Wenn ich die Liste so sehe, wird auch klar, warum ich nach Karlsruhe gezogen bin. Ich wollte mit der Vergangenheit abschließen und hier ein neues Leben beginnen
Naja, ein stückweit hat mich das schon getroffen, diese Liste zu sehen. Sieht halt schon derbe nach christlichem Nerd aus. Ist nicht wirklich so viel cooles dabei, auf das ich stolz bin. Und dabei habe ich das “…hatte noch nie eine Freundin.” noch rausgelassen. Ich schau mir das ganze an und denke “Irgendwie habe ich noch nie was herausragendes gemacht und durchgezogen. Bin nirgendwo richtig gut usw.” Und schon bin ich in einer meiner typischen Identitätskrisen.
Und während ich so in meinen “Was bist du doch für ein Loser!”-Gedanken Trübsinn blase, meldet sich leise ein anderer. “Sach ma, digger, vergleichst du dich schon wieder mit anderen? Schau dir doch die Liste mal etwas abstrakter an. Sie beschreibt dich eigentlich ziemlich gut mit deiner Stärke. Du bist gerade nicht der Typ, der eine Sache besonders gut kann, sondern der viele Dinge kennt und diese zusammen bringt, genau wie dein Studium. Das macht dich aus. Du kannst neue Wege gehen und Leuten helfen, Dinge in einem anderen Kontext zu sehen. Ok, durch das Aufwachsen im christlichen Ghetto hat das manchmal etwas bizarre Formen angenommen. Aber hey, vielleicht ist es so deine Aufgabe, andere davor zu bewahren, dass ihre Talente im schmalen Horizont des allgemeinen Gemeindeumfelds versauern. Also, hör auf, dich selbst zu bemitleiden und leb das Ding. In allem anderen währst du einfach zu schlecht.”