Mike beobachtet in seinem Blog massiven Gemeindewachstum in den amerikanischen Megachurches, wenig Leute in den englischen alt.worship-Events und vor allem frustrierte Gemeindeleute in den emerging churches. Das führt ihn zu ein paar harten Fragen, die er sich vor allem selber stellt:
- Warum erreichen postmoderne Gemeinden in der Postmoderne scheinbar weniger postmoderne Menschen als modern geprägte Mega-churches?
- Sind viele/einige EC’s vor allem für enttäuschte Christen ein Auffang-Becken (ähnlich wie viele Hauskirchen), haben aber kaum “missionarische Kraft”?
- Ist Alt.Worship “nur” eine Ausdrucksform für christliche Künstler und Kreative, warum werden diese Anlässe nicht von “Cultural Creatives” überschwemmt, da diese Events doch deren Lebensgefühl perfekt kontexualisieren!
- Ist nicht überall “Missional” drin, wo “Missional” draufsteht?
- Gibt es gar keine eigentlichen “Bekehrungen” mehr, weil EC’s mehr den Prozesss betonen? Aber wo bleiben die Taufen?
- Bis jetzt sehe ich kaum multiplikative organische EC’s, die zwar klein sind, sich dafür aber wie die Kaninchen vermehren…
Ich denke, die emerging church ist vor allem eins, immer noch am emergen. Ganz im Gegensatz zu den Megachurches wie Mars Hill, Saddleback und Hillsong. Die sind einfach derbe reif für die Ernte und sie erreichen ihre Zielgruppen perfekt (Saddleback ist einem Suburb von LA angesiedelt, wo du bis zum Horizont nur idyllische 1-Familien-Häuser siehst. Künststück, da mit dem richtigen Modell ne Megachurch zu bauen). Und früher oder später wird es wohl mit ICF auch hier so abgehen. Hey, und das ist cool, viele werden Jesus kennen lernen. Aber einige werden das Kotzen kriegen, wenn sie in so eine Gemeinde kommen. Einige werden sich in dem Event-orientierten, unpersönlichen Megachurches nie wohl fühlen, und wenn’s sonst keiner ist, dann zumindest ich. ![]()
Es geht halt nicht darum, Gemeindemodelle zu vergleichen und das perfekte One-size-fits-all zu finden. Es geht darum zu schauen, was mir und meinem Umfeld in der Beziehung zu Jesus hilft und das zu bauen. Wie lange wollen wir noch nach Amiland schauen, bevor wir feststellen, dass bei uns ein ganz anderer Film läuft? Und um auf Mike’s letzte Frage einzugehen, bisher sehe ich (fast) überhaupt keine ECs. Wie will ich da vergleichen?
Bei uns stecken emerging churches noch nicht mal in den Kinderschuhen. Wie sollen sie da große Kreise ziehen? Und eigentlich glaube ich auch, dass sie das nie tun werden. EC ist einfach kein Ding für die Masse. ECs erreichen bestimmte Typen und Leute, die sonst kaum jemand erreicht. Und das ist derbe! Aber damit ist es ein Gemeindemodel der Zukunft und nicht das.
Ich würde das ganze Moderne/Postmoderne-Ding gerne loswerden. Klar, es macht das erklären einfacher. Aber genau das ist die Gefahr. Wir denken so sehr in Modellen, dass wir unser Umfeld nur noch in Schubladen wahrnehmen. Ich finde Karen Ward’s Beschreibung des Viertels, in dem ihre Teachurch angesiedelt ist, aus Relevant Church ein gutes Beispiel dafür, wie es besser laufen kann. Sie geht dabei sehr genau auf die verschiedenen Typen und Leute ein, die dort leben. Und danach baut sie ihre Gemeinde. Das sind die Kategorien in denen ich denken will. Und nur auf dem Level lässt sich meiner Meinung nach Gemeinde in Nachbarschaften und Subkulturen bauen. User research, baby. Wer Methoden braucht, dem gebe ich gerne ein bisschen was aus meinem Studium weiter.
Ich denke, dass ECs dann ein Auffang-Becken für enttäuschte Christen werden, wenn sie sich nicht radikal genug von bisherigen Gemeindewurzeln los machen und komplett neue Wege gehen. Wenn wir nur ein bisschen an unseren Gottesdienstformen schrauben, die Musik lauter ist, in der Predigt auch Scheiße gesagt wird und nach dem Gottesdienst alle zum Rauchen raus gehen, dann wird das die Folge sein. Wenn wir aber unsere alten Vorstellungen von “so wird das gemacht” und unsere Angst vor Fehlern bekämpfen, so könnte dieser Kelch an uns vorüber gehen. Denn irgendwie hätte so ein Froki doch schon gerne ne Predigt… ![]()
Um zu meinem Eingangs-Statement zurück zu kommen, ich denke, dass wir noch weit weg davon sind, emergt zu sein. Und wenn wir irgendwann mal unsere Angst ablegen, manche Aspekte undiskutiert lassen und uns die Kinderschuhe anziehen, um unsere Umwelt experimentell und explorativ kennen zu lernen, dann ja dann…
Ich bin Johannes Kleske, 29, aus Karlsruhe. Ich arbeite als Konzepter für die Digitalmarketing-Agentur Neue Digitale / Razorfish in Frankfurt.


Hi Johannes!
Danke für deinen Post und deine Ergänzungen! Ich habe bewusst etwas schwarz-weiss gemalt. Ich werde definitiv auch einer derjenigen sein, der sich in Mega-churches nie wohl fühlen wird, das habe ich in Willow gemerkt, aber auch als ich gestern den 25.Jahr-Jubiläums-GD von Saddleback mit 30000 Leuten gesehen habe (Video auf ihrer Website). Das ist für mich klar. Ich wünsche mir einfach, dass EC’s bei uns, in den Staaten und wo auch immer nicht nur “cool” und “unkonventionell” sind,nicht nur Gemeinde neu denken und gestalten, sondern tatsächlich auch Menschen (viele Menschen!) mit dem Evangelium erreichen…aber wenn dies nicht geschieht oder nicht die Absicht ist, habe ich meine Fragezeichen.
Ich möchte jedem Menschen einzeln begegnen können, dürfen und es auch tun. Ja, genau. Endlich runter von dem Schubladen-Denken vor allem mit den Begriffen Modern/Postmodern.
Vergiss bei einer solchen Diskussion aber nicht, daß es neben Megachurches und EC noch jede Menge andere Gemeindetypen gibt. Wenn EC nur existiert, weil sie sich besonders stark von Megachurches unterscheidet, wäre das auch seltsam. Ich weiß, das ist nicht so, aber ein externer Beobachter könnte bei manchen Textpassagen auf diesen Gedanken kommen, denke ich.
Das mit dem Auffangbecken für Enttäuschte muß man nicht nur negativ sehen. Ohne ein gewisses Unzufriedenheitspotential mit dem Status Quo gibt es nun mal keine Veränderung. Die Frage ist nur - wohin führt sie? Zum gemeinsamen Jammern der sich unverstanden Fühlendenden oder zu mehr Verständnis in der eigenen Subkultur und in Folge davon zu neuen Erfahrungen mit Christus?
Ich möchte in den Emergenten Gemeinden vor allem anständige Toiletten haben, sauber und so. Vor allem um zwischendrin auch mal kotzen gehen zu können.
Die Sache ist doch ganz einfach: Einige von uns spüren, dass Gott neue Wege mit Ihnen gehen will. Nun gehen wir los. Müssen wir uns legitimieren, mit so und so viel erreichten postmodernen Menschen ? Für mich geht es nicht darum, eine Gemeinde zu bauen, die postmoderne Menschen erreicht. Mir geht es darum, als postmodern geprägter Mensch, meinem Herrn in Sachen Gemeindebau zu folgen. Und Gemeinde zu bauen, in der ich selbst ersteinmal mit anderen Gott begegnen kann. Das wird Ausstrahlungskraft haben, von alleine, ohne Statistiken und Legitimationszwänge.
GEILER POST ALTER!
Coole Seite! Hi Depone! Grüße von Tina von AfL! Bin gerade zufällig auf die HP gestoßen, muss für die Seminararbeit “Gemeindebau in der Postmoderne” HPs suchen zum Thema EC.
Ist echt interessant.
Tschö!
Sehr interessanter Beitrag, Johannes. Ich schätze, ich muss mir deinen RSS-Feed ziehen und abends immer mal mitlesen, was läuft.
ch hoffe, dass wir immer mit Vielfalt auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren können. Auch wenn es grundsätzlich eine Gefahr in sich birgt, immer individualistisch auf Individualisten zu reagieren. Aber leider ist unsere Gesellschaft sehr egozentrisch geprägt, und da müssen wir die Leute auch so kontaktieren, dass wir überhaupt an sie rankommen. Nur: In der Church wünsche auch ich mir, dass wir öfters mal fragen, wie Gott die Dinge sieht. Er hat Regeln und Prinzipien für sich und die Menschheit aufgestellt, die unabhängig vom Zeitgeist sind und eben nicht total (egoistisch) individuell sind. Aber das sind wir nicht mehr gewöhnt, weil jeder nur noch sein persönliches Ding machen will und kann. Damit dürfen moderne Kirchen durchaus in der Gesellschaft anecken. - Wenn sie denn wahrgenommen werden…
hi freaks
ehrlich gesagt, blicke ich nicht recht durch was ne EC church ist oder sein sollte?
Was ist die vision einer EC-Church?
Was sind die werte einer EC-Church?
Wie werden die biblischen werte in einer EC-Church kommuniziert?
Wie werden diese werte in einer EC-Church gelebt?
An was für merkmale erekenne ich ein EC-church?
Was sind “muss” merkmale und was “optionale” merkmale?
was erleben, spüren oder begenen menschen, welche in kontak kommen mit einer EC-Church?
danke für eure Antworten
gbu
ste