Ein DJ, mein Glaube und unser Mix

Kubik-Remix-1
Der Kubik-Gottesdienst vom Freitag war ein sehr krasser für mich. Es war der letzte vor unsrer April-Pause. Das Ziel von Daniel und Mark war, uns auf die vor uns liegende, intensive Phase vorzubereiten. Dazu haben sie das Bild des DJs aus Steve Taylors Out of bounds church?-Buch benutzt und deutlich erweitert. Steve erklärt anhand des DJs, dass emerging churches zwei Platten mixen, nämlich die Platte Gottes und die Platte der Kultur um sie herum.

Nach Mark und Daniel hören wir alle einen Mix, ob nun emerging church oder FeG. Wir alle leben einen Glauben, der ein Mix aus Gottes Beat und dem Sound unsrer Kultur ist. Wir haben Gottes Ideen genommen und sie auf unser Umfeld angepasst. So hat sich durch das Aufwachsen in einer Pfingstgemeinde in mir ein bestimmter Mix entwickelt, der Gottes Ideen und die pfingstliche Kultur vermischt. Wenn ich das Wort ‚Predigt‘ höre, höre ich nicht nur Gottes Prinzip, sondern auch das, was Pfingstler daraus gemacht haben. Das große Problem daran ist, dass dieses Verständnis von Dingen einem immer als Gottes reiner Beat verkauft wird. Man hört seit Ewigkeiten diesen Mix und hält ihn für Gottes Platte. Umso verstörter wird dann reagiert, wenn man versucht, die Kulturplatte runterzufaden, um eine andere reinzumixen. Denn scheinbar nimmt man ja Teile von Gottes Platte weg. Kein Wunder, dass wir häufig so einen Gegenwind spüren, wenn wir Dinge neu anzugehen versuchen.

Wie Radek uns im Gottesdienst bei seiner Kurzeinführung zum Mixen erklärte, macht man bei jeder neuen Platte ein Beatmatching, d.h. man passt die neue Platte auf die Geschwindigkeit der alten an und versucht dann, die Schläge von beiden so übereinander zu legen, dass es wie ein Rhythmus klingt. Wer das schon einmal versucht hat, weiß, dass das gerade zu Beginn alles andere als leicht ist und einige Versuche braucht. Ähnlich ist es auch bei unserem Mix aus Gottes Platte und der neuen Kulturplatte, die wir auflegen wollen. Gerade zu beginn, passt es noch nicht so ganz und wir brauchen einen neuen Anlauf. Nur wer dran bleibt und nicht beim ersten Fehlversuch direkt aufgibt, wird durch einen neuen Mix belohnt, der sich hören lassen kann.

Kubik-Remix-2

Mir hat diese vertiefte Metapher des DJs und des Mixens sehr geholfen, einen bildlichen Ausdruck für die Dinge zu finden, die mich gerade beschäftigen. Zum einen nervt es mich wahnsinnig, dass mir jahrzehntelang ein bestimmter Mix als Gottes Platte verkauft wurde ohne mir die Freiheit zu lassen, meine eigene Kulturplatte zu pressen und einzubauen. Zum anderen hilft das Bild mir auch, mehr Verständnis zu entwickeln für die Kritiker und für die mit Unverständnis für die ganzen frischen Ansätze. Schon mal versucht, nem Hardcore-Hiphop-Head ein bisschen Jazz unterzumixen?

Wo das Bild ein bisschen hackt ist, dass ich bei meinem Mix halt nicht einfach die Kulturplatte runterfahren kann und dann Gottes Beat pur höre. Ich kann nicht so ohne weiteres sagen, was in meinem Glauben und meiner Beziehung zu Gott ausschließlich Gott und was kulturelle Prägung usw. ist. Und genau das wird die spannende Herausforderung bei Kubik, der wir uns stellen wollen. Deshalb haben wir am Ende des Gottesdienst unseren alten Mix symbolisch als Platte auf einen Altar gehämmert und freuen uns auf eine Menge göttlichen Minimal in den nächsten Wochen.

Mehr zu dem Gottesdienst bei Daniel.
Mehr Bilder zum Gottesdienst in meinem Kubik-Set bei flickr.
Poetry aus dem Gottesdienst beim Pfaffe.

Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

2 Gedanken zu „Ein DJ, mein Glaube und unser Mix“

  1. sehr richtig! für mich hat das ausziehen alter (pfingst-)klamotten u.a. ein mehrjähriges bibel- und ein permanent gewordenes „gemeinde“-fasten beinhaltet… und immer wieder entdecke ich, wie übelst verwest-/christ-licht ich in meiner ganzen lebens- und glaubenskultur bin – zum puren abgewöhnen. kein wunder, dass ich bis heute weder begreife, was die „gute botschaft“ eigentlich ist, noch in irgendeiner art fähig wäre, sie zu vermitteln… da ist noch ein gut stück weg ahead möchte man sagen..

  2. sehr richtig! für mich hat das ausziehen alter (pfingst-)klamotten u.a. ein mehrjähriges bibel- und ein permanent gewordenes „gemeinde“-fasten beinhaltet… und immer wieder entdecke ich, wie übelst verwest-/christ-licht ich in meiner ganzen lebens- und glaubenskultur bin – zum puren abgewöhnen. kein wunder, dass ich bis heute weder begreife, was die „gute botschaft“ eigentlich ist, noch in irgendeiner art fähig wäre, sie zu vermitteln… da ist noch ein gut stück weg ahead möchte man sagen..

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