Die letzten zwei Monate meines Diploms sind angebrochen und damit wird es für die Zeit hier wohl sehr ruhig werden. Eher entspannt in das Diplom eingestiegen, wird mir gerade sehr bewusst, welch umfangreiches Thema ich mir hier ausgesucht habe. Es sprengt an jeder Ecke den Rahmen einer Diplomarbeit und ich muss mich ständig neu fragen, wo ich den Fokus legen soll.
Einige Aspekte meiner Diplomarbeit:
- Ich führe Wissensmanagement in einer Abteilung ein. Das für sich ist schon eine Wissenschaft, die einen ganzen Fachbereich an der FH Darmstadt ausmacht und ein Prozess, der im Regelfall mindestens zwei Jahre dauert.
- Ich behandle nicht einen Aspekt von Social Software, wie z.B. Blogs, sondern gleich Social Software an sich. D.h. statt einen Blog, ein Wiki oder ein anderes Tool zu entwickeln. Mach ich alles drei.
- Aus den Gesprächen mit den Mitarbeitern weiß ich, dass die meisten Tool-müde sind. Sie wollen mehr als nur noch mehr Eierlegendewollmlichsäue, von denen sie schon x benutzen müssen. Leider lässt meine knappe Zeit nicht viel anderes zu als Tools.
- Damit die Tools trotzdem angenommen werden, muss ich extrem viel Fokus auf Usability und Hilfen setzen. Denn die ganze Geschichte ist auch noch Bottom-Up. D.h. nicht der Chef hat entschieden, dass es Verbesserungen in der Kommunikation und der Zusammenarbeit braucht und verlangt damit auch nicht die Benutzung der neuen Tools von seinen Mitarbeitern.
- Ich muss einen Wissensmanagement-Prozess entwickeln, drei komplette Tools konzipieren, programmieren und gestalten, auf Usability achten, Anleitungen entwickeln, Prozess und Tools mit möglichst vielen Mitarbeitern persönlich besprechen und Feedback beachten, sowie nebenher noch eine umfangreiche Arbeit schreiben.
Manchmal ärgere ich mich, dass ich mir kein einfacheres Thema gesucht habe. Dann könnte ich die Sache jetzt entspannt zu ende bringen und die ganzen anderen, interessanten Projekte bei Kubik und sonstwo machen.
So komme ich derzeit an meine Grenzen und bin ständig herausgefordert. Das ist zwar definitiv nicht easy going aber wahrscheinlich für mich persönlich, was Charakterentwicklung und den Ausbau meiner Fähigkeiten angeht, das bessere. So lerne ich mit Druck zu leben und auch ohne Team meine Gedanken zu sortieren und gute Entscheidungen zu treffen.
Trotzdem kann ich’s kaum erwarten, dass die zwei Monate rum sind.
Ich bin Johannes Kleske, 29, aus Karlsruhe. Ich arbeite als Konzepter für die Digitalmarketing-Agentur Neue Digitale / Razorfish in Frankfurt.


Interessant zu lesen … ach ja die Diplomzeit, aus heutiger Sicht (nach 8 Jahren im Beruf) eine wirklich spannende Sache und wie Du schreibst wichtig für die Entwicklung, so empfinde ich das auch.
Doch zur eigentlichen Frage, warum musst Du die drei Tools selber entwickeln? Warum das Rad neu erfinden? Es ist bestimmt möglich existierende Tools anzupassen, umzudesignen, zu verbessern, etc…. na Du weisst schon!?
Viel Erfolg
Wolfram
Du hast recht. Und für das Weblog und das Wiki benutze ich auch WordPress bzw. MediaWiki. Sonst würde ich das gar nicht schaffen. Das dritte System ist aber ein Aufsatz auf ein bestehendes System in der Abteilung, und dafür habe ich noch keine existierenden Tools gefunden. Am Wochenende will ich mit meinem Betreuer mal klären, inwiefern hier auch ein Konzept zur Umsetzung reicht. Btw. es geht um die Verwaltung einer Dateiablage. Wenn da jemand was weiß…
Ein paar Links, zumindest für das Quellenverzeichnis interessant ;-): http://weblog.plasticthinking.org/item/2005/11/15/sozialwissenschaftliche-ansaetze-und-perspektiven-der-weblogforschung
Ansonsten weiterhin alles Gute noch und denk an die Zeit danach
Kannst du noch ein bisserl genauer schildern, was das dritte Tool können soll? Dokumentenverwaltungssystem?
Genau. Es gibt einen Verzeichnisbaum auf einem Windows-Server. Das Tool soll diesen Verzeichnisbaum auslesen und für jede Datei einen Datenbankeintrag machen. In einem Webinterface können die Mitarbeiter nach Dateien bzw. Metainformationen suchen. Dabei geht es für mich weniger um die Grundfunktionen. Meine Aufgabe besteht darin, dieses System mit Social Software Dingen auszustatten. D.h. es soll ein RSS-Feed von den neu hinzugefügten Dateien abonnierbar sein. Man soll nicht nur nach Dateinamen, sondern auch nach Schlagwörtern suchen können usw.
hey Johannes, viel Kraft wünsche ich Dir.
Zum Thema WM können wir uns ja mal demnächst im Kubik unterhalten…
Habe Diplom u.a. darüber geschrieben.
Hallo Johannes!
Das würde ich aber nicht über einen RSS-Feed lösen, welche Vorteile bringt das? Ich würde die Objekte, die neu erstellt werden in einem sinnvollen Format (z.B. XML) erfassen und über ein Webportal und per Mail public machen.
Mail haben die Leute eh. Du musst drauf achten, dass die Fäden bei den Mitarbeitern zusammenlaufen, Mail und Web ist einfach sehr etabliert und akzeptiert.
Hätte jetzt gerne im Gegenzug einen Tipp bzgl. Responsevorhersage von Direktmarketingkampagnen
Grüsse Christian
Frau Ruge würde sagen “Alles wird gut” aber für den Satz sollte man sie endlich mal auf den Mond schiessen! Ist etwa alles schlecht, oder was?