Schäfer-Gümbel und Social Media – Die richtige Strategie?

Thorsten Schäfer-Gümbel auf Twitter

Wird Zeit, mich noch mal mit dem Hessenwahlkampf auseinander zu setzen. Denn gerade auf Seiten von Schäfer-Gümbel passiert einiges im Bereich Social Media. Insbesondere Twitter hat es ihm angetan, nachdem er zu Beginn den Dialog vor allem über YouTube gesucht hat. Als Social-Media-Stratege finde ich das natürlich erstmal richtig, weil ich zutiefst an die Konversationsmöglichkeiten dieser Plattformen glaube und ihre Potentiale für die Politik als ungemein hoch einstufe (jaja, Kunststück nach dem Obama-Wahlkampf).

Aber als jemand, der immer versucht, die Dinge im Ganzen wahrzunehmen, frage ich mich gerade „Hat Schäfer-Gümbel nichts besseres zu tun als zu twittern?“ So komme ich zu diesen geradezu blasphemischen Gedanken:

  1. Bei aller Liebe zu Twitter, aber es bedient als Medium nach wie vor eine kleine Nische innerhalb der deutschen Durchschnittsbevölkerung. Damit ist es derzeit vor allem gut, um mit einer jungen, 2.0-affinen Zielgruppe ins Gespräch zu kommen.
  2. Diese Zielgruppe wiederum würde ich mal dreist als eher links, offen und progressiv einschätzen. Und damit ist der hessische Anteil unter den Twitterusern, vorsichtig ausgedrückt, eher nicht der typische Koch-Wähler. Schäfer-Gümbels Konversation auf Twitter ist also quasi „preaching to the choir“.
  3. Ein neues Medium wie Twitter bringt eine gewisse Eingewöhnungszeit mit. Und auch ein affiner Politiker wie Schäfer-Gümbel braucht Zeit, um die Gepflogenheiten und Verhaltensregeln auf Twitter und anderen Social Apps zu lernen.
  4. Nun ist das besondere an diesem Wahlkampf, dass es überhaupt nur ein paar handvoll Wahlkampftage gibt. Außerdem sind die Kassen leer. Strategie kann es also nur sein, sehr genau die Prioritäten auf die Aktionen zu legen, die in kürzester Zeit die meisten Wähler in Hessen erreichen.

Und genau deswegen verstehe ich nicht, warum Schäfer-Gümbel seine überaus knappe Zeit in diesem Wahlkampf darauf verwendet, ein Nischenmedium zu bedienen, das er erst erlernen muss und das sowieso schon weitgehend kritisch seinem Gegenkandidat gegenüber steht.

Nichtsdestotrotz halte ich Schäfer-Gümbel für einen spannenden Politiker, der, ist das ganze Wahlkampfschlamassel erstmal vorbei, mit seiner gerade und bodenständigen Art den Neuanfang der Hessen SPD in die richtige Richtung schaffen kann. Und dabei werden ihm Dienste wie YouTube und Twitter sowie seine Offenheit und Lernwilligkeit im Umgang mit diesen eine große Hilfe sein. Außerdem steht ihm mit Oliver Zeisberger von Barracuda einer der besten deutschen Berater für Politik im Web zur Seite. Das lässt auf viel hoffen.

Übrigens, eine Strategie könnte ich mir vorstellen, bei der Schäfer-Gümbels aktuelle Twitter-Aktivität schon jetzt durchaus Sinn machen würde. Nämlich dann, wenn man mit beeindruckend hartem Realitätssinn die Wahl von vorneherein verloren gegeben hat und den Wahlkampf und die Aufmerksamkeit dazu nutzt, das Fundament für die Konversation zum Wiederaufbau zu legen. D.h. man priorisiert nicht die Aktionen, die am meisten kurzfristig Wähler mobilisieren sondern die, die langfristig Aufbauarbeit leisten. Vor solch einer Strategie würde ich meinen Hut ziehen. Denn dafür braucht man Eier. Und wenn deutsche Politiker in der Regel eines nicht haben, dann…

Nachtrag: Ok, der Ehrlichkeit halber muss ich zugeben, dass es mir gar nicht in erster Linie darum geht, hier die Wahlkampf-Strategie der Hessen SPD zu kritisieren. Ich bin weder Mitglied irgendeiner Partei (wenn auch sehr, sehr politikinteressiert) noch Wähler in Hessen. Natürlich wünsche ich mir, dass Koch endlich gehen muss. Aber vor allem wünsche ich mir, dass wir gerade in der Social Sphäre (Twitter, Blogs, etc.) Social Media nicht immer als das Allheilmittel für alles sehen. Ich wundere mich etwas über die großen Jubelschreie, wenn es wieder ein Politiker auf Twitter geschafft hat. Als wäre das die Lösung, die immer funktioniert um Wahlen zu gewinnen und aus Politikern endlich gute Menschen zu machen. Aber wie bei allem ist Social Media eine Lösung, die nur eingebettet in eine Gesamtstrategie (gehet zu Obama und lernet von ihm) und auf diese abgestimmt in optimaler Kombination mit Lösungen aus anderen Bereichen ermöglichen kann, wozu sie das Potential hat. Und manchmal – aber nur manchmal – sind andere Lösungen die besseren…

Nachtrag 2: Unbedingt auch die Kommentare lesen. Das hier war nur der Diskussionsstarter.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

48 Gedanken zu „Schäfer-Gümbel und Social Media – Die richtige Strategie?“

  1. Habe gerade ein eher euphorisches Fazit gezogen in meinem Artikel zum gleichen Thema, muss aber anerkennen, dass Du auf einige wichtige Punkte hinweist, über die ich nicht wirklich nachgedacht habe. Das Argument „Zeit“ lasse ich aber nur bedingt gelten, weil ich nicht glaube, dass TSG seine Zeit auch nur annähernd so mit twittern verschwendet wie ich 😉 Durch diese Interviewaktion wurde doch immerhin ein mächtiger Buzz erzeugt und vielleicht erreicht man dadurch mehr Menschen, als wenn man in den gleichen 20-30 Minuten einige Hände geschüttelt hätte in einem hessischen Dörfchen… aber nichtsdestotrotz: toller Artikel mit einigen sehr guten Punkten 🙂

  2. Naja, das ist sozusagen die billigste Art der Kritik an social media Aktivitäten, das Todschlagargument: Bringt ja nix, wer liest das denn?

    Kann man wenig gegen sagen, denn wahrscheinlich haben das Interview heute wirklich nur 2-300 Leute mitgelesen. Wobei man sehen muss, dass es eh teilweise schwierig ist, so viele überhaupt in eine Veranstaltung zu bekommen, auch als Spitzenkandidat. Allerdings kann man die Twitternutzer schon als eine Art von Multiplikatoren betrachten.

    Wie du richtig sagst, ist das ein sehr kurzer Wahlkampf und TSG muss alle Register ziehen. Ziel eines jeden Wahlkampfs muss es sein, die eigenen Anhänger zu mobilisieren. Nicht-Sympathisanten überzeugen zu wollen ist sinnlos. Und wer den Wahlkampf von vorneherein verloren gibt, so wie du forderst, der brauch gar nicht erst antreten.

    1. @Baranek: Hehe, ist lustig, weil ich sonst immer das Todschlagargument von meinen Kunden zu hören bekomme. Nun konnte ich es endlich selbst mal anwenden 😉

      Aber im Ernst, man muss sich immer fragen „Was bringt mir wieviel und wann?“ Die Antwort darauf wird bei einem Fokus auf einen Wahlkampf mit wenigen Wochen Dauer ein ganz anderer sein als bei eine langfristigen Strategie für einige Jahre oder noch länger. Und die Dinge sind natürlich nie so schwarz-weiß, wie man sie in einem Blogartikel gerne darstellt. Natürlich wird eine große Partei niemals einen Wahlkampf von vorneherein komplett abschreiben. Aber abhängig von der Strategie und dem prognostizierten Ausgang wird sie genau bestimmen, worin sie wieviel Energie steckt.

      Ehrlich gesagt, solange Schäfer-Gümbel nach der Wahl nicht das Fazit zieht, dass Twitter nix gebracht hat und es wieder sein lässt (wovon ich nicht ausgehe), ist mir der Rest eigentlich egal 😉

  3. @Casi: Ob das Twitter-Interview irgendwas außer ein bisschen Aufmerksamkeit auf Twitter gebracht hat, stelle ich mal in Zweifel weil inhaltlich wahnsinnig unspannend.

    Beim Thema Zeitaufwand stimme ich dir zu. Die Frage ist dabei aber, ab welchem Zeitaufwand eine echte Konversation auf Twitter entstehen kann.

  4. Ich sehe bei diesem Thema zwei Probleme. Politiker verstehen zu wenig vom Internet. Aber da macht sich der TSG doch ingesamt ganz gut zur Zeit. Das zweite Problem: Viele Webworker verstehen viel zu wenig von Politik und politischer Kommunikation. An der Stelle helfen dann die vielen Tipps, die Politiker von der Netzgemeinde bekommen, nicht weiter.

    Den Wahlgang verloren zu geben ist völliger Quatsch. Die Oderflut ist ein Beispiel dafür, dass man sowas nicht machen sollte. Und die Unterstützer eines Spitzenkandidaten deren Interessen er ja auch vertritt, würden ihm das ziemlich übel nehmen. Wenn ein Spitzenkandidat das tun würde, würde er anschließend keine Eier mehr haben – um mal in Deiner Terminologie zu bleiben.

    Eier hat nach meiner Einschätzung derjenige, der in einer nahezu aussichtslosen Lage den Versuch unternimmt und „nicht den Schwanz einzieht“.

    Über dieses generelle Thema Demokratie, Politik, Wahlen und Internet müssen wir mehr sprechen! Die Netzwerkzeuge werden in unserem demokratischen Zusammenwirken wichtiger. Bei der Anwendung geht es aus meiner sicht viel häufiger gar nicht darum, was „die Politiker“ machen, sondern was alle anderen tun.

    http://www.fixmystreet.com aus UK ist für mich so ein Beispiel. Da werden lokale Probleme mit einer klugen Plattform gelöst, die nicht von Politikern, sondern von BÜRGERN gemacht wurde. In diesem ganzen Prozess reden wir viel zu selten über die BÜRGER. Welchen Beitrag kann der BÜRGER Johannes Kleke zu unserem Gemeinwesen und wie wir Zusammenleben mit Netzwerkzeugen beitragen. Ja, ich weiss, dass Du das an vielen Stellen beindruckend tust.

    TSG weiss jetzt, dass er auch bei Twitter zuhören kann. Und zum Thema BKA-Gesetz, Datenschutz, Breitband in ländlichen Regionen etc. ist ein engerer Kontakt zu online-affinen Menschen sicher gut. Nicht alle Zukunftsfragen lassen sich in Twitter zielgerichtet diskutieren. Ein Teil vielleicht schon. Seine Tour durch das Land und durch die Hallen hat überigens keinen Termin weniger, nur weil er auch über das Netz kommuniziert.

    Und was Du vollkommen ausser Acht lässt, ist, dass auch die klassischen Medien berichten. Ein Wahlkampf ist mit dem Netz alleine nicht zu gewinnen. Die klassischen Medien spielen weiterhin die entscheidende Rolle. Sie berichten aktuell im Kern positiv über die Aktivitäten von Schäfer-Gümbel im Netz. Das hilft, um das Thema Netz und Politik nach vorne zu bringen.

    Und ein letzter Gedanke. Robert ist der einzige Blogger in Deutschland, der auf die Idee gekommen ist, eine Interviewanfrage zu starten. Das sagt auch etwas darüber aus, ob die „Gemeinde“ mit Politik ins Gespräch kommen will oder nur einen Drang „ich schreib mal meinen Senf dazu“ erliegt. Das beschäftigt und wundert mich. Unser Gemeinwesen wäre es wert, dort auch Anforderungen zu formulieren.

    1. @Oli: Danke für den ausführlichen Kommentar. Nichts anderes habe ich von dir erwartet. Genau diesen Dialog wünsche ich mir. Ich verstehe ein bisschen was vom Web und von Marketing. Ich interessiere mich sehr für Politik, verstehe dort aber weit weniger. Und genau wie du wünsche ich mir, dass wir mehr darüber reden.

      Beim Thema „Wahlkampf verloren geben“ bin ich unsicher. Wie schon in einem vorherigen Kommentar geschrieben denke ich natürlich auch nicht, dass man jemals einen Wahlkampf sofort und direkt „aufgeben“ wird und sollte. Sonst wäre Obama wahrscheinlich auch nie angetreten. Auf der anderen Seite bleibt trotzdem die Frage, in welcher Form es sich lohnt, einen aussichtslosen Wahlkampf anzugehen. Wie will man die Motivation aufbringen? Und das Durchhaltevermögen? Nur um dann nachher auf die Schulter geklopft zu bekommen mit den Worten „Naja, hast ja dein bestes gegeben.“ Hm, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass die Antwort auf diese Frage jemand wäre, der weiß, was er drauf hat und der die Fähigkeit mitbringt, in aussichtslosen Situationen ungeahnte Potentiale freilegen zu können (muss…Obama-Vergleich…vermeiden). Und wenn ich mir das so durch den Kopf gehen lasse, scheint mir Schäfer-Gümbel so ein Typ. Und ganz ehrlich gesagt, find ich’s eigentlich auch geil, so ein Projekt anzugehen, dass unmöglich scheint und wo jeder mit deinem Scheitern rechnet. Verlieren kann man wenig, gewinnen dafür ne Menge. (man, ich komm hier schon wieder ganz woanders raus als gedacht)

      Auch die Sache mit den „klassischen Medien“ sehe ich zwiespältig. Klar, auf der einen Seite bekommt er mehr Aufmerksamkeit wegen seines „Internet-Wahlkampfes“ und schafft Interesse für Social Media. Auf der anderen Seite spüre ich gerade deswegen bei vielen Leuten in der Social Sphäre ein gewisses Misstrauen. Man fragt sich, wieviel das Interesse ernsthaft und wieviel davon kalkulierte Medienaufmerksamkeit ist. Deswegen auch die ständige Frage, ob er nach der Wahl weitertwittern wird. Und deswegen komme ich immer wieder auf das Thema Langfristigkeit. Denn nur die kann überzeugen, dass es einem ernsthaft ist mit der Konversation. Da geht es Marken nicht anders als Politikern.

      Das Thema „Mit Politik ins Gespräch kommen“ finde ich sehr spannend. Denn auf der einen Seite überschätzen wir unseren Einfluss ja ganz gerne mal (was ja der unterschwellige Anstoß für diesen Artikel war – s. Nachtrag). Auf der anderen Seite machen wir den „gefühlten“ Einfluss praktisch nie geltend. Woran kann das liegen? Sind die „Mauern“ um die Blogosphäre zu hoch? Fehlen uns die Ideen? Denken wir in Deutschland beim Thema Politik einfach immer nur in der Kategorie „Kritik“ und nicht in der Kategorie „Handeln“? Hm, ich bin nicht sicher? Jemand eine Idee?

  5. erstmal kompliment für den beitrag und @Oliver für den Kommentar, an dessen Ende du quasi bestätigst: „Bild, BAMS & Glotze!“ D.h. das ziel der TSG internet-strategie ist in die klass. Medien zu kommen. Ist nur die Frage, ob dort das Internet weiter als „jung“ missverstanden wird, was dem „nach-vorne-bringen“ nicht sachdienlich ist, was meine kritik am webcamp ist (vgl Kommentare hier http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/01/08/wer-braucht-im-wahlkampf-eigentlich-freunde/#comment-3042) der diskussionsbedarf schreit nach einer konferenz 😉 zum treffen/austauschen.

  6. @Johannes: Mensch da habe ich meinen Post gerade fertig geschrieben, da kommentierst Du mir quasi aus der Seele.

    Ich glaube das es in Deutschland inzwischen (leider) Konsens ist bei Politik nur von „denen“ und „den Politikern“ aber nicht von „den Volksvertretern“ im eigentlichen Sinne zu sprechen und zu denken. Warum diese Entwicklung stattgefunden hat, und welche Ursachen es dafür gibt ist noch eine ganz andere Diskussion.

    Fakt ist aber, das sich ein Großteil der Bevölkerung (da nehme ich mich nicht unbedingt aus) für Politik nicht wirklich zuständig fühlt. Das ist für eine „Herrschaft des Volkes“ allerdings ein extrem ungünstiger Zustand.

    Die im Moment stattfindenden Entwicklungen könnten die Möglichkeit bieten um die verkrusteten Strukturen etwas aufzubrechen und die politische Kaste und das Volk wieder etwas enger zusammen zu bringen. Dies wird allerdings nicht von alleine passieren. Die Frage ist, wie so etwas organisiert wird. Ist es von den momentan herrschenden Politikern eigentlich gewünscht, das sich die Bürger auf breiter Front einmischen und evt. auch Forderungen stellen?

    Unabhängig davon sollten die Bürger dieses machen, Forderungen aufstellen und deren Umsetzung auch einfordern. Und dazu wäre es sinnvoll, wenn man mal ausprobieren würde wie weit der Einfluss eigentlich reicht. Letztlich bietet eine Demokratie genau für so etwas die Möglichkeit. Und es wäre schade wenn man diese nicht nutzt.

  7. Eins vorne weg: Johannes, die Situation von Obama war nicht annaehrend so aussichtslos wie die von TSG. Sicher, Mrs. Clinton war die klare Favoriten aber es gab seit 2004 eine sehr solide und fundamentale Basis von Obama-Anhaengern. Obama hatte auch nicht eine Vorgaengerin, die quasi verbrannte Erde hinterlassen hat (Disclaimer: wenn ich waehlen duerfte, wuerde ich SPD waehlen).

    Ich bin als Social Media Berater ebenfalls mit diesen Themen staendig kontaktiert und da ich Politikwissenschaften studiert habe, kann ich auch behaupten, dass mein Interesse nicht zu niedrig ist. Dennoch halte ich die Versuche von TSG fuer vergeudete Liebesmuehe. Das ist ein Mann, den die meisten Menschen in Hessen ueberhaupt nicht gekannt haben. Er hat kein politische Praesenz gehabt die ihn auch nur zu einem potentiellen Kandidaten vorher gemacht haette. Er hat also mit sehr vielen Problemen gleichzeitig zu kaempfen: a) eine sehr schlechte Ausgangslage fuer die SPD als Ganzes und b) seine mangelnde Bekanntheit.

    Ausgehend von dieser Basis und der sehr knappen Zeit um sich ein Profil zu verschaffen, ist es wirklich fraglich, ob die Social Media Aktivitaeten die richtige Investition sind. Und damit meine ich nicht nur das Interview, welches ja waehrend einer Autofahrt statt gefunden hat. Wobei man in der gleichen Zeit natuerlich auch ein eMail-Interview fuer ein lokales Blatt beantworten koennte.

    Doch zurueck zu dem Punkt mit der fraglichen Investition in Social Media. Der Grund hierfuer liegt fuer darin, was Johannes bereits in seinem Beitrag angesprochen hat: Die falsche Klientel. Die Menschen, die sich mit dem Interview auf Twitter beschaeftigt haben, sind vermutlich alle ueberdurchnittlich gebildet und haben sich, soweit das Interesse besteht, mit der Wahl in Hessen schon beschaeftigt (es waere interessant zu erfahren, wieviele von den Lesern ueberhaupt eine Moeglichkeit haben in Hessen zu lesen bzw. wieviele der Follower von TSG ueberhaupt aus Hessen sind). Sie haben vermutlich bereits eine Entscheidung getroffen, weil sie dank ihrem Bildungsstandes eine sehr fundierte Meinung mit Hilfe aller anderen Informationen, die es bereits im Netz gibt, bilden koennen. Weitere Punkte waeren auch: Es lesen wirklich nicht die potentiellen Waehler, die man Koch abwerben kann.

    Gut, ich bin damit einverstanden, dass die mediale Berichterstattung ein Faktor hierfuer ist. Gleichzeitig muss ich aber auch behaupten, dass vermutlich ein Artikel ueber TSG und sein Betaetigung bei Youtube und Twitter in einigen Faellen sogar negative Auswirkungen haben koennten („hat er nichts besseres zutun?“).

    Und zur guter Letzt noch eine Behauptung, die ich nicht belegen kann und die aus dem Bauch heraus kommt: Robert hat das Interview sicherlich nicht aus seinem großen Interesse fuer politische Diskurse gemacht, sondern weil er weiss, wie er PR fuer sich selbst macht. Das ist eine Fertigkeit, die viele gerne haetten aber nur wenige haben. Er ist damit erfolgreich, er ist aber damit sicherlich kein Katalysator fuer politische Diskussionen.

  8. @ Igor Schwarzmann: ”er ist aber damit sicherlich kein Katalysator fuer politische Diskussionen“ – darauf kommt es ja gar nicht an. Ich denke Robert Basic hat sich bewusst im Windschatten des Rummels um seinen Blogverkauf dieses Twitter-Interview einfallen lassen. Ich nehme ihm zwar ab, dass er bei seiner ebay-Aktion nicht damit gerechnet hat, dass SPON, FAZ, Bild, FR etc. darüber berichten würden. Aber bei dieser Aktion wird genau das wohl Kalkül gewesen sein. Oder zumindest wird Robert dem TSG Medienberater wohl den Wink mit einer Win-Win-Situation gegeben haben. Ungefähr so: Wenn wir Glück haben, hängen sich die Massenmedien dran und berichten morgen, dass TSG als erster deutscher Politiker Deutschlands bekanntestem Blogger ein Twitter-Interview gegeben hat.

  9. Interessante Diskussion hier. Was das Potential von Social Media – Stragien betrifft, kann ich als eher ungeübter user nicht so viel beitragen.

    Ich fürchte nur, Johannes und Igor haben recht damit, wenn sie für die Wahl nächste Woche keine Regierungsmehrheit für die SPD erwarten. Verloren geben sollte man die Wahl trotzdem nicht, denn jeder Wähler, der kommenden Sonntag der SPD seine Stimme gibt, verbessert die Ausgangslage für die Wahl, die folgt.

    Ich fürchte auch, die Strategie, die sowieso „eher links“ engestellten Nutzer sozialer Medien anzusprechen bedeutet keineswegs ein „preaching to the quoir“. Denn die verbrannte Erde, die Andrea Ypsilanti hinterlassen hat (sehr teffender Kommentar Igor!), bedeutet vor allem, dass auch diejenigen verprellt worden sind, die es als Anhänger der SPD missbilligen, in welcher Weise sie sich entgegen aller Ankündigungen im vergangenen Wahlkampf der Linkspartei an den Hals geworfen hat.

    Wahrscheinlich muss TSG zu allererst überhaupt den eigenen Chor wieder dazu bewegen, miteinander zu singen…

  10. na ja, ich glaub zwar fest daran, dass twitter die welt retten wird, aber wer unsinn fordert wie zwangsanleihen bei den wohlhabenden, dem kann nicht mal twitter helfen. brauchst du geld, gehst du zur bank, wie wir normalsterblichen auch.

    trotzdem schoen, wie er sich das bei obama abgeschaut hat, man geht mit der zeit, aber solange man bei der spd nur dumme polemik betreibt, wird das wohl nix mit dem regieren…

  11. Ich bin mir nicht sicher, ob Johannes‘ Artikel dafür geeignet ist, die Pros und COntras des SPD-Wählens abschließend zu klären. Ich vermute persönlich, dass #TSG Twitter als ein Versuchsballon nutzt, um in erster Linie etwas früher als Roland Koch ein bissl PR-Rummel zu machen. So nach dem Motto: GUck mal, der nutzt auch den selben Kram wie der Obama…ist das nicht toll? Ich vermute nicht, dass das Potenzial von Twitter als 2.0 Internetplattform sondern als 1.0 PR-Vehikel gesehen wird.

  12. Clemens, es war nicht und ist nicht Strategie von TSG oder sonstwem gewesen, mit den Internetsachen in Bild, Bams, Glotze zu kommen. (Das sehe ich für die CDU in Hessen anders – ganz unten mehr dazu.)

    TSG ist damit aber in Bild, Bams und Glotze gekommen. Warum? Weil es Neuigkeitswert für Bild, Bams und Glotze hatte. Es ist etwas, was es noch nicht gegeben hat. Darüber berichten Medien gerne, weil es Leser und Zuschauer lockt. Das brauchen Medien, um in unserem Wirtschaftssystem zu funktionieren.

    Wir haben uns dann gesagt: Wenn die Kette „Wir machen etwas für und im Netz und darüber berichten die Medien dann im Nachgang“ funktioniert, ist es hilfreich für einen so kurzen Wahlkampf, bei dem die Herausforderund darin lag, das TSG zu Beginn keiner kannte und jetzt seine Bekanntheit (und übrigens auch Beliebtheit) gesteigert hat. Beide Seiten (Netz und klassische Medien) wirken wechselseitig. Man kann sie aber nur aufeinander aufbauen, wenn beide Seiten funktionieren. Hätte Massmedia von den Videos von TSG keine Notiz genommen, wäre der Internetwahlkampf vermutlich nebensächlich geblieben und dann hätte es vermutlich auch kein Twitter-Interview gegeben. Was wir uns schon auf die Fahnen schreiben ist, dass TSG offensichtlich zu Beginnen ein Video produziert hat (Benennung des Wortbruches und Aufruf zum Videodialog), was die beschriebene Wirkungsweise hatte. Darüber diese Inhalte des Videos haben wir natürlicherweise lange nachgedacht. Über die Verpackung (Hintergrund, Türknarzen, Licht, Kameraeinstellungen, Ton) haben wir überhaupt nicht nachgedacht. Das erschien uns unwichtig, weil TSG ins Gespräch kommen wollte. Und das ist gelungen.

    Darüber hinaus bin ich der Ansicht, dass die Massenmedien viel weniger berichtet hätten, wenn sie das Thema Web und Politik / Wahlkampf schon besser verstehen würden. Eigentlich ist es in einem Wahlkampf etwas vollkommen normales, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und sich über politische Ziele und Zukunftsvorstellungen auszutauchen. Das man dafür alle denkbaren Möglichkeiten ein erwägung zieht und dann einen Mix erststellt ist auch vollkommen usus. Die SPD hat vor Jahrzehnten schon Bildplatten verteilt – als die noch en vogue waren.

    Uns fehlt in diesem Land eine Diskussion der Gesellschaft – von dir und mir und BÜRGERN – darüber, wohin wir wollen, wie wir leben wollen. Innerhalb von Parteien ist dieses Engagement oft sehr mühsehlig, langwierig und aufreibend. Und uns fehlt ein ausgeprägtes gesellschaftliches Engagement und Mittun im Netz. Ein GEMEINWESEN. Ein „Commons“. (Viele Internetprofis freuen sich über creative commons, haben sich aber in Deutschland bisher wenig Gedanken zum zweiten Wortbestandteil gemacht, zum commons). Alle sind im Netz auf der Suche nach „Geschäftsmodellen“. Das langweilt mich ungemein. Viel interessanter finde ich, mit dem Netz unser Gemeinwesen zu entwickeln. Dafür ist es eigentlich das bessere Tool. Diejenigen, die sich über Gemeinwesen im Netz Gedanken machen (Wissenschaftler, Hobbydiskutanten, gesellschaftliche Gruppen), sind aber meistens zu fern von Politikern und Politik entfernt, die aber unser Gemeinwesen organisieren.

    Insofern liegt im Testen und Probieren von neuen Möglichkeiten im Netz für Politiker im Wahlkampf auch die große Chance, dass über diese Tools unser gesellschaftliches Fortkommen entwickelt wird.

    Ich glaube der Geist ist aus der Flasche. Jetzt müssen wir uns an ihn gewöhnen und mit ihm umgehen.

    Weiteres: Der Vergleich zu Obama kommt von den Massenmedien, die versuchen, das Phönomen TSG mit dem Phänomen Obama zu erklären. Beide haben wir noch nicht vollkommmen verstanden. Meist versucht man Neues mit dem „Alten“ zu erklären. Über Obamas Internetnutzung ist so viel geschrieben worden, dass dieser Wahlkampf sofort in den Sinn kommt, wenn ein Redakteur über die Webvideos von TSG schreiben soll. Dass TSG ähnliche Webtools nutzt wie Obama, liegt daran, dass es die Kommunikationswerkzeuge unserer Zeit sind und er die Kommunikationsherausforderung hat, in kurzer Zeit mit vielen Menschen ein Gespräch über die politische Zukunft Hessens zu führen.

    Nur am Rande, weil das hier nicht der richtige Blogeintrag für diese Diskussion ist. Ich ärger mich aber immer über oberflächliche Kommentare, deren Zweck ich nicht verstehe.: @marcuhlig Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder? Bei Banken leihen? Wo jetzt die Commerzbank zu 25 Prozent DIR und MIR gehören, weil sie zu 25 Prozent in Staatseigentum gegangen ist. Ist Dir klar, dass das irgendwer irgendwann bezahlen muss, wenn es schief geht? Vielleicht auch Du mit Deinen Abgaben und Steuern? Da wird man wohl mal einen Anstoß geben können, das noch mal miteinander zu besprechen. Das ist TSG mit seinem Vorschlag der Zwangsanleihe durchaus gelungen. Selbst wenn die konkrete Umsetzung nicht mehrheitsfähig ist, aber darüber reden muss mam ja wohl mal.

  13. Der Internetwahlkampf der CDU in Hessen ist von vorneherein für die Massenmedien wie TV und Zeitungen aufgebaut. Wer sich mal die Fotos vom Chat angesehen hat, sieht da nur Fernsehmikrofone und Fernsehkameras. Da wurden die Chatteilnehmer zu unfreiwilliger Fernsehstaffage. http://www.webcamp09.de/2009/01/02/impressionen-vom-chat-mit-roland-koch/ Als BüRGER hätte ich für ein Gespräch über die Zukunft Hessens mit dem geschäftsführenden Ministerpräsidenten andere Vorstellungen. Psychologisch finde ich es gegenüber den Gesprächsteilnehmern respektlos.

    Ob Roland Koch beim „Chat“ interessiert, wie das Netz und solche Tools unsere Gesellschaft verändern und wie man damit Positives für möglichst viele im Sinne des Gemeinwesens bewirken kann, wage ich zu bezweifeln. Schon das Auffahren der CDU-Busse – vier riesige, schwarze, bedrohliche PS-Protze und CO2-Schleudern symbolisiert aus meiner Sicht eine Einstellung zu einer brachialen Kommunikation. http://www.webcamp09.de/2009/01/05/vorstellung-der-wahlkampfbusse/

    Diese Form der Kommunikation wird nicht mehr lange funktionieren. Im Moment mag sie noch klappen. Aber ihre Zeit ist abgelaufen.

  14. ach du meine guete…

    lieber oliver zeisberger: allerdings war das mein ernst. und sinn und zweck meines kommentares sind doch offensichtlich, dachte ich jedenfalls…

    zwangsanleihe: waehrend otto normalverbraucher sich das geld auf der bank leihen muss, holt es sich der staat also einfach bei den wohlhabenden, die ohnehin schon hoeher besteuert wurden als otto normalverbraucher…

    lieber oliver zeisberger: du denkst also der staat soll sich das geld besser nicht bei den banken leihen, weil da ja ein gewisses risiko besteht, und irgendwer muss das geld ja auch eines schoenen tages zurueckzahlen, vielleicht sogar ich? gut erkannt…

    kein risiko bei der zwangsanleihe?

    das heisst also eigentlich ist die zwangsanleihe eine zwangsenteignung.

    nun, meiner meinung nach ist das ganze schlicht und einfach verfassungswidrig, und insofern nichts anderes als dumme polemik, aber die masche zieht ja auch immer ganz gut, nicht wahr?

    also lieber oliver zeisberg, das mit der rethorik klappt ja schon ausgezeichnet, aber am inhalt muss wohl noch etwas gearbeitet werden, aber das kennt man ja nur zu gut aus politikerkreisen…

  15. Es wurde hier schon angesprochen und ich möchte es nochmal aus eigener Erfahrung bestätigen: das Verständnis der Web-Branche und der Politik muss gegenseitig noch stark wachsen, ebenso die Lernbereitschaft. Ich bin in und mit dem Web tätig und außerdem stark in der (Kommunal-) Politik engagiert: nur ein relativ kleiner Teil der Politikleute läßt sich wirklich für neue Formen und Ansätze gerade im und mit dem Web begeistern – bei ersten Rückschlägen zieht man sich meist zurück. Es wird selten begriffen, dass es einen langen Atem braucht und es um den Grundansatz geht, also den Paradigmenwechsel. Zwar wächst das Verständnis für den Bereich „Video“ allerorten, aber das ist eben nur ein Mini-Faktor. Die Web-Branche muss nachdenken, ob sie manche Klischees über Politiker weiter pflegen will oder bereit ist einen langen Weg mit Politikern zu gehen und dann langfristig Erfolge einzufahren. — Wie überall: die wichtigste Komponente ist Vertrauen.

  16. Der interessante Beitrag und die noch spannendere Diskussion gehen in die richtige Richtung. Die zentrale Frage ist doch immer, wie ich wen erreichen kann. Gleich, ob ich ein Produkt verkaufen möchte, oder mich als Kandidat. Wenn ich weiß, das Lieschen Müller im Cafe sitzt, gehe ich dahin, Wenn ich weiß, das Otto Normalo regelmäßig fernsieht, zeige ich ihm einen Spot. Und wenn David Digitalo nur surft, dann bin ich bei ihm. Web-Wahlkampf trifft mit Sicherheit einen immer größeren Teil der Bevölkerung, aber noch längst nicht alle. Und wenn ich alle auf allen Kanälen treffen kann, und auch noch eine Botschaft habe (ui, da war ja noch etwas), dann kann ich sie auch für mich begeistern.

    Richtig ist meiner Meinung nach, dass viele Web-Jünger zu wenig von Politik verstehen. Und Politiker verstehen zu wenig vom Web. Insofern hat tsg das Richtige getan, und sich darauf eingelassen. Es liegt an uns, das jetzt auch in die Kleinstadt zu tragen.

    Das Internet ist nur ein Ort. Wenn auch ein großer.

  17. Ich finde es immer Schade, wenn die „sozialen Medien“ reines Wahlkampfinstrument sind. In Slowenien gibt es eine nette Ausnahme. Die neue Innenmisiterin twittert auch jetzt noch fleißig weiter.

  18. Meine Vermutung ist ja, dass TSG mit allen seinen Online-Aktivitäten im Grunde ein Versuchsballon der SPD für den Rest der Kampagne 09 und dass die Wahlkampfstrategen sich vom Einsatz von Twitter & Co (die außerhalb des Kreis der üblichen Verdächtigen) immernoch neu sind (als Wahlkampfinstrument deutscher Politiker ohnehin) und sich damit ein gewisser Aufmerksamkeits-Buzz im Wahlkampf erzeugen läßt.

    Die Wahl ist sowieso verloren, stellt sich halt die Frage, wie sich der Einsatz von Socialmedia und Web2.0 Tools auswirkt, ob sich das messen läßt und Rückschlüsse ziehen lassen.

  19. Die Nutzung von Social Media in der Politik wird nur Schritt für Schritt einen Erfolgsbeitrag liefern. Dass es wachsen wird, weil immer mehr Menschen sich an social media beteiligen und es immer einfacher wird, dies zu tun, liegt auf der Hand.

    Der technische Wandel ist aber so rasant, dass wir beim nächsten Wahlkampf wieder vollkommen neue Werkzeuge haben werden. Wer diese dann einzusetzen versteht, wird dann wieder einen Schritt weiter gehen können.

    Ein weiterer Gedanke: Youtube gab es vor 5 Jahren nicht. Folglich wurde es im vorvergangenen Wahlkampf auch noch nicht verwendet. Folglich gibt es nahezu keine Erfahrung damit, ob und wie es gut einsetzbar ist. Mit anderen Tools ist es genau so. Twitter vor drei Jahren? Nix.

    Um mit neuen Werkzeugen überhaupt umgehen zu können, braucht man Innovationsfreude, muss ein bischen am Puls der Zeit leben, sich eine gesunde Einschätzung der Chancen und Risiken zutrauen, ein wenig Instinkt mitbringen und vor allem eine gewisse Grundhaltung zum Netz haben. Hilfreich ist auch, wenn man sich in politischer Kommunikation auskennt und sich weltweit darüber informiert, wie dort das Netz für Demokratie, Gesellschaft und Politik verwendet wird.

    Die Herausforderung für TSG – wie oben schon beschrieben – lag darin, sich in kurzer Zeit möglichst vielen Hessinnen und Hessen (und darüber hinaus) bekannt zu machen. Die Kombination aus den Aktivitäten im Netz und der daraus erwachsenden Berichterstattung in den Massenmedien (die man nicht planen kann, sondern nur daruf hoffen kann) hat dazu beigetragen.

    Wie will man den Erfolgsbeitrag messen? Das ist sehr schwierig. Zunächst gibt es ja offensichtliche Zahlen (Freunde und Nachrichten in den SN, Kommentare oder Zuschriften per Mail, Zugriffszahlen auf Websites, Videoabrufe, Follower bei Twitter). Diese Zahlen sagen aber noch nichts darüber aus, ob ein Prozentpunkt mehr oder weniger am Wahltag sich aus diesen Aktivitäten ergibt. Dafür setzen sich Wahlergebnisse aus zu vielen Faktoren zusammen. Man sagt für gewöhnlich, dass ein Spitzenkandidat das Ergebnis der Partei in einer Bandbreite von ca. 6 Prozentpunkten „bewegen“ kann: Also 3 rauf oder 3 Prozentpunkte runter. Wenn zum Beispiel ein Partei bei 38 Prozent liegt, kann ein schlechter Kandidat dafür sorgen, dass es nur 35 werden. Ein senstionell guter Kandidat könnte das Ergebnis bis ca. 41 Prozent anheben. In die Analyse könnte man auch die Entwicklung von Bekanntheits- oder Beliebtheitswerten über den Zeitablauf einbeziehen, falls Forschungseinrichtungen das überhaupt im Detail in diesem sehr kurzen Wahlkampf gemacht haben. Wenn man die Entwicklung dieser Werte dann mit einer Medien-Inhaltsanalyse kombiniert, die Untersucht, wie viel Prozent der Medien-Inhalte vom Netzwahlkampf geprägt waren, kommt man vielleicht auf brauchbare Erkenntnisse.

    Der Erfolgbeitrag ist aber noch etwas zweites, infrastrukturelles und langfristigers. Zum Beispiel die Kontakte in den SNs, die Follower bei Twitter. Wenn man nach der Wahl nicht alles abschaltet und löscht, kann man damit weiter arbeiten. Weniger intensiv vielleicht, aber man kann. Das ist im Kern ja die These von Johannes gewesen. Die Tools lassen sich auch außerhalb von Wahlkämpfen einsetzen. Und können da vielleicht noch wirksamer werden und eine Partei fit machen, für alles, was nach einer Wahl kommt. Die 50 State Strategy von Howard Dean bei den Demokraten ist exemplarisch: http://en.wikipedia.org/wiki/Howard_Dean#50-state_strategy

    All dies werden wir uns wohl erst in Ruhe nach dem 18. Januar ansehen können.

    TSG hat übrigens angekündigt, dass er nach der Wahl weiter twittert. Er hat vor einigen Stunden seine Follower nach Tipps für die letzten Tage gefragt. http://twitter.com/tsghessen/status/1111297544

    Und er hat ne Menge Antworten bekommen. Die Möglichkeiten, die in diesem Austausch stecken, wird er sicher nach der Wahl nicht einfach wieder vergessen.

  20. bei der ganzen Theorie-Diskussion vermisse ich den pragmatischen Ansatz zu sagen, dass es immer nur um die Bewegungen in kleinen Schritten gehen wird.

    1. Wer erwartet, dass Twitter, Social Networks oder Blogs einem Politiker groß weiterhelfen im Wahlkampf, fokussiert viel zu sehr auf die Kurzfristigkeit dieser Maßnahmen. Und völlig egal, was man über TSGs Twitter-Dialog denken mag, er machts, während die anderen old school planen und vorgehen. Er signalisiert nämlich etwas, was die anderen erstmal nachmachen sollen: Ja, ich schaue nach vorne! Wenn ich einen wählen müsste, dann einen vorwärtsgerichteten Kandidaten, nicht einen, der nur das nimmt, was ihm am besten jetzt im Wahlkampf an Kanälen hilft. Daraus kann man was auf die Fähigkeiten eines Kandidaten ableiten. Viele kleinen Kühe machen auch Mühe.

    2. Das vielleicht, man sollte, man könnte… damit verändert man nichts! Die Welt gehört denen, die anpacken und nicht lange fackeln, was wohl die Auswirkungen auf die einzelnen Atomteilchen sein könnten. Die Denker kommen immer zu spät. Während die Macher scon längst angekommen sind. Das beziehe ich auf die schwadronierenden Bürger, es sei ja eh alles „..doof“. Wir können die Politiker erziehen. Glaubensfrage? Ne, Macherfrage.

    3. las but not least, „Robert Basic hat…, weil er davon profitiert…“, ja sicher. RB ist „der“ große Planer. Ich mache, plane nicht. Das beschleunigt das Nachdenken nachher:)

  21. Tolle Diskussion mit vielen interessanten Aspekten zum Nachgrübeln. Danke Johannes, für den Anstoß.

  22. Die Frage der Auswirkung eines solchen Internetauftrittes moechte ich noch einmal von einer etwas pragmatischeren Seite her beleuchten. Nun haben viele hier, richtigerweise, die Nutzer des web 2.0 als jung, links und webaffin bezeichnet. Daraus folgere ich, dass ich mich doch eigentlich mit Freunden darueber unterhalten koennte. Schliesslich besuche ich derzeit die Oberstufe eines Frankfurter Gymnasiums, wenn es hier keiner weiss, wie soll es dann jemand im Taunus erst wissen. Dennoch glaube ich liegt das Problem nicht an der Erreichbarkeit der Information. Schliesslich gibt es ja Politiker wie TSG, die dankbarer Weise, Dinge ausprobieren. Nur scheint es mir, als interessieren sich nur zu wenige dafuer. Um mal bei dem Vergleich zu Obama zu bleiben. Der Unterschied ist nicht die Art mit der man Dinge verbreitet, ob nun FAZ oder YouTube, sondern die Art mit der die „commons“ dies aufnehmen. In den US ist Politiker ein hochgeachtet, ja das hoechstgeachtete Amt. Niemand wuerde es wagen, das anzuzweifeln(Als Beispiel moechte ich fruehere Goldman Sachs CEO’s nennen, die danach Finanzminister werden. Kann sich jemand Martin Blessing oder Josef Ackermann als Finanzminister vorstellen?). Wenn in Deutschland neue Sachen ausprobiert werden, wird es mit Euphorie von Webcommunities und mit Lob der Zeitungen aufgenommen. Aber dies ist, glaube ich, nicht unbedingt positiv fuer den Waehler, ich glaube, es ist vollkommen unwichtig, ausser fuer die Leute die in der Community sind.

    Dennoch befuerworte ich die Anstrengung die Leute auf sich nehmen um Neues zu machen. TSG hat mich ueberzeugt, nur leider nicht auf der inhaltliche Seite, aber Koch hat weder das eine noch das andere.

    Um nochmal zurueckzukommen zur Nutzung von social media. Was waere denn schlimm an einem Tweet a la: Wir, die SPD, denken ueber einen Kinderbonus nach, 200 euro pro kind, comments? Ich glaube dass die Antworten ueberwaeltigend waeren, man muss vielleicht nur die Leute daran beteiligen (myPolitix), dann denken sie drueber nach.

  23. Ich konnte eure Diskussion bisher leider nur überfliegen und möchte nur kurz ergänzen: „Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los“ -> Das Satiremagazin Titanic twittert als „Der echte TSG“: http://twitter.com/tsghessenspd. Köstlich 🙂

  24. Möchte zu später Stunde zwei Dinge einbringen, beide beziehen sich auf Punkt 2 im Post, also die eher „linken“ im Netz.

    1. Moderne Meinungsforschungen (aller Forsa) agieren noch immer mit verstaubten Schemen. Damit alles schön „repräsentativ“ ist, müssen soviele Männer, soviele Frauen, soviel Katholiken, soviele Beamte… blabla her. Was ist in dem „Backrezept“ nicht drin? Das Internetnutzungsverhalten. Und dies ist sehr entscheident und ich glaube ich muss keinen heir sagen, dass das netz sehr Meinungsgeprägt ist.

    2. Es sind ja alles schon eher keine Koch Wähler. Ja, genau um die geht es ja. Der aktuelle Wahlkampf darf doch nur ein Ziel haben, die Wähler der eigenen Reihen wieder an die Urne zu kriegen und dafür zu sorgen dass sie nicht anders oder garnicht wählen. Ein Wahlkampf gezielt auf eher CDU-Nahe Leute wäre vollkommen falsch. Es müsste darum gehen, wieder die gleichen Leute ran zu kriegen! Ohnehin werden wahlen über die Mobilisierung der eigenen Anhänger gewonnen.

    Und eins noch als PS: Hört auf Obama als Web-Geburt zu feiern. Er ist „Kind“ eine miserablen Bush-Clinton-Clinton-Bush-Bush Bilanz. Kein Blogger hat ihn zum Präsidenten gemacht, sondern das US-Wahlvolk

  25. @Andreas: Ich bin der letzte, der behaupten würde, dass Obama wegen dem Web gewonnen hat. Nichtsdestotrotz hat er das Web so schlau und passend eingesetzt, wie bisher kaum jemand. Und deswegen wird er auf lange Sicht Vorbild bleiben und das beileibe nicht für die Politik.

  26. Nach meinem Kenntnisstand ist es jetzt erste Mal gewesen, dass in einer Umfrage auch die Internetnutzung eine Rolle gespielt hat – im Politbarometer des ZDF (Forschungsgruppe Wahlen): http://politbarometer.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,7504947,00.html?dr=1

    Das ist schon recht interessant und wird für uns sicher noch einige Analysemöglichkeiten bieten.

    Richtig ist: Herausforderung der SPD in dieser Wahl ist die Mobilisierung der eigenen Leute. Aber ich bin kein Freund davon, zu meinen, dass man nicht auch in „CDU-Wahlkreisen“ kämpfen sollte. Die 50-State-Strategy von Howard Dean in den USA ist da ein gutes Beispiel, auch in Hochburgen des Gegners Druck aufzubauen. Bei Gelegenheit dazu vielleicht noch mehr.

  27. @Johannes: Ich meinte auch nicht dich mit Obama, das kam aber mehrfach zwischen den zeilen einiger Kommentare durch

    @Oliver: Jein. Es spielte keine Rolle bei der statistischen Erhebung der Daten, sondern war eine Zusatzuntersuchung. Was ich meine: Die Ergebnisse wurden nachher daraufhin überprüft, aber die „repäsentative“ Auswahl der Wahlberechtigten für die Umfrage wurde nicht dadurch beeinflusst. Da spielt das Nutzungsverhalten keine Rolle. Mehr dazu (gleich) in meinem Blog. Ich arbeite noch dran.

  28. Ich glaube, viele Leute sind von TSG überrascht worden – und fanden dann seine ehrliche und direkte Art der Kommunikation sehr spannend. Ob es zum Wahlsieg reicht, weiß man natürlich nicht, aber ich glaube, für die kurze Zeit hat er sich sehr gut geschlagen.

    Unabhängig davon: wer von Euch das Wahlkampfergebnis tippen will, kann gerne mal hier vorbeischauen:

    http://www.vorwaerts.de/artikel/hessen-wahlkampf-wette

  29. Ich hab den Hesssen-Wahlkampf zwar nicht mitverfolgt (nur das Twitter-interview und das Endergebnis), trotzdem ein spannender Kommentar-Strang, thx.

    Zwei bereits erwähnte Punkte möchte ich zustimmen:

    1. Das Ergebnis gibt Johannes recht, mit Twitter steckt man zu sehr in der Nische. Selbst wenn es mehr User in Deutschland gäbe, kann es nur ein kleiner Baustein sein. Worauf ich hinaus will: Genauso wie in den klassischen Medien braucht man für Wahlkampf im Netz extrem viel KAPITAL, Infrastruktur, Mitarbeiter und Zeit. Und an diesem Punkt ist man meilenweit von Obama entfernt, der hatte richtig Asche, es wurden ALLE Plattformen mit Tonnen an eigenen oder aggregierten Content bespielt.

    Und selbst das war noch nicht genug…

    1. Um Oliver zu zitieren: „“Bei der Anwendung geht es aus meiner sicht viel häufiger gar nicht darum, was “die Politiker” machen, sondern was alle anderen tun.““ Eine Unmege an User haben den Netzwahlkampf von Obama in seiner Schlagkraft multipliziert. Webflächendeckend fanden in den USA regelrechte Schlachten zwischen den Anhängern und Kreativ-Contests in Eigeninitiative statt. Ich glaub allerspätesten hier kann man Deutschland kaum vergleichen.

    Und was Christian noch anspricht, dass Reduzieren auf ein Wahlkampfinstrument finde ich ignorant und ineffektiv. Man kann, wenn man diese Tools im politischen Alltag nutzt, eine gesunde Userbasis aufbauen und/oder einfach lernen wie man damit arbeitet.

    In Österreich hatten wir im Oktober Parlamentswahlen, also einen Monat vor den US-Wahlen. Alle Parteien sprangen Hals über Kopf noch auf den Socialweb-Zug auf, die Bürger haben davon wenig mitbekommen, nach geschlagener Wahl blieben die Accountleichen übrig (siehe auch dazu Unterschied bei Obama, der macht als Präsident weiter). Der Effekt ging gegen Null, ein paar Youtube-Views und Glory-Hunting auf der 2.0-PR-Welle. Auffällig war auch, besonders Dirty Campaigning, welches zu hart für Zeitung und TV war, wurde im Netz forciert. Die Partei-Soldaten zogen aus um in Blogs und Medienportalen Stimmung zu machen, oft war das viel zu offensichtlich und nervte. Anders als in den USA, wo die Wähler selbst ihre Meinung und Favoriten hatten, gab es nur wenig Motivation für Beteiligung, es handelte sich um eine ungewünschte Neuwahl (war es das auch in Hessen?).

    Naja, 2009 wird eine spannende Bundestagswahl, dem „Obama-Style“ wird fleissig nachgeeifert werden. Fragt sich nur, ob und wieviele Deutsche da mitmachen?

  30. Es scheint so zu sein, als wolle TSG auch für den Neuaufbau der SPD in Hessen auf Netztools zurückgreifen. Jedenfalls deutet sein heutiger Tweet darauf hin.

    http://twitter.com/tsghessen/status/1131122835

    Wir werden sehen, was noch kommt. Das ist alles noch sehr frisch. Hessen-SPD-History in the making, sozusagen.

    Kommt drauf an, ob die vielen klugen Geister, die auch hier mit diskutiert haben, jetzt ihre Ideen auch einbringen und mitmachen beim Überlegen, wie man es anpacken kann.

  31. Oliver, gibt es den dafuer eine Plattform bzw. eine dedizierten Abfragemechanismus fuer Ideen? Das waere sicherlich sehr hilfreich, wenn man tatsaechlich mit Hilfe einer Diskussion diese digitale Geschichte der Hessen-SPD schreiben will.

  32. Ich glaub, nach einigen sehr anstrengenden Tagen hat mich der letzte Kommentar auf dem falschen Fuss erwischt. Daher sind die nächsten drei Sätze recht emotional – und nicht böse gemeint: Ich verstehe nicht, warum immer danach gefragt wird „gibt es dies“ oder „gibt es das“. Unser Gemeinwesen wird vom Mitmachen und Mittun gestaltet. Man kann da nicht immer so viel voraussetzen.

    Um die eigentliche Frage zu beantworten: Einen „Abfragemechanismus“ gibt es sicher noch nicht. Sowas liegt ja in deutschen Parteien nicht in der Schublade. Und offensichtlich will TSG ja hier was NEUES versuchen. Da kann man wenig auf Altbewährtes (hat sich ja nicht bewährt“) setzen. Und nicht alle vorhandenen Tolls wurden schon mal versucht, daher gibt es damit wenig oder keine Erfahrung. Twitter war und ist für TSG und viele in SPD und darüber hinaus neu. Aber er hat es schnell verstanden.

    Die Chance besteht darin, jetzt was Kluges und Nachhaltiges aufzubauen. Es ist nicht von heute auf morgen zu leisten. Ein wenig Geduld wird nötig sein, vor allem für alle die, die nach 10 Stunden ohne Twitternachricht von TSG schon unterstellen, er wäre „verschwunden“…. 😉

    Was bisher da ist: Profil von TSG auf Facebook. Viele Unterstützer sind inzwischen auf Facebook mit Gruppen, Veranstaltungen, etc. Es gibt ein Wer kennt wen-Profil und wohl auch Gruppen. Auf WKW hat TSG wesentlich mehr Freunde als auf Facebook oder StudiVZ. Die Freunde aus WKW kommen insbesondere aus Hessen, sind aber vom Naturell ganz anders. Ob WKW zur Mit-Organisation des Erneuerungsprozesses brauchbar ist, kann ich noch nicht erkennen. Es gibt „meinespd.net“, ein eher spd-intern-orientiertes Netzwerk. StudiVZ/MeinVZ halte ich mit dem Funktionsumfang noch nicht für so brauchbar. Youtube halte ich für Videos für gut zu verwenden. Da gibt es einen eigenen Videokanal.

    Ich glaube, die Kernaufgabe ist jetzt, das ganze klug zu strukturieren und den Erneuerungsprozess in Gang zu setzen: Flexibel, transparent und einbeziehend. Wenn Ihr Vorschläge habt, wäre das prima.

    Die einzelnen Aktivitäten und Präsenzen müssen jetzt stärker koordiniert werden.

    Aber für den Moment am Tag nach der Wahl ist die Devise: Schleusen auf und erstmal kommen lassen, was kommt. Dann sehen, wie es ausschaut und nach und nach Struktur drüberlegen. Die Vielfalt in den Reaktionen ist schon in den ersten Stunden zu sehen: Es wollen Leute Mitglied der SPD werden. Andere wollen ohne Mitgliedschaft aus anderen Bundesländern mit Know-How helfen. SPD-Mitglieder aus Hessen wollen vor Ort etwas tun. Daraus schliesse ich: Die Struktur für die Erneuerung muss dynamisch und organisch wachsen, mit möglichst viel Netz-Know-How, damit vieles darüber abgewickelt werden kann.

    In den nächsten Tagen wird sich der Nebel sicher etwas lüften. Auch für uns!

  33. Ich glaube auch, dass dich mein Kommentar ein wenig auf dem falschen Fuss erwischt hat. ,) Dennoch vielen Dank fuer die sehr ausfuehrliche Antwort.

    Ueber die einzelnen Aktivitaeten in den Social Networks wusste ich bescheid. Auch meinespd.de kenn ich recht gut. Auch habe ich kein Problem damit, wenn ich auf Twitter mehr als zehn Stunden auf eine Antworten warten muss, obwohl ich nicht sicher bin, ob Twitter wirklich ein sinnvolles Instrument fuer den Neuaufbau der SPD in Hessen sein kann. 140 Zeichen koennen in solchen Faellen dann doch etwas wenig sein.

    Meine Frage bezog sich eher darauf, ob es – und ich das ist wieder klauen von den Besten – sowas wie my.barackobama.com geben wird. Fuer das Obama Team, welches ebenfalls auf etlichen Plattformen aktiv gewesen ist und sicherlich auch dort immer wieder Informationen abgefragt hat, war die eigene Plattform dennoch der zentrale Kommunikationsknoten fuer Spender, Helfer, Freiwillige und alle anderen.

    Da gibt es durchaus noch Entwicklungspotential, welches wir dann in vier Jahren sehen werden, aber eins muss ich dann doch an dich bzw. die Hessen SPD zurueck geben: Das ist nicht etwas was die Waehlerschaft selbst organisieren kann bzw. soll. Ich koennte nun natuerlich eine Ning-Community auf machen, sie „Die Neue Hessen-SPD“ nennen und warten was passiert. Ich bin aber nicht sicher, wie sinnvoll das ist.

    Nun will ich bisher auch keine Versaeumnise oder aehnliches vorwerfen. Meine urspruengliche Frage war: Denkt man ueber sowas nach und wenn ja, was ist der aktuelle Stand der Ueberlegungen?

    Wir koennen uns auch gerne in Muenchen dann bei einem (oder mehreren) Bier darueber unterhalten. 🙂

  34. Spannende Diskussion. Spricht doch eigentlich dafür dass es einen Bedarf für öffentliche Diskussion und offene Kommunikation in der Politik gibt. Die Frage ist nur, wer diesen Bedarf aufnimmt und ihm eine Heimat gibt. Dazu wären die Parteien eigentlich ideal.

    Zum Thema Selbermachen/Grassroots etc. dieser Link: http://fuerlisa.mixxt.de

    Da wird genau das gemacht. Eine Initiative um eine Kandidatin zur Stadtteilbürgermeisterin in Köln zu machen. Sehr viel erfoglversprechender wäre so etwas doch aber, wenn ein gewisser ‚Apparat‘ dahinter stehen würde und Erfahrungen und Know-How beisteuern würde. Oder sehe ich das falsch?

  35. @Malte

    Dass die Partein dafür Ideal wären möchte ich deutlich nicht unterschreiben. Gerade durch das Internet wird es mir als parteiloser ermöglich, meine Meinung zu politischen Themen einzubringen.

    Die Partein werden in Zukunft auf eine harte Probe gestellt, vielen Parteimitglieder könnte man vorwerfen davor Angst zu haben und vielleicht auch(!) deshalb Internetfeindlichkeit zu schüren (aktuell zB. die Familienministerin mit ihrem Sperr-Vorhaben unter dem Deckmantel des Kindesmissbrauchs).

    Das Parteinsystem methaphert sich mir wie ein Social Network, in dem es nicht mehr als 10 Gruppen gibt, denen man beitretten kann.

    Meiner Meinung nach, ist es ist eine Frage der Zeit, bis es die Parteien in ihrer heutigen Form nicht mehr geben wird bzw. fragmentiert werden. Allerdings sieht man am amerikanischen Wahlmännersystem, das Postkutschenmethoden es manchmal locker bis in die Gegenwart schaffen können. Ich persönlich fände es sehr schade, wenn gesellschaftliche Innovationen auf der Strecke bleiben sollten.

    Zu wurde http://fuerlisa.mixxt.de wurde mir unlängst der Beitritt ohne Angaben von Gründen verwehrt. Was ich allerdings aufgrund eines Fettnäpfschens meinerseit und vielleicht überdeutlichen Klarstellung meines Charakters gut nachvollziehen kann. Ich empfehle trotzdem, sich daran zu beteiligen, der Initator Patrick Breitenbach gehört sicher zu den spannenden Personen der deutschen Webszene mit sehr ambitionierten Zielen und Ansätzen.

  36. @max

    Das die Parteien in ihrer derzeitigen Form nicht in der Lage sind so etwas zu bewirken ist völlig klar. Aber man soll ja die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgeben. Change und so 🙂

    Ebenfalls ist völlig klar, das das bisherige Parteiensystem in dieser Form langsam aber sicher an sein Ende gelangt. Spannend ist nur, wer als erstes den Wandel hinbekommt. Oder ob es irgendjemand schafft die entstehenden Lücken zu füllen und neu zu besetzen.

    Klar ist auch, das auf jeden Fall irgendjemand über kurz oder lang den Bedarf nach offener Kommunikation aufnehmen wird. Fraglich ist nur wer. Derzeit wären die Parteien dazu am besten geeignet, müssten aber enorme Umwälzungen in den eigenen Strukturen in Kauf nehmen. Ob sie dazu bereit sind ist unklar.

  37. @Malte

    Naja, noch sehe ich mehr Hype als als Hope…

    Sonst stimme ich Dir schon zu, der Bedarf ist mehr als vorhanden. Ich möchte auch noch ein anderes Beispiel für digitale Demokratie ins Spiel bringen:

    Ich glaube, dass der aktuelle Gaza-Konflikt dank Internet seine momentane Waffenruhhe bekommen hat. Leider kann ich sprachlich keine arabischen oder hebräischen Räume miteinbeziehen, aber alleine was im westlichen Internet abging, hat die US-Wahl sogar noch übertroffen. Das Feedback von der gesellschaftlichen Basis war für Medien und Politiker unmöglich zu ignorieren. Man vergleiche vor 10 Jahren sah man ein paar Steinewerfer und die Meinung eines einzelnen Reporters, ging dann Abendessen, danach lief Wetten Dass…?

    Die heutige Generation ist in der Lage eine völlig andere Mengen an Information zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Auf welche Art und Weise das geschieht ist manchmal eher schockierend (hat zumindet eine Ventil-Wirkung), der überwiegende Teil an Feedback hingegen war bitter notwendig und in seiner Summe sehr mächtig – das macht Hoffnung.

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