The Love Movement ist ein Künstlerkollektiv aus Philly/LA. Mehr bei Josh Spear.
März, 2007
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Mrz 07
OpenID auf der Vormarsch
Neben Twitter ist OpenID der große Hype der letzten Wochen. Und im Gegensatz zu Twitter erschließt sich bei OpenID sofort jedem der Nutzen. OpenID ist ein System, um an einem zentralen Platz Logininformationen und mehr zu speichern. Wenn ich mich dann bei einer Webapplikation oder irgendwo sonst im Web anmelden will, muss ich nicht jedes mal einen Nickname und ein Passwort angeben (und mir merken), sondern gebe meine OpenID an. Die OpenID ist eine URL zu meinem Profil auf einem OpenID-Server. Logge ich mich mit ihr irgendwo ein, leitet mich das System zu dem OpenID-Server weiter, wo ich meine Logindaten angebe. Danach werde ich wieder zurück geschickt. Anmelden muss ich mich also noch immer, aber nur noch auf einem Server mit immer den gleichen Daten.
OpenID hat noch einige spannende Möglichkeiten inpetto, die an anderer Stelle besser erklärt werden.
Auf meinen Radarschirm erschien OpenID mit dem runden Vortrag von Simon Willison beim Future of Web Apps in London (MP3 & PDF). Simon stellt alle Vorteile, Nachteile und Baustellen leicht verständlich vor. Danach habe ich mir direkt bei FreeYourID meine OpenID geholt.
In den nächsten Tagen will ich mir mal das WordPress-Plugin für OpenID ansehen. Stellt euch vor, ihr müsstet in Blogs nicht ständig eure Daten angeben, sondern immer nur eure OpenID. Das macht es nicht nur für euch leichter, sondern kann auch massiv bei der Spambekämpfung helfen. Mehr dazu im Vortrag von Simon.
Oli hat im Agenturblog eine ausführliche Serie zu OpenID veröffentlicht, die man sich nicht entgehen lassen sollte:
- OpenID – was muss man darüber wissen
- OpenID – die ersten Schritte
- OpenID – wie nutze ich mein Blog als Usernamen
- OpenID – Gefahren und ungelöste Probleme
Mehr zum Thema: openid
28
Mrz 07
Der ultimative Johannes-Kleske-Feed
Ich habe die Feeds (?) ein bisschen umgebaut. Der Standardfeed für dieses Blog enthält jetzt nur noch die Artikel, ganz ohne Spielzeug. Dafür gibt es jetzt den ultimativen Johannes-Kleske-Feed. Der enthält praktisch alles, was ich im Web so mache und was sich davon abonnieren lässt: alle Artikel von mir auf irgendwelchen Blogs, Twitter-Meldungen, Tumblr-Einträge, del.icio.us-Links, flickr-Bilder, Kommentare bei anderen Blogs, etc. Das Ding ist die Empfehlung für meine digitalen Stalker.
Gebaut habe ich den Feed mit Yahoo Pipes. Dieses extrem geil gemachte Web-2.0-Tool ermöglicht das Mixen und Mashen von Feeds in allen möglichen und unmöglichen Formen. Wer mehr wissen will: hier ist die Pipe zu dem Feed.
Nachtrag: Die gekürzten Blogartikel im Feed sind eine Notlösung, da es einen Fehler mit der Formatierung mancher Feeds gibt.
28
Mrz 07
Die SXSW 2007 Podcasts
Eine der inspirierendsten Jahreszeiten ist für mich angebrochen: Die Zeit nach dem SXSW-Festival in Austin, wo alle Vorträge und Diskussionspanels als Podcast erscheinen und ich mich an spannendem Zeug dumm und dämlich höre. Jedes Jahr wieder flashen mich die einzelnen Vorträge ungemein und ich nehme mir felsenfest vor, nächstes Jahr hinzufliegen. Immerhin war ich inzwischen schon mal in Austin, wenn auch zur falschen Zeit.
Hier mal ein Überblick über die Vorträge, die ich schon gehört habe (wird brav geupdatet):
- Kathy Sierra – Opening Remarks: Wer sich fragt, warum es sehr tragisch ist, dass Kathy Sierra ihren Vortrag bei ETech abgesagt hat, sollte sich einfach nur diesen Vortrag anhören … und alle anderen auch. Kathy at her best mit einer Fülle von Einblicken und Tipps für Hersteller von jeglichen Produkten.
- Rob Weychert & Jason Santa Maria – A Field Guide to Design Inspiration: Woher kommt eigentlich Inspiration und wie nutze ich sie als Designer am besten? Darum geht’s bei diesem sehr entspannten Vortrag. Spaß macht hier vor allem, dass die beiden Vortragenden seit langem dicke Freunde sind und das ihre Präsentation prägt.
- Tim Ferriss – The 4-Hour Workweek: Schon ewig keinen Vortrag mehr gehört, den ich so kontrovers finde. Bin mir bis heute nicht sicher, ob der Typ ein absolutes Genie oder ein riesiges Arschloch ist. Es geht darum, wie er knallhart alle Ablenkung und alles unwichtige aus seiner Arbeit eliminiert hat und nun mit vier Stunden konzentrierter, fokussierter Arbeit pro Woche sein Geld verdient. Das beinhaltet einfache Dinge wie nur zweimal pro Tag Mails checken und abgedrehte Dinge wie alle altägliche Verwaltung an Inder auszulagern. Hört’s euch an. Bin sehr gespannt auf andere Meinungen. Das Buch (“The 4-Hour Workweek: Escape 9-5, Live Anywhere, and Join the New Rich” (Timothy Ferriss) erscheint Ende April.
- Alex Steffen – Worldchanging 2.0: Wirklich genialer Vortrag. Fasst alles zusammen, was uns bei rejolt bewegt. Das ganze entspannt und ohne Missionseifer vorgetragen. Anhören!
- Tony Conrad, John Battelle & Toni Schneider – Why Marketers Need To Work With People Media: Der Vortrag, der endlich mal ein bisschen Substanz in die ganze Diskussion um Adical und Werbung in Blogs bringen kann.
- Diskussionspanel – There’s no Such Thing as the Mobile Web: Zuviel Corporate Talk für meinen Geschmack. Kam nicht viel bei rum. Skip it.
- Diskussionspanel – 12 Values Shapping Technology’s Future: Mir wird immer schlecht, wenn ich Marketingleute über Werte reden höre. Das wird hier auf die Spitze getrieben. Insbesondere die MTV-Tante scheint sich wirklich nur dafür zu interessieren, wie man kleinen Görren vortäuschen könnte, dass man sich für sie interessiert und ihnen dann noch mehr verkauft. Die anderen stehen ihr da kaum nach. Aber ich habe sowieso eine grundsätzliche Abneigung gegen jeden, der das Wort Konsument benutzt.
27
Mrz 07
Die dunklen Seiten des Webs – Frauenbelästigung und Hexenjagd
Ich stelle immer wieder fest, dass ich überhaupt keinen Schimmer habe, was man als Frau alles mitmachen muss. Wenn ich die Alltagsgeschichten von Freundinnen von mir höre wird mir jedes mal schlecht und ich bekomme große Lust manchen von diesen „Kerlen“ ihre äußerliche Identität als Mann zu rauben, damit die Erzählungen von ihren Taten mir nicht meine innere Identität als Mann rauben.
Aufschrei um Kathy Sierra
Ein ähnlicher Aufschrei geht gerade vor allem durch die amerikanische Blogosphäre. Kathy Sierra ist eine geniale Bloggerin und hat nun ihre Vorträge auf der ETech-Konferenz abgesagt, da sie sich bedroht fühlt. In ihrer Stellungnahme schreibt sie über Todesdrohungen und Diffamierungen. Nun schlägt ihr eine große Welle von Sympathiebekundungen entgegen.
Auch ich wollte mich schon einreihen und mich laut auskotzen über das, was da passiert ist. Allerdings habe ich doch inzwischen kapiert, dass man zumindest etwas genauer nachlesen sollte, bevor man sich auf eine Seite schlägt und die andere angreift. In den Kommentaren zu Sierra’s Artikel fand ich dann die vehementen Wortmeldungen von einem der Beschuldigten (in den Kommentaren nach „Joey“ suchen), die den Sachverhalt aus seiner Perspektive zeigen und in denen er sich bereit erklärt, sich selbst anzuzeigen, um die Sache aufzuklären. Plötzlich steht Aussage gegen Aussage und das ganze ist nicht mehr so leicht.
Hexenjagd
Das bringt mich ins Nachdenken. Ein einzelner, extrem emotionaler Artikel bringt einen Großteil der Blogosphäre in Aufruhr und startet eine Hexenjagd. Ich geb’s gerne zu: auch mein erster Gedanke nach Sierra’s Artikel war, dass ich da gerne mal ein paar Kastrationen vornehmen würde. Auch in der deutschen Blogosphäre haben wir schon immer wieder Hexenjagden erlebt, die dadurch entstanden, dass jeder einfach emotional vom anderen abgeschrieben hat, ohne dass jemand unabhängiges den Sachverhalt überprüft hat. Es kann gut sein, dass Sierra vollkommen recht hat und die Beschuldigten eine gerechte Strafe verdienen. Aber das kann ich nicht entscheiden, wenn ich nur ihren Artikel und/oder die der Sympathiebekundenden lese.
Ein dringend nötiger Aufschrei
Wenn ich so darüber nachdenke, glaube ich eigentlich nicht, dass der Aufschrei so groß ist, weil eine beliebte Bloggerin bedroht wird. Die eigentliche Bestürzung wird durch die vielen Frauen ausgelöst, die sich jetzt bei Sierra melden und von ähnlichen Erfahrungen berichten. Man bekommt den Eindruck, dass jede Frau, die schon einmal in irgendeiner Form etwas im Web veröffentlicht hat, und seien es nur ein paar Urlaubsbilder bei flickr, sich schon Anzüglichkeiten und Belästigungen gefallen lassen musste. Der Aufschrei richtet sich gegen das, wozu Männer/Jungs fähig sind, wenn sie sich hinter einem Bildschirm in ihrem dunklen Zimmer sicher fühlen. Dieser Aufschrei ist extrem wichtig und dringend nötig.
Zwei Lektionen ziehe ich für mich daraus:
1. Ich muss unbedingt lernen, extrem vorsichtig zu sein bevor ich jemanden aufgrund eines Blogartikels beschuldige. Quellenprüfung ist die wichtigste Lektion, die ich von Journalisten lernen sollte. „Seid langsam zum Zorn.“ heißt es in der Bibel.
2. Satire, Sarkasmus, Ironie und Witze im Sexbereich können lustig sein, bergen aber das immense Potential enorme Verletzungen anzurichten. Deswegen sollte ich jede Anspielung und jede Kritik zehnmal prüfen, ob sie gerechtfertigt, an der Sache orientiert und schlichtweg menschenfreundlich ist. „Die Zunge ist ein scharfes Schwert.“ heißt es in der Bibel und sie schneidet auch im Web.
Mehr zu der ganzen Geschichte bei Robert, Oli und Timo. Sehr zu empfehlen: The Unsinkable Kathy Sierra von Tara Hunt
Update: Sehr cool. Robert und Armin bringen für die deutsche Blogosphäre mehr Licht in die Sache und versuchen die Ereignisse zu entwirren. So lobe ich mir das.
Update2: Stephanie Booth hat ähnliche Bedanken wie ich, was die Hexenjagd angeht, drückt es nur viel ausführlicher und gekonnter aus. Mit Abstand das beste, was ich zu der ganzen Sache bisher gelesen habe. (via Twitter)
Update3: Doc Searls veröffentlicht eine E-Mail von einem der Opfer der Hexenjagd. (via Twitter)
Update4: Wow, gemeinsam veröffentlichte Statements von Kathy Sierra und Chris Locke zu der Sache, die beeindruckend zeigen was passieren kann, wenn man miteinander spricht.

