Medienkompetenz von Kindern

Das beliebteste Mem in der deutschen Blogosphäre ist ja derzeit ein Tokio-Hotel-Posting. Durch die hohe Bewertung von Google für Blogs landen die kindlichen Fans bei dem Beitrag und kommentieren wie wild. Als normaler Blogleser verfolgt man dann halb belustigt halb verstört das ganze Ausmaß von pupertierend pubertierender Begeisterung und freut sich über steigende AdSense-Einnahmen. Beispiele hier, hier und hier.

Ich finde das ganze derzeit mehr alamierend als lustig. Ich bin ja dank vier kleiner Schwestern, in einem boygroup-affinen Umfeld aufgewachsen. Aber das hielt sich alles in Grenzen. Was hier mitlerweile läuft, ist ein ganz anderes Level und zeigt, wie sehr Kinder heutzutage von Medien bestimmt werden und dabei einen völligen Realitätsverlust erleiden. In unzähligen Kommentaren findet man Adressen, E-Mail-Adressen und Handynummern, weil die Kids scheinbar tatsächlich glauben, dass die irgendwie bei der „Band“ landen könnten. Wer also Telefonnummern von minderjährigen Mädels sammelt, braucht nur nen Blog. What the fuck?

Eigentlich würde ich hier gerne einen sarkastischen Spruch über die kurze Lebensdauer von Retortenbands bringen, und mich über die Kids lustig machen. Ich könnte fragen, was mich diese Kids interessieren und mich um meinen eigenen Scheiß kümmern. Stattdesen werde ich gerade stinksauer, wenn ich sehe, mit welcher Macht die Medien und die Industrie aus den Kids willige Konsumroboter macht. Ich hatte ja irgendwann mal gehofft, dass sich das Konzept der Boygroups ausgelaufen hat und heute das jeder durschauen würde. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer.

Und in mir brennt mehr denn je der Wunsch danach, irgendwelches Zeug zu machen, dass den Kids Medienkompetenz vermittelt. Seminare, Medienwerkstätte, Unterrichtseinheiten, öffentliche Fernseherverbrennungen, ich hab keine Ahnung. Nur nicht mehr zusehen…

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Veröffentlicht von

Johannes Kleske

Co-Gründer von Third Wave, lebt in Berlin, denkt nach über die Zukunft von Arbeit, Stadt und Kommunikation, mag sowohl guten Kaffee als auch guten Tee. Newsletter, Twitter, LinkedIn, Xing

16 Gedanken zu „Medienkompetenz von Kindern“

  1. uiuiui, man merkt dass karlsruhe eine wirkung auf dich hat. so viel naeher am revolutionsfreudigen frankreich brennen dir jetzt auch die fusssohlen 🙂

    aber warum denkst du, dass die loesung des problems bei mehr medienkompetenz fuer kinder liegt? was ich so in meinem paedagogik studium mitbekomme ist, dass die medienkompetenz bei kindern sowieso immer groesser wird. und trotzdem (oder gerade deahlb?) werden sie immer blinder fuer die realitaet. meiner meinung nach ist das was die kinder (und nicht nur die sondern auch erwachsene) brauchen ein kritischer verstand. und der wird in den schulen leider ueberhaupt nicht gefoerdert.

  2. uiuiui, man merkt dass karlsruhe eine wirkung auf dich hat. so viel naeher am revolutionsfreudigen frankreich brennen dir jetzt auch die fusssohlen 🙂

    aber warum denkst du, dass die loesung des problems bei mehr medienkompetenz fuer kinder liegt? was ich so in meinem paedagogik studium mitbekomme ist, dass die medienkompetenz bei kindern sowieso immer groesser wird. und trotzdem (oder gerade deahlb?) werden sie immer blinder fuer die realitaet. meiner meinung nach ist das was die kinder (und nicht nur die sondern auch erwachsene) brauchen ein kritischer verstand. und der wird in den schulen leider ueberhaupt nicht gefoerdert.

  3. Sophia, das ist es doch, was ich mit Medienkompetenz meine, ein Verständnis für die Zusammenhänge, ein Dahinterblickenkönnen, ein kritischer Blick und die Fähigkeit Medien zielgerichtet einzusetzen.

  4. Sophia, das ist es doch, was ich mit Medienkompetenz meine, ein Verständnis für die Zusammenhänge, ein Dahinterblickenkönnen, ein kritischer Blick und die Fähigkeit Medien zielgerichtet einzusetzen.

  5. Sehr guter Artikel, Johannes. Denk‘ auch, dass das zu Medienkompetenz dazugehoert: Nicht nur drankommen, sondern auch damit umgehen.

    Aber ich mein, uns haben sie vor nicht allzulangem in der Schule noch beigebracht, dass Zeitungen nicht immer objektiv schreiben….

    Und die BILD ein gutes Beispiel dafuer ist.

    Will sagen: Ich denk‘, das gehoert in die Schule und fehlt da eindeutig.

    Weil Seminare und Lehrgaenge solche Schueler nicht freiwillig bzw. von sich aus besuchen bzw. nicht diejenigen, die am „lenkbarsten“ sind durch die Medien.

  6. Sehr guter Artikel, Johannes. Denk‘ auch, dass das zu Medienkompetenz dazugehoert: Nicht nur drankommen, sondern auch damit umgehen.

    Aber ich mein, uns haben sie vor nicht allzulangem in der Schule noch beigebracht, dass Zeitungen nicht immer objektiv schreiben….

    Und die BILD ein gutes Beispiel dafuer ist.

    Will sagen: Ich denk‘, das gehoert in die Schule und fehlt da eindeutig.

    Weil Seminare und Lehrgaenge solche Schueler nicht freiwillig bzw. von sich aus besuchen bzw. nicht diejenigen, die am „lenkbarsten“ sind durch die Medien.

  7. Mir faellen zu diesem Thema zwei Titel von Neil Postman ein, in denen ich kuerzlich in einem Kaffee-Buchladen gestoebert habe,…

    http://www.kramers.com/ (falls Du mal in Washington D.C. bist,…)

    Dissapearance of Childhood Amusing ourselves to Death

    Fuer mich ist das Thema gerade insofern aktuell, da hier wirklich zu allem ein „movie“ zitiert wird, und ich ein ziemlicher Analphabet in dieser Hinsicht bin.

    Ausserdem stelle ich mich auch immer wieder der Frage, wie ich wohl mit dieser Gewoehnung an Speed, Action, „Schoenheit“, Spannung, Schock, Beeindruckendes,… in der Schule umgehen werde,… da kann ja wohl kein Unterricht mithalten,… Ich hoffe, dass ich mit meinen Kollegen daran arbeiten kann, Kontexte zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche „originaere“ Erfahrungen mit sich selbst, mit Anderen, mit Materialien und Formen machen koennen, und sich selbst als Erfindende, Gestaltende und Liebende erleben koennen.

  8. Mir faellen zu diesem Thema zwei Titel von Neil Postman ein, in denen ich kuerzlich in einem Kaffee-Buchladen gestoebert habe,…

    http://www.kramers.com/ (falls Du mal in Washington D.C. bist,…)

    Dissapearance of Childhood Amusing ourselves to Death

    Fuer mich ist das Thema gerade insofern aktuell, da hier wirklich zu allem ein „movie“ zitiert wird, und ich ein ziemlicher Analphabet in dieser Hinsicht bin.

    Ausserdem stelle ich mich auch immer wieder der Frage, wie ich wohl mit dieser Gewoehnung an Speed, Action, „Schoenheit“, Spannung, Schock, Beeindruckendes,… in der Schule umgehen werde,… da kann ja wohl kein Unterricht mithalten,… Ich hoffe, dass ich mit meinen Kollegen daran arbeiten kann, Kontexte zu schaffen, in denen Kinder und Jugendliche „originaere“ Erfahrungen mit sich selbst, mit Anderen, mit Materialien und Formen machen koennen, und sich selbst als Erfindende, Gestaltende und Liebende erleben koennen.

  9. Ja, „Zukunfts-Kompetenzen“ an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, dazu hätte ich auch Lust. Nach 9 Jahren als Netzwerkadministrator, der in einem amerikanischen Unternehmen außer für das eigene Gehalt letztlich nur für den Gewinn von Aktionären arbeitet, denke ich in letzter Zeit sehr stark über meine Berufung nach.

    Ich möchte mithelfen „zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Und das nicht nur in meiner Freizeit, sondern auch durch den Einsatz meiner Arbeitskraft. Denn „die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“

    Mit 37 und einer vierköpfigen Familie ist es wahrscheinlich schon ein bißchen spät für eine Pastorenausbildung, außerdem liegen meine Gaben auch eher im technischen Bereich, aber vielleicht kennt ja jemand eine „God@Work-Company“ im Heidelberger Raum, die noch einen fähigen Netzwerkaministrator sucht. 😉

    Ja, so ein „Kompetenzcenter“, das wäre doch was. Denn neben Medienkompetenz gibt es ja noch mehr Kompetenzen (und Werte!), deren Vermittlung Not täte. Wobei ich selbst mich gar nicht ausschließe, ich arbeite daran, meine eigenen Kompetenzlevel weiter zu steigern. Ich sage nur „Elternkompetenz“.

    Vielleicht sollten wir uns darüber mal in einem Mailaustausch gegenseitig „befruchten“ 🙂 ich habe da die eine oder andere verrückte Idee – Vision würde ich es noch nicht nennen.

  10. Ja, „Zukunfts-Kompetenzen“ an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, dazu hätte ich auch Lust. Nach 9 Jahren als Netzwerkadministrator, der in einem amerikanischen Unternehmen außer für das eigene Gehalt letztlich nur für den Gewinn von Aktionären arbeitet, denke ich in letzter Zeit sehr stark über meine Berufung nach.

    Ich möchte mithelfen „zu suchen und zu retten, was verloren ist“. Und das nicht nur in meiner Freizeit, sondern auch durch den Einsatz meiner Arbeitskraft. Denn „die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter.“

    Mit 37 und einer vierköpfigen Familie ist es wahrscheinlich schon ein bißchen spät für eine Pastorenausbildung, außerdem liegen meine Gaben auch eher im technischen Bereich, aber vielleicht kennt ja jemand eine „God@Work-Company“ im Heidelberger Raum, die noch einen fähigen Netzwerkaministrator sucht. 😉

    Ja, so ein „Kompetenzcenter“, das wäre doch was. Denn neben Medienkompetenz gibt es ja noch mehr Kompetenzen (und Werte!), deren Vermittlung Not täte. Wobei ich selbst mich gar nicht ausschließe, ich arbeite daran, meine eigenen Kompetenzlevel weiter zu steigern. Ich sage nur „Elternkompetenz“.

    Vielleicht sollten wir uns darüber mal in einem Mailaustausch gegenseitig „befruchten“ 🙂 ich habe da die eine oder andere verrückte Idee – Vision würde ich es noch nicht nennen.

  11. Auf meinen Tokio-Hotel-Klingelton-Kauf-Link ist bei 16.000 Aufrufen bisher nur 235 mal geklickt worden. Aus diesen Klicks ist genau ein Kauf entstanden. Das macht mir ein bisschen Hoffnung.

  12. Auf meinen Tokio-Hotel-Klingelton-Kauf-Link ist bei 16.000 Aufrufen bisher nur 235 mal geklickt worden. Aus diesen Klicks ist genau ein Kauf entstanden. Das macht mir ein bisschen Hoffnung.

  13. @martin: Naja, wenn die „echte“ Fans sind, dann haben sie schon alles. Oder sind pleite, oder beides. 😉

  14. @martin: Naja, wenn die „echte“ Fans sind, dann haben sie schon alles. Oder sind pleite, oder beides. 😉

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