zu vermeiden. Mit Dienstleistern wie UserVoice steht auch die Infrastruktur bereit, um schnell eine solche Plattform aufzusetzen.

Diese Plattform sollte natürlich im Prozess des Neuanfangs nicht die einzige bleiben. Auch sollte sich der Prozess selbstverständlich nicht nur auf Social-Media-Tools beschränken. Aber mit einem Mann an der Spitze, der sich in den letzten Woche durchaus sehr affin für dieses Medium gezeigt hat, lässt sich hier sicherlich einiges von dem Momentum mitnehmen, das er im Wahlkampf aufgenommen hat.

Welche Tipps und Tools würdet ihr TSG für den Neuaufbau geben? Und warum versuche ich mit meiner eigentlich grünen Politikeinstellung der SPD zu helfen? 😉

Nachtrag: Ja, ne, war klar. Obama hat’s natürlich schon gemacht.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

4 Gedanken zu „Social Media für den Neuanfang der hessischen SPD“

  1. Eine Ideencommunity finde ich eine gute Idee 🙂

    Erst mal sollte es einen klaren Kommunikationskanal für Interessenten und Vorschläge geben. Das Formular ist zwar schon gut, wirkt aber etwas „altbacken“. Dann muss der Prozeß (wie eigentlich alles) klar und offen kommuniziert werden.

    Es darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, das es eigentlich nur um „heiße Luft“ geht. Also müssen Termine, Vorgehensweisen und Reaktionen definiert und kommuniziert werden.

    Außerdem muss darüber nachgedacht werden, wie diese „Bewegung“ auch auf nicht so netz-affine Bevölkerungsteile übertragen werden kann. Oder man beschränkt sich bewusst erstmal etwas in der Reichweite und experimentiert.

    Warum wir der SPD helfen wollen? Weil es derzeit die einzige Partei ist (zumindest im Fall von TSG) die anscheinend die Möglichkeit dazu bietet. Es wäre also an den Grünen sowas auch mal auszuprobieren.

  2. Nachdem erst die Yps scheiterte und jetzt TSG noch mehr scheiterte, ist es in meinen Augen albern, da noch irgendwas hinterherzuwerfen. Die alte Politik der großen Parteien hat ausgedient, spätestens wenn Kochs Wähler weggestorben sind. Lieber in etwas neues investieren, wie z.B. die Piraten-Partei, die sich ja auch mit Neuen Medien besser auskennen, als die SPD.

  3. Zum ersten mal zieht der Obama- TSG Vergleich in meinen Augen. Denn die neue Kampagne erweckt zum ersten mal den Eindruck als könne jeder von unten mit gestallten. In Deutschland muss man sich ja erst Jahre in einer Partei hochgeschleimt, sorry, gearbeitet haben, um wirklich etwas zu machen andernfalls. Das Schreckt schon genug Leute ab, die politisch Quasi „Quereinsteiger“ sind und auch mit Kommunalpolitik wenig am Hut haben. Kleiner Nebeneffekt: Die derzeit gesammelten Daten kann man aufgrund der Freiwilligkeit auch erstmals nutzen für Rundmails, etc.

    Wenn das Konzept etwas wird, quasi diese Art von „Bewegung“, die Politik in Wohnzimmer, auf Straße und im Parlament verbindet, ist viel gewonnen und Politik würde weniger abstrakt. Man müsste sich dann auch häufiger an den Satz „Wer ist das, der da den Posten bekommt?“ gewöhnen. Kann nur gut sein.

    Klar, die Grünen sollten sowas auch machen, allein schon wegen der ehemals Basisdemokratischen Ausrichtung. Wenn es nur die SPD macht, ist es eine Möglichkeit nicht nur Wähler sondern Menschen für sich zu gewinnen (angesichts der vielen Austritte sehr von nöten).

    Unterm Strich muss man auf einen Erfolg hoffen, eigentlich. Sogar wenn man die SPD verachten würde, denn sonst bleibt eine aktive Politik ein gescheiterter Versuch eines Landesverbandes einer Partei.

    Aber erstmal muss es überhaupt in die Richtung gehen, aber das denke ich schon.

  4. Dieser Versuch passt meiner Meinung nach sehr gut zu dem gestrigen Kommentar von Jörg Schönenborn in den ARD Tagesthemen, der hauptsächlich kommentiert, wieso es in Deutschland keinen Politiker wie Obama gibt.

    Die US-Bürger sind viel leichter überzeugt und helfen mit Herzblut mit. So einen Versuch nun in Deutschland zu starten ist richtig und notwendig! Man sieht doch hier sehr deutlich, dass es genug Ideengeber gibt, die nicht Partei-zugehörig sind, da Ihnen das System im Weg zu stehen scheint. Endlich nutzt, bzw probiert zu nutzen, jemand diese Quellen.

    Einzig ist für einen erfolgreichen Versuch viel Geduld nötig, schliesslich kann man die Früchte der Arbeit erst in 5 Jahren begutachten, schade!

    Ich hoffe, dass sich möglich viele daran beteiligen.

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