Veränderungen Teil 5 – natürliche Tätigkeiten

Nachdem ich mich von fast allem verabschiedet habe, was ich im letzten Jahr gemacht habe, wurde es Zeit nach vorne zu sehen und zu überlegen, wie ich in Zukunft mein Arbeitsleben gestalten und wie ich meine Miete bezahlen will. Dabei steht noch mehr als zuvor die Arbeit im Vordergrund, die mir leicht fällt und die sich natürlich für mich anfühlt. Dazu galt es, noch einmal zurückzublicken und mich zu fragen, ob es nicht Tätigkeiten gibt, die ich ständig tue, ohne dass sie mir zur besonders zur Last fallen, weil ich sie ganz natürlich ausführe. Ich meine die Tätigkeiten, über die ich nicht lange nachdenke und einfach mache. Dabei stellt sich auch immer die Frage, wie diese Tätigkeiten im Einklang mit meinen Berufungen und Begabungen stehen.

Tätigkeit: Helfen

Schon beim Thema Berufung habe ich geschrieben, dass ich gerne Menschen helfe. Allerdings kam es dort etwas einseitig rüber, so als würde ich am liebsten als eine Art PC-Notdienst arbeiten. Um es nochmals deutlich zu machen, mir geht es darum, dass Menschen Technologie und Medien nutzen können, um ihre Arbeit zu machen, ihr Können einzusetzen und ihre Berufung zu leben. Ihnen dabei zu helfen ist mein Ziel und das kann sehr unterschiedlich aussehen. Für den einen bedeutet das, den Rechner einzurichten und ihm bei den ersten Schritten zu helfen. Für einen anderen kann das eine kleine Webseite sein, die ich ihm entwickle und helfe in Betrieb zu nehmen. Ich löse einfach gerne die Probleme von Leuten, sofern sie sich mit aktueller Medientechnik lösen lassen.

Dabei kommen in der Regel Helfen und Lehren als Berufungen zusammen. Zunächst helfe ich, ein Problem oder eine Aufgabe zu lösen und dann versuche ich mich überflüssig zu machen, indem ich der Person beibringe, wie sie das Problem vermeidet oder die Lösung einsetzt.

Tätigkeit: Beraten

Diese Tätigkeit des Helfens bündelt sich häufig mit meinem Interesse für alles neue. Ich werde ständig mit Fragen bombardiert ala „Kennst du ein Programm, das das und das kann?“, „Welches Handy funktioniert am besten mit meinem MacBook?“, „Welche Tools gibt es für GTD unter Windows?“ usw. Es geht dabei mehr um Beratung als um Reparatur. Meine Freunde und Blogleser fragen mich das, weil sie wissen, dass ich mich ständig mit diesen Themen beschäftige und nach neuen Dingen Ausschau halte.

Meine Beratertätigkeiten gehen ebenfalls über reine Technologiefragen hinaus, weil meine Interessen auch breiter gestreut sind. Ich unterhalte mich z.B. genauso gern mit Leuten über die Umsetzung von GTD oder anderer Produktivitätsideen. Ich philosophiere häufig über neue Kirchenformen, moderne Klöster und postmoderne Theologie. Ich interessiere mich für Streetart, Streetwear und sonstige Streetculture. Soziologie, Graswurzeljournalismus und Musik gehören ebenfalls zu meinen Interessengebieten. Gerade durch diese sehr vielfältige Mischung kann ich Dinge miteinander in Verbindungen bringen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. So habe ich z.B. durch meine parallele Beschäftigung mit Web 2.0 und Emerging Churches schon einige Aspekte feststellen können, wo das eine vom anderen profitieren kann.

Mein Mehrwert ist die Vielfalt meiner Interessen, die ich viel mehr als zuvor einsetzen und Menschen zur Verfügung stellen will. Hier spielt vor allem mein Wunsch Horizonte zu erweitern rein. Menschen kommen häufig über ein Interessengebiet zu mir. Aber dann kann ich ihnen den Blick für ein anderes öffnen, von dem sie ebenfalls profitieren können. Auch hier spielt meine Berufung zum Lehren eine wichtige Rolle.

Tätigkeit: Forschen

Forschen als eine natürliche Tätigkeit für mich habe ich erst mit meiner Diplomarbeit entdeckt, was wohl daran liegt, dass das in meinem Studium die einzige wissenschaftliche Arbeit ist, die leider bei vielen Diplomanden meines Studiengangs nicht mal wirklich wissenschaftlich ist.

Jedenfalls fing ich während meiner Diplomarbeit an, bestimmte Sachverhalte und Zusammenhänge zu entdecken, die mich faszinierten und die ich so vorher noch nirgendwo anders gelesen hatte. Es machte mir Spaß, hinter Dinge zu blicken und sie in einem breiteren Zusammenhang zu betrachten. Auch hier spielte mein Interesse für neue und sehr verschiedene Gebiete eine große Rolle, weil ich dadurch neue Aspekte in meine Diplomarbeit einfließen lassen konnte.

Eine der besten Zeiten meines bisherigen Lebens hatte ich in den 50 letzten Tagen meiner Diplomarbeit, als ich das ganze zu Papier brachte. Und zu Papier bringen heißt bei mir, dass es sich alles noch einmal deutlich weiterentwickelt, während ich schreibe. Wie ich neulich schon mal erwähnt habe, bin ich immer wieder verblüfft, was ich damals produziert habe, weil ich mir gar nicht bewusst war, was da in mir steckte. In diesen Tagen vor knapp einem Jahr war ich unheimlich produktiv, weil mich die Thematik fasziniert hat. Leider lag diese Tätigkeit nachdem ich die Diplomarbeit beendet hatte, komplett brach.

Weniger Produktion, mehr Bericht

Nachdem ich diese Tätigkeit formuliert hatte, die ich ganz natürlich ausführe, ohne mir viel dabei zu denken, wurde mir folgendes klar: Wenn ich ungezwungen machen kann, was ich will, arbeite ich viel mehr auf der Metaebene bzw. sammle, verknüpfe und vermittle Informationen als dass ich neue Dinge erstelle. Das auffällige dabei ist, dass ich in meiner Tätigkeit als Projektmanager und Konzepter immer darauf ausgerichtet war, neues zu schaffen und innovative Produkte zu erstellen. In meiner „Freizeit“ dagegen habe ich mich fast ausschließlich mit Produkten von anderen beschäftigt, diese ausprobiert, analysiert und anderen von ihnen erzählt.

Ich denke, dass diese Diskrepanz eine ganz große Rolle dabei spielt, warum ich im letzten Jahr mit meiner Arbeit nicht zufrieden war. Ich war auf der falschen Ebene. Und so lässt sich der Inhalt dieser Veränderungen-Serie leicht auf ein neues Motto zusammenfassen: Weniger Produktion, mehr Bericht.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

2 Gedanken zu „Veränderungen Teil 5 – natürliche Tätigkeiten“

  1. Da ich heute Zeit zum Lesen habe… Das mit den Ebenen ist interessant. Rauszufinden, wo man glücklich und was quasi von alleine läuft, ist sicher einer der besten Schlüssel seinen Weg zu finden. Allerdings finde ich auch wichtig, Balance zu haben. Wenn ich das, was mir Spass macht, ausschließlich mache, nervt es vielleicht auch. Ich spiele gerne Musik und Fußball, aber beides nervt mich, wenn ich es über ein gewisses Maß mache. Daher sind Freizeit und Beruf häufig auch unterschiedlich, weil man Balance braucht und nicht immer gleich unterwegs sein kann. Vielleicht was für deine Überlegungen…

  2. Da ich heute Zeit zum Lesen habe… Das mit den Ebenen ist interessant. Rauszufinden, wo man glücklich und was quasi von alleine läuft, ist sicher einer der besten Schlüssel seinen Weg zu finden. Allerdings finde ich auch wichtig, Balance zu haben. Wenn ich das, was mir Spass macht, ausschließlich mache, nervt es vielleicht auch. Ich spiele gerne Musik und Fußball, aber beides nervt mich, wenn ich es über ein gewisses Maß mache. Daher sind Freizeit und Beruf häufig auch unterschiedlich, weil man Balance braucht und nicht immer gleich unterwegs sein kann. Vielleicht was für deine Überlegungen…

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