Barcamp Berlin recap

barcamp
(Foto von cocaman)

So langsam habe ich mich vom Wochenende erholt und nun wird es dringend Zeit, das Barcamp Revue passieren zu lassen: Ich fand’s saugeil! Habe mich ja schon länger gefragt, warum man viel Geld für große Konferenzen mit tollen Namen ausgeben soll, wenn man sich das ganze nachher auch als Podcast anhören kann. Immer wenn’s interessant wird, ist die Zeit schon um und an so nen Web-Heavy kommt bei so einer Konferenz auch nicht heran, um ihm mal die spannenden Fragen zu stellen. Bleibt noch der Networkingaspekt, der aber meist sehr schmal zwischen den ganzen, wichtigen Keynotes ist. Barcamp ist das Gegenteil von alledem und damit für die Zukunft meine absolute Lieblingsform von Konferenz.

Man kann sich das ungefähr so vorstellen. Es versammeln sich ca. 80 bis 100 Webenthusiasten. Niemand ist da, nur weil der Chef meint, man müsse den und den Sprecher hören. Alle haben richtig Lust zu lernen und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Und plötzlich läuft das Ding von ganz alleine. Innerhalb von 15 Minuten haben sich alle mit Namen und drei Stichworten zu sich vorgestellt, was ich vorher für völlig unmöglich hielt. Innerhalb der nächsten 15 Minuten folgen dicht aneinander gereiht Themenvorschläge und -interessen. Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, sprechen sich spontan ab, ihre Sessions gemeinsam zu machen. Ihr merkt, ich bin immer noch von der sofort vorhandenen Atmosphäre beeindruckt, bei der niemand erstmal vorsichtig abwartend war.
Die Themenverteilung wurde aus dem Innenhof von Pixelpark in das Foyer verlegt, wo für jeden zur Verfügung stehenden Konferenzraum ein Flipchart mit Zeiträumen bereit stand. Jeder schrieb das Thema, zu dem er eine Session machen wollte auf ein Postit und füllte damit einen passenden Zeitraum eines Raumes. Nach kurzen Absprachen wurden noch einige Sessions hin und her gerückt, dann stand der grobe Plan für den Tag und das Barcamp konnte richtig beginnen. Auch über den Tag wurde immer wieder spontan gerückt und korrigiert. Abends schrieb jemand kurz „21h am Hackeschen Markt“ auf eines der Flipcharts und schon war das Abendprogramm geregelt.
Die Sessions waren entweder Vorträge von verschiedenen Leuten, wobei niemand ewige Monologe hielt, sondern immer schon direkt Fragen gestellt und diskutiert wurde, oder Gesprächsrunden zu Themen, bei denen man in der Runde diskutierte.

Ich habe beim Webmontag und auch bei diesem Barcamp manchmal das Problem, dass mir die Themen zu abstrakt, philosophisch oder dogmatisch sind. Man kann halt ewig über die Zukunft der klassischen Medien/Werbung diskutieren, auf Webstandards pochen oder Mikroformate promoten. Alles ok, aber ich mag’s auch gerne mal richtig praktisch.
Während der Themenvorschlagsrunde kam mir spontan die Idee, eine Diskussionsrunde zur Praxiserfahrung von Leuten zu machen, die schon mal tatsächlich was gelauncht haben. Mir ist bei unserem Launch von Hypediss neulich aufgefallen, dass es doch gewisse Unterschiede gibt zwischen dem Lesen von Techcrunch und dem Livegehen mit der eigene Webapplikation. Und diese Erfahrungen von anderen hat mich interessiert. Und scheinbar nicht nur mich, denn die Startup-2.0-Session am Samstag war gut gefüllt und es wurden spannende Dinge erzählt. Z.B. über Erfahrungen mit Business-Angles und dass es kaum funktioniert, eine ordentliche Webanwendung nebenher zu entwickeln. Wegen der großen Nachfrage haben wir die Session am Sonntag fortgesetzt. In kleinerer Runde wurde mir noch mal klar, wieviel Unsicherheit viele Entwickler haben. Es ist nicht das Problem, dass wir keine Idee hätten. Das Problem ist, dass wir wie gelähmt vor den tausend Möglichkeiten und Gefahren eines Startups stehen und niemand da ist, der ohne eigenen Interessen uns mit praktischer Erfahrung zur Seite steht. Klar, wir als Deutsche haben gerne mal ein bisschen mehr Schiss als andere. Aber mit ein bisschen Support von erfahreneren könnte viel mehr gehen.

Das gute am Barcamp ist, dass es nichts kostet. So hat man kein schlechtes gewissen, wenn man mal eine Session verpasst, um sich mit einem Freund oder neu gewonnenen Kontakt etwas länger auszutauschen. Das Ding ist sowieso networkingmäßig der Hammer. Ich denke, dass es kaum eine andere Möglichkeit gibt, so unverkrampft mit sauinteressanten Leuten zusammen zu kommen und qualitative Konversation zu betreiben. Ich habe ne Menge cooler Leute getroffen oder auch besser kennengelernt.

Fazit: Wenn nix schief geht, bin ich auf jeden beim Barcamp Nürnberg dabei, auch wenn ich am Ende echt kaputt war. Und das Konzept sollte man sich auch für jedes beliebige andere Thema genau anschauen.

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Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

13 Gedanken zu „Barcamp Berlin recap“

  1. Danke dir für diese ausführliche Zusammenfassung. Hört sich ziemlich interessant an und macht mich jetzt neugierig auf das Barcamp in Nürnberg – vielleicht fahre ich auch mal hin.

  2. Danke dir für diese ausführliche Zusammenfassung. Hört sich ziemlich interessant an und macht mich jetzt neugierig auf das Barcamp in Nürnberg – vielleicht fahre ich auch mal hin.

  3. Hehe, das 2.0-Ding ist gar nicht von mir. Irgendjemand hatte den Zettel für mich geschrieben und an das Flipchart gepappt und halt Startup 2.0 drauf geschrieben. Nur nicht zu ernst nehmen…

  4. Hehe, das 2.0-Ding ist gar nicht von mir. Irgendjemand hatte den Zettel für mich geschrieben und an das Flipchart gepappt und halt Startup 2.0 drauf geschrieben. Nur nicht zu ernst nehmen…

  5. oh mann, wo ist denn mein comment hin? vielleicht sollte ich alle tabs checken bevor ich den browser schliese? Hört sich sehr spannend an. Die frage ist nur bis zu welcher größe das konzept funktioniert? Mal sehen, wenn es klappt komme ich nach Nürnberg.

  6. oh mann, wo ist denn mein comment hin? vielleicht sollte ich alle tabs checken bevor ich den browser schliese? Hört sich sehr spannend an. Die frage ist nur bis zu welcher größe das konzept funktioniert? Mal sehen, wenn es klappt komme ich nach Nürnberg.

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